Segelreise zum weißen Fleck

Trendelburg. Die Seekarten von Ellesmere Island weisen einige Lcken auf. Da gibt es nur ungefhre Landkonturen zu sehen und die wichtigen A

Trendelburg. Die Seekarten von Ellesmere Island weisen einige Lcken auf. Da gibt es nur ungefhre Landkonturen zu sehen und die wichtigen Angaben ber die Wassertiefen fehlen. Eigentlich ist das nur ein weies Stck Papier, welches das Seegebiet darstellt. Warum auch mehr, denn hier oben, am fast nrdlichsten Punkt der Arktis, braucht sowieso kein Schiff zu fahren. Menschen leben hier nicht und die meiste Zeit des Jahres ber liegt das Meer unter einer dicken, weien Eisdecke begraben. Doch genau dort wollten die Trendelburger Reinhard Schmitz und Jutta Eisenecker hin. Mit einer Segelyacht zum weissen Fleck auf der Seekarte von Ellesmere Island entlang der Kste von Grnland bis hin ins Packeis der Baffin Bay, in die nordkanadische Arktis. Sie haben ihren Traum wahrgemacht hier ist ihr Erlebnisbericht:

Monatelang haben wir unser Schiff, eine aus solidem Stahl gebaute Segelyacht von 15 Metern Lnge auf diese Reise vorbereitet und ausgerstet, damit uns auch in extremen Situationen da drauen auf dem endlosen Meer und im Eis der Arktis ein berleben gesichert bleibt. Notsender, Satellitenfunkanlage und berlebensanzge kamen an Bord, dazu Lebensmittel fr sechs Monate ausreichend. Als wir am 3 Mai im vergangenen Jahr in Bremerhaven die Leinen los warfen, lagen tausende von Seemeilen vor uns. Der frhe Abreisezeitpunkt nach Grnland war deshalb so gewhlt, um den kurzen Sommer in der Arktis voll auszuntzen, der Gefahr vorzubeugen, nicht rechtzeitig und vor den brutalen Strmen im Herbst, die Rckreise nach Europa antreten zu knnen, oder im Eis festzustecken und eingeschlossen zu bleiben.

Nach einem Stopp auf See Island wagten wir frhmorgens am 7. Juni die berfahrt nach Grnland. Die ersten Tage waren geprgt durch ein lig, spiegelglattes, windloses Meer, das sonst wegen seiner Strme Angst und Schrecken verbreitet. Der Motor lief Tag und Nacht und schob uns - begleitet von Buckelwalen - dem mit am meisten gefrchtesten Kap der Erde, dem Kap Farewell, an der Sdspitze Grnlands gelegen, entgegen. Der nchste Wind der kommen wird, hat Sturmstrke, lehren mich eine ber 10jhrige Segelpraxis in arktischen Gewssern. Der Wind kam zurck und wurde als Orkantief dicht sdlich von Kap Farewell angekndigt, just zu der Zeit, in dem wir das Kap passierten, von groen Packeisfeldern bedrngt und uns alles htten vorstellen knnen, nur keinen Sturm. Kein Hafen, wir wnschen Ihnen viel Glck, tnte es aus dem Lautsprecher, als ich die grnlndische Kstenfunkstelle anfunkte um zu fragen, welchen Hafen man den bei den vorherrschenden Wetter- und Eisbedingungen ansteuern kann um Schutz zu finden.

Angst machte sich breit und vom Dauereinsatz die Yacht bei Sturm, Klte und Nebel Tag und Nacht durch Treibeisfeldern und an gigantischen Eisbergen vorbei weiter segeln zu mssen, ausgezehrt, erreichten wir Tage spter ein kleines Fischerdorf an der Westkste Grnlands. Bei all unseren Planungen im Vorfeld der Reise, hatten wir den Klimawandel mit einkalkuliert und darauf gebaut, das das arktische Meereis bereits frher im Jahr aufbricht, als blich. Uns so den Weg freigibt durch Eisrinnen zu segeln in einem Meer, in dem sonst nur Eisbrecher operieren knnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie starb. Allen Klimawandeldiskussionen zum Trotz hatten wir ein fast normales Eisjahr erwischt. Eisberge so weit das Auge reicht. Das Eis an der Kste von Baffin Island und Ellesmere Island lag fest und das kanadische Pond Inlet, der einzige Ort dort oben in den Northwestterretorries, an dem wir den dringend bentigten Diesel nachbunkern konnten, lag noch von fester Eisdecke eingeschlossen. Mitte Juli, war die ber 100 Seemeilen breite Eisdecke vor der Kste von Baffin Island gerade erst im Begriff aufzubrechen. Von den noch zugefrorenen Fjorden und den mglichen Ankerpltzen ganz zu schweigen. So erreichten wir den nrdlichsten Punkt unserer Reise 220 Seemeilen sdlich von Thule mit Pos. 74 und 57 W, das ist weit im Norden von Grnland und nur 300 Kilometer von Kanada entfernt. Wegen unseres knappen Zeitplanes blieb uns nichts anderes brig, als uns der Natur zu beugen und den langen Rckweg anzutreten.Irgendwie ist es im Zeitalter von alles ist mglich auch gut einmal die Erfahrung machen zu mssen, das es heutzutage noch Ziele gibt, die man nicht mal so eben erreichen kann. Am 22. September erreichten wir nach insgesamt 7807 Seemeilen und nach 173 Tagen den klassischen Eismeerhafen Troms, wo unser Schiff seit der Zeit berwintert.

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Akteure und Schiff

Jutta Eisenecker, 55 Jahre, selbst. rztin, Trendelburg Reinhard Schmitz, 57 Jahre, selbst., Trendelburg sowie diverse Crewmitglieder, die sie auf der Reise begleitet haben.Das Schiff: Segelyacht, Typ Damien II, 15m, Stahlschoner, 25 Tonnen schwer, Platz fr 6 Personen, gebaut 1982 in Frankreich und mehrfacher Weltumsegler

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