„Sinnlos Geld verbrannt“

Von JAN H. NEUMANNKassel. Als Dirk Pilz vor einigen Tagen in Kassel war, traf ihn fast der Schlag: Ich habe den umgepflgten Friedrichspla

Von JAN H. NEUMANNKassel. Als Dirk Pilz vor einigen Tagen in Kassel war, traf ihn fast der Schlag: Ich habe den umgepflgten Friedrichsplatz gesehen und mich gefragt: Wie in aller Welt ist das nur mglich? Denn vom 22. Dezember 2007 bis zum 13. Januar diesen Jahres war er, als Tourneeleiter des Circus Flic Flac, mit seiner Mannschaft dort selbst zu Gast. Doch nur unter strengsten und zudem hchst kostspieligen Sicherheitsauflagen fr den Platz die manchmal offenbar piepegal sind, wie die dort derzeit angelegte Kunst-Acker-Flche nahe legt.

Mit zweierlei Ma

Zunchst einmal mussten wir 50.000 Euro als Kaution hinterlegen. Dazu hatten wir als Auflage neben den von uns ohnehin schon eingesetzten Bodenplatten zustzlich noch weitere Schutzplatten und sogar Vliesstoff auszulegen. Damit der Platz nur ja keinen Schaden nimmt. Dirk Pilz: Allein das hat uns 9.000 Euro gekostet. Auch kassel tourist-Chef Knut Seidel, dem an einer hufigeren Bespielung des Friedrichsplatzes schon aus Stadtmarketing-Grnden viel gelegen ist, sind die Querelen um das Gastspiel von Flic Flac noch deutlich in Erinnerung: Wir hatten groe Probleme damit, unsere Planung durchzukriegen wegen der voraussichtlich entstehenden Schden. Bei der jetzigen Kunstaktion auf dem Friedrichsplatz ist das allerdings ein Eingriff bis in die Drainage hinein.

Sollte sich diese Beobachtung bewahrheiten, knnte das Ganze noch ein sehr teurer Spa werden. Denn dann msste die Drainage zur Entwsserung der ber der Friedrichsplatz-Tiefgarage liegenden Erdschichten neu angelegt werden. Und es ginge nicht nur um die Entfernung der deutlich steinreichen oberen Erdschicht, die ab Mitte November zum Ausstellungsende ein einfaches Einplanieren des Platzes samt Gras-Neuaussaat verhindert. Doch selbst das hlt documenta GmbH-Geschftsfhrer Bernd Leifeld nicht fr ntig: Es ist nicht geplant, diesen Boden abzutragen und Mutterboden nachzufllen.

Auf Anfrage des EXTRA TIP erklrt Stadtbaurat Norbert Witte, man habe den Friedrichplatz-Acker nur billigend in Kauf genommen, weil dort unmittelbar vor der Kunstausstellung noch eine Baustelle eingeplant gewesen sei; das Hessische Baumanagement errichtete hier bis Anfang August eine geothermische Anlage. Das muss nun eh alles neu angelegt werden, so Witte. Auf die Frage, ob der Acker sonst nicht genehmigt worden wre, wei der Stadtbaurat allerdings keine Antwort. Zumindest gibt es von ihm eine deutliche Absichtserklrung: Einen massiven Eingriff in dieser Art wird es hier so schnell nicht wieder geben. Ich mchte langfristig eine gepflegte Rasenflche, zur Nutzung fr alle. Und die soll Bestand haben: Fr knftige Nutzungen werden wir keine Neuaussaat fordern, sondern gleich Rollrasen.

Wenig erfeuliche, weil noch kostspieligere Aussichten fr Dirk Pilz, der den Friedrichsplatz eigentlich als schnsten Veranstaltungsplatz Deutschlands zu schtzen wei. Auf dem nur leider mit zweierlei Ma gemessen wird: Die Kunst darf hier offenbar alles, andere Veranstalter haben indes das Nachsehen. Wir mussten den Friedrichsplatz im Februar sofort wieder herrichten, was uns weitere 4.500 Euro gekostet hat. Obwohl die nahende Baustelle fr die geothermische Anlage zu diesem Zeitpunkt doch wohl schon absehbar war. Da haben wir sinnlos Geld verbrannt.

Welche tatschlichen Kosten nun auf die Kunst-Acker-Verursacher der Kunsthalle zukommen, ist noch unklar. Deren Geschftsfhrer Bernd Leifeld sieht bislang alles rosig: Seien Sie froh, dass es in der Stadtverwaltung Leute gibt, die der Kunst eine Chance geben. Das hat uns bundesweit so viel Resonanz eingebracht. Genaue Zahlen zum voraussichtlich angerichteten Schaden und dessen Begleichung will er hingegen nicht nennen. Leifeld: Das hat doch keinen Informationswert fr Ihre Leser...

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