Sven Lindauer: Vom ,ethischen Metzger’ zum Bauern

Der gelernte Metzgermeister Sven Lindauer hat im August 2017 einen Bio-Hof unweit der nordhessischen Studentenstadt Witzenhausen übernommen.

Witzenhausen.  An den Festtagen steht auf so mancher reich gedeckten Tafel ein großer Weihnachtsbraten. Wer an die Umstände denkt, wie diese Tiere aufgewachsen und geschlachtet worden sind, könnte schnell den Appetit verlieren. Doch genau das Thema des ethischen Umgangs mit Tieren vor und während der Schlachtung hat den gelernten Metzgermeister Sven Lindauer (34) bewogen, im August 2017 einen Bio-Hof unweit der nordhessischen Studentenstadt Witzenhausen zu übernehmen. Auf Gut Fahrenbach haben er und seine Hamburger Freundin Sarah (31) jetzt ihre Mitte gefunden. Gemeinsam verfolgen Sie das Ziel, ihre rund 100 Aberdeen Angus Rinder von der Geburt über die Aufzucht bis zur Schlachtung nach ethischen Grundsätzen zu behandeln, damit man ihr Fleisch mit gutem Gewissen genießen kann: Von der Aufzucht der Rinder über die Schlachtung, bis zur Fleischverarbeitung und dem Verkauf des Fleischs im Hofladen und über Gastronomen und Naturkostläden im Umkreis.

60 kg Fleischkonsum pro Kopf und Jahr

Im Schnitt essen wir Deutschen 60 kg Fleisch pro Jahr. Kein Wunder, dass hier das große Geschäft über den Preis gemacht wird – und das auf Kosten von Fleischqualität und Aufzuchtbedingungen der Tiere. Die daraus resultierende Billigfleisch-Skandale machen nicht gerade Appetit auf ein saftiges Steak. Wer den 6 km südlich von Witzenhausen gelegenen Bioland Hof Gut Fahrenbach besucht, bekommt den Beweis geliefert, dass es noch glückliche Kühe in Deutschland gibt. Für das Wohlergehen der rund 70 Mutterkühe und ihrer Kälber sind Sven Lindauer und Sarah Gabriel verantwortlich. Während Sarah sich intensiv um die Aufzucht der Herde auf den in hügeliger Landschaft gelegenen Weiden und den geräumigen Ställen beschäftigt, verantwortet Sven Lindauer die Betreuung der Tiere, die zur Schlachtung kommen und verarbeitet ihr Fleisch anschließend selber auf dem Hof.

Über Fleischverarbeitung zur Landwirtschaft

Denn als Sohn einer Metzgerfamilie aus Baden-Württemberg, Metzegermeister und gelernter Koch ist er über die Fleischverarbeitung zur Landwirtschaft gekommen. „Ich bin früher als Kind mit meinem Opa die Tiere holen gegangen und da war meine Neugier immer ungebremst zu wissen, was die auf dem Bauernhof eigentlich machen“, beschreibt Lindauer die frühe Faszination für seinen jetzigen Beruf. Während seiner Zeit als Metzger setzte er sich früh für eine ethische Art der Schlachtung ein, bei der jedes Tier einzeln auf dem Hof in Stall getötet wird und damit so wenig Stress wie möglich erfährt.

Noch werden die Rinder von Gut Fahrenbach zu einem regionalen Schlachter transportiert, doch für die nahe Zukunft strebt Sven Lindauer die Schlachtung auf dem eigenen Hof an, „denn hier geben wir uns Mühe und geben den Tieren Platz, doch am Ende scheitern wir eigentlich kläglich“.

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