Polizei kassiert Bußgeld: Brücke über die A 44 zwischen Breuna und Niederelsungen ist nicht für Fußgänger 

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Wenn Lastwagen vorbeifahren, wird der Raum für Fußgänger trotz einer Fahrbahnbreite von 3,30 Meter ziemlich eng.

10 Euro „Brückenzoll“ oder ein Umweg mit 20 Minuten Gehzeit 

Wolfhagen. Die A 44 liegt wie eine Barriere zwischen dem Wolfhager Land und dem Gebiet der Stadt Breuna. Natürlich ist sie nicht undurchlässig. So bildet zum Beispiel die Landesstraße 3112 am SVG Rasthof Elsinger Höhe die kürzeste Verbindung zwischen dem südlich der Autobahn gelegenen Niederelsungen und dem interkommunalen Gewerbegebiet „Hidderser Feld“ auf der Nordseite. Gleiches gilt für die beiderseits der Autobahn ansässigen Firmen. Doch wer die Brücke der L 3112 als Fußgänger nutzt, darf seit neuestem „Brückenzoll“ bezahlen.

„10 Euro hat mir die Polizei abgeknöpft“, empört sich Werner Winning und berichtet Ähnliches von Nachbarn und Arbeitskollegen aus Niederelsungen. Verkehrsrechtlich sicher korrekt, stehen doch an der Brücke unübersehbar blitzblanke Schilder, die Fußgängern das Überqueren der Brücke untersagen. „Seit Jahren überqueren die Leute hier die Autobahn, sei es, um von der Bushaltestelle am Kreisel zu ihren Betrieben zu kommen oder andersherum, um nach Breuna zu gelangen“, berichtet der Niederelsunger. „Nie ist Geld abkassiert worden!“

20 Minuten Umweg bei korrekter Wegwahl

Werner Winning hat sich sogar die Mühe gemacht, die Straße zu vermessen. 3,30 Meter seien es von der Mittellinie bis zur seitlichen Begrenzungslinie; auf der betonierten Randfläche hätten Fußgänger 80 Zentimeter Platz zwischen Straßenrand und Leitplanke. „Das ist den Behörden wahrscheinlich zu wenig“, spekuliert er.

Die Brücke darf man also nur mit dem Auto oder dem Zweirad überqueren. Fußgänger, die bei der Elsinger Höhe verkehrsrechtlich korrekt die Seiten wechseln wollen, müssen einen Umweg von circa 15 bis 20 Minuten in Kauf nehmen. Die Route führt ins Gewerbegebiet Hiddeser Feld, wo man in der Nähe der Halle „Classic Parts“ zu einer Treppe und so zu einer Unterführung unter der A 44 gelangt. „Nicht beschildert und im Winter nicht geräumt“, unterstreicht der Niederelsunger. „Und wer macht schon einen 40 Minuten Umweg vom Bus zum Arbeitsplatz hin und zurück, wenn man das ganze auch in vier Minuten schaffen kann?“

Verbotsschild? Keiner will’s gewesen sein

Doch wer hat die Schilder aufgestellt? Hessen Mobil erklärt sich für nicht zuständig; die Behörde übernehme lediglich an Autobahnen und ausgewählten autobahnähnlichen Bundesstraßen die Aufgabe als Straßenverkehrsbehörde. Im Falle der L 3112 sei der Landkreis Kassel der richtige Ansprechpartner. „Für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen ist der Landkreis tatsächlich der Ansprechpartner“, bestätigt dessen Sprecher Andreas Bernhard, um gleich ein großes „Aber“ hinterherzuschieben: „Im Fall der L 3112 sind wir nicht die zuständige Behörde für die Beschilderung, sondern in Abhängigkeit der Einwohnerzahl das Ordnungsamt der Stadt Wolfhagen.“

Dessen Leiter, Helmut Rupp, kennt sich in seinem geografischen Verantwortungsbereich bestens aus und weiß sofort, um welche Brücke es sich handelt. „Dort ist doch gar kein Fußweg“, staunt er. Die Betonierung der Straßenränder sei konstruktionsbedingt, wahrscheinlich sei die verbleibende Breite zwischen Geländer bzw. Leitplanke und Fahrbahnrand zu gering, um dort einen Gehweg zu installieren. Kein Weg, kein Grund für Verbotsschilder, heißt es im Ordnungsamt, vielleicht wisse ja Hessen Mobil, wer die aufgestellt hat. Keiner will’s also gewesen sein. Was allerdings nichts am Verbot ändert, die Brücke per Fuß zu überqueren. Werner Winning: „Vielleicht sollte man ein paar Fahrräder dies- und jenseits deponieren, damit darf man ja rüber!“

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