Rote Karte gegen häusliche Gewalt

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Foto: Archiv

Region. Stadt und Landkreis unterstützen „Nein zu Gewalt gegen Frauen“. Mit der Offensive wird auf Folgen häuslicher Gewalt aufmerksam gemacht

Landkreis. "Wir zeigen häuslicher Gewalt die rote Karte", machen Anne Janz und Susanne Selbert unmissverständlich klar. Hintergrund der konzertierten Aktion der Kasseler Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit und der Vizelandrätin ist ein landesweites Kooperationsprojekt anlässlich des Internationalen Tages "Nein zu Gewalt gegen Frauen". Mit der Informationsoffensive soll auf den Umfang und die Folgen häuslicher Gewalt aufmerksam gemacht werden. Dazu werden in vielen Apotheken in Stadt und Landkreis Kassel Infoplakate ausgehängt und Informationen zu Hilfsangeboten ausgelegt. Getragen wird die Aktion gemeinsam vom Hessischen Apothekerverband und der Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros.

"Häusliche Gewalt kommt in allen sozialen Schichten und Gruppen vor - verlässliche Schätzungen gehen davon aus, dass jede vierte Frau Gewalt im häuslichen Umfeld erlebt hat, berichten Janz und Selbert. Allein im letzten Jahr wurden hessenweit über 7.600 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Dies seien nur die bei der Polizei gemeldeten Fälle - die Dunkelziffer sei weitaus höher.

1012 Fälle häuslicher Gewalt in Nordhessen

Beim Polizeipräsidium Nordhessen wurden in 2012 insgesamt 1012 Fälle häuslicher Gewalt bearbeitet, davon wurde 139 als gefährliche oder schwere Körperverletzung eingestuft und vier als versuchte Tötungen. Die Opfer-/Tatverdächtigenvergleiche der Polizei zeigen dabei, dass Frauen stärker von Gewalt betroffen sind als Männer: Bei den in Hessen polizeistatistisch erfassten Vorfällen waren in 2012 85,7 Prozent der Opfer weiblich und 14,3 Prozent männlich. Die Tatverdächtigen waren zu 86,7 Prozent männlich und nur zu 13,3 Prozent weiblich. "Wir müssen weiter daran arbeiten, die Sensibilität aller für die Wahrnehmung von Gewalt zu schärfen. Dafür sind solche Aktionen wie die Rote Karte gegen häusliche Gewalt wichtig", betonen Janz und Selbert.

Beide freuen sich deshalb "sehr, dass sich zahlreiche Apotheken aus der Region an dieser Aktion beteiligen". Gewalt zu erleiden sei "nach wie vor" eines der vorrangigen Gesundheitsrisiken für Frauen, und jede zusätzliche Verbreitung von Informationen über die Hilfsangebote könne dazu beitragen, dass Betroffene sich die Hilfe holen, die sie brauchen.

Dr. Ulrich Roesrath, Vorstandsmitglied des Hessischen Apothekerverband, freut sich über die Anerkennung, die die Aktion erfährt: "Die Apotheke als niedrigschwellige Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Gesundheit ist sehr gut dafür geeignet, diese Informationen 'an die Frau zu bringen. Die hessischen Apotheken haben jeden Tag mehr als 300.000 Kundenkontakte, insofern bin ich sicher, dass dieses Hilfsangebot hier die richtige Zielgruppe findet". Von den rund 11.000 Apothekenmitarbeitern seien fast 90 Prozent Frauen. "Das gibt der Maßnahme einen zusätzlichen Faktor an Glaubwürdigkeit und Sensibilität für das Thema", so Dr. Roesrath.

Henning Hinn, Leiter des Polizeireviers Südwest, bekräftigt angesichts der Zahlen im Bereich häusliche Gewalt, die Bereitschaft der Polizei sich weiter an Einrichtungen wie dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt Region Kassel aktiv zu beteiligen. Nur die Zusammenarbeit aller, die mit Fällen häuslicher Gewalt befasst sind, könne die Situation für die Betroffenen verbessern. Dies gelte insbesondere auch für die Kinder, die bei Partnergewalt immer mit betroffen sind. Bei den in Hessen registrierten Fällen von häuslicher Gewalt waren 5616 Minderjährige mittelbar mit betroffen.

Immer wenn Kinder und Jugendliche mit betroffen sind, wird das jeweils zuständige Jugendamt benachrichtigt. "Dass die Abläufe hier gut aufeinander abgestimmt sind, dass die Institutionen voneinander wissen, wie sie vorgehen, und so den direkt Gewaltbetroffenen und den Kindern gut geholfen werden kann, ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Arbeit des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt Region Kassel", so dessen Leiterin Irmgard Schüler, Frauenbeauftragte der Stadt Baunatal.

In der Region Kassel hat der Runde Tisch dafür gesorgt, dass bei den Hinweisen im Rahmen der Aktion "Rote Karte gegen häusliche Gewalt" die hessenweiten Hinweise auf Hilfsangebote durch regionale Kontaktdaten ergänzt wurden.

 Hintergrund

Die Aktion "Rote Karte gegen häusliche Gewalt" findet im Umfeld des 25. Novembers, des Internationalen Tags für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, statt. Jedes Jahr Ende November machen Frauengruppen und Hilfeeinrichtungen auf die Betroffenheit von Frauen durch häusliche und sexualisierte Gewalt aufmerksam. Der Gedenktag geht zurück auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal in der Dominikanischen Republik in 1960 und soll zum Eintreten gegen Unrecht ermutigen. Seit vielen Jahren wird zum 25. November beispielsweise die Fahnenaktion: "Nein zu Gewalt an Frauen - frei leben ohne Gewalt" der Frauenrechtsorganisation terre des femmes durchgeführt, an der sich auch Stadt- und Landkreis Kassel und viele andere Städte im Landkreis beteiligen.

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