Stallpflicht wegen Vogelgrippe erforderte kreative Lösung

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Vor dem Mobilheim ist eine Plane angebracht. Sie dient den Tieren als Sonnen- und Regenschutz und vergrößert die überdachte Scharrfläche im unteren Teil des Stalls.

Picken und Scharren: Uwe Keslers Hühner haben die Stallpflicht dank dem Hühnermobil gut überstanden.

Istha. Was die Italiener beim Verzehr von Hartweizen-Nudeln sind die Niederländer beim Reisen mit Wohnwagen – unangefochtener Europameister. Im Schnitt verbringen rund sechs Prozent der europäischen Urlauber ihre Ferien auf dem Campingplatz. Ganz anders die Niederländer: Bei ihnen liegt die Camper-Quote bei sage und schreibe 20 Prozent. Ob die EU-Statistiker auch wissen, wie hoch der Anteil von Hühnern ist, die statt in einem Stall in einem Mobilheim leben? 

„Wer weiß, aber die Quote wird denkbar gering sein“, schmunzelt Uwe Kesler. Er ist vor zwei Jahren als erster im Altkreis auf diese neue Haltungsform umgestiegen. „Hühner sind gerne an der frischen Luft. Sie genießen Staub- und Sonnenbäder und sind am liebsten den ganzen Tag mit Picken und Futtersuche im Freien beschäftigt“, erklärt der Nebenerwerbslandwirt, während er Kartoffelschalen und Möhren auf die Wiese vor dem Mobilheim wirft. „Weniger als Futter sondern vielmehr zur Beschäftigung“, so Uwe Kesler und schüttet dann das richtige – ausschließlich gentechnikfreie – Hühnerfutter sowie Brottrunk versetzt mit Oregano in die dafür vorgesehenen Behälter im Parterre des Wohnmobils. Das steht auf familieneigenen Wiesen rund um Istha.

Im Gefährt haben die rund 250 Legehennen der Sorte „Lohmann braun“ ausreichend Platz, Stangen zum Sitzen, ein Schlafraum im oberen Bereich sowie mit Streu ausgelegte Eierlegeplätze. Draußen umschließt ein Elektrozaun die 450 Quadratmeter große Auslauffläche. Darin hat Uwe Kelser den Hühnern mehrere Schattenplätze gebaut, die von Bundeswehr-Tarnnetzen bedeckt sind. Vor dem Ausgang des Hühnermobils hat er eine Zeltplane gespannt, sie vergrößert die Scharrfläche bei Wind und Regen. Eine Vogelscheuche bewacht seit dem Frühjahr die Anlage.

„Seit die dort steht, ist noch nichts wieder passiert“, erzählt Keslers Lebensgefährtin Christina Sandrock, die mit Söhnchen Anton den Papa am Hühnermobil besucht. „Im vergangenen Jahr wurden neun Hühner von Greifvögeln geholt“. Füchse seien dank des Elektrozauns noch nicht an die Hennen heran gekommen. Lediglich ein Huhn, das über den Zaun entkommen war, fiel einem Fuchs zum Opfer. Mehr Verlust musste Uwe Kesler, der zwei mal am Tag bei seinen Schützlingen vorbei schaut, bislang noch nicht beklagen.

Stallpflicht erforderte kreative Lösung

Denn auch mit Krankheiten oder Parasitenbefall haben seine Hühner keine Probleme. „Die sind das ganze Jahr über draußen und deshalb kerngesund“. Umso mehr traf es ihn, als im vergangenen Herbst die Behörden aufgrund der Vogelgrippe die Stallpflicht anordneten. „250 Legehennen eingesperrt im Stall, das wäre nicht lange gut gegangen“, glaubt Uwe Kesler. Kurzerhand baute er einen zweiten, festen Stall der mit einem großzügigen Auslauftunnel an das Hühnermobil angekoppelt wurde. „Jetzt ist die Stallpflicht aufgehoben, die Hennen haben es prima überstanden und können wieder ihren normalen Alltag aufnehmen“, freut sich Christina Sandrock. Insgesamt eineinhalb Jahre dürfen sie im Hühnerparadies leben, bevor sie schlussendlich in der Suppe landen. Uwe Kessler verkauft seine Wieseneier in Istha gegenüber der Tankstelle, Kasseler Straße 67, jeden Tag von 7 bis 20 Uhr.

Das Hühnermobil 

Das Hühnermobil ist ein beweglicher Stall nach ökologischen Richtlinien mit Futter- und Wasertank, Photovoltaikanlage für die autarke Stromversorgung. LED-Beleuchtung mit Dämmerungsschaltung, einem Schlafraum im oberen und einem Scharraum im unteren Bereich. Die Klappen öffnen und schließen sich automatisch per Lichtsteuerung nach Sonnenaufgang und -untergang. Die umzäunte Auslauffläche beträgt 450 Quadratmeter (30 x 15 Meter). Das Stallsystem wurde mit dem Förderpreis ökologischer Landbau und dem Titel „HessenChampion 2013“ prämiiert.

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