Unser Habichtswald: Mit Eiche und Kirsche zum artenreichen, altersdurchmischten Wald

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Ein Blick in den Habichtswald vom Parkplatz Ziegenkopf. Hier ist der Altersunterschied der Bäume an der Größe gut zu erkennen.
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Uwe Zindel (li.) und Arnd Kauffeld treffen für jeden Baum eine Einzelentscheidung.
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Teilweise mussten ganze Waldabschnitte gerodet werden.
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Eine typisch nordhessische Landschaft: Die sanften Hügel im Habichtswald.

Wie geht's dem Habichtswald? Darauf und auf viele weitere Fragen haben uns Uwe Zindel und Arnd Kauffeld vom Forstamt Wolfhagen Antworten gegeben.

Von Jennifer Franz

Landkreis Kassel. Die beiden letzten heißen Sommer haben den Wäldern in ganz Deutschland zugesetzt. Auch der Habichtswald (#Heimatwald) wurde davon nicht verschont. Durch die unmittelbare Nähe zum Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe und der Löwenburg ist der Habichtswald ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Wanderer.

Doch das Waldbild hat sich in den letzten Monaten deutlich verändert. Von den hier vorwiegend vertretenen alten Baumarten sind besonders die Fichte und die Buche bedroht. Durch die langen Trockenperioden sind die Bäume deutlich geschwächt und Schädlinge, wie der Borkenkäfer haben leichtes Spiel. „Der Altbestand ist schon dramatisch zurückgegangen“, berichtet Forstamtsleiter Uwe Zindel vom HessenForst Forstamt Wolfhagen. „Aber nicht nur Fichte und Buche, auch Birke, Esche, Ulme und Ahorn sind betroffen.“ Die Sorge ist ihm anzumerken aber er wirkt nicht mutlos. Umdenken sei jetzt angesagt und Hoffnung setze man jetzt in andere Baumarten wie Eiche und Kirsche.

Vorausschauend planen

„Unser Ziel“, erklärt Zindel,“ist immer ein gemischter Wald. Das streben wir an und versuchen dieses Ziel mit so wenig Eingriffen in die Natur zu verfolgen, wie möglich.“ Ein artenreicher und vor allem altersdurchmischter Wald kann viel widerstandsfähiger gegen äußere Einflüsse wie Sturm oder große Hitze reagieren.

Dies ist aber natürlich eine Aufgabe, die jahrzehntelangen Vorlauf und vorausschauende Planung bedarf. Unter Förstern gäbe es so etwas wie einen Leitsatz, nach dem alle arbeiten, berichtet Zindel: „Wir haben immer im Kopf, dass wir den Wald von unserem Vorgänger übernehmen, und ihn an unseren Nachfolger besser übergeben wollen. Doch in der aktuellen Situation ist das gerade ein schwieriges Vorhaben.“

Jeder Baum wird begutachtet

„Eigentlich stehen wir momentan vor einer Mammutaufgabe“, findet auch Arnd Kauffeld. Der Revierleiter sieht als Hauptaufgabe zunächst die Katastrophenbeseitigung. „Wir schauen uns wirklich jeden Baum an. Erst wenn wir wirklich sicher sind, dass er nicht mehr zu retten ist, wird er markiert und steht damit bereit gefällt zu werden.“

Ein Patentrezept gibt es hierbei nicht. Die Situation ist für alle Forstarbeiter neu und war so nicht vorherzusehen. Jeder Waldabschnitt wird unterschiedlich behandelt. Dazu sind die einzelnen Waldgebiete in Nummern unterteilt und werden ganz individuell begutachtet und besprochen. „Wir überlegen oft im Team wie wir mit einem Gebiet verfahren wollen. Manchmal kann das auch bedeuten, dass wir erstmal nichts unternehmen und der Natur ihren Raum geben“, sagt Kauffeld.

Seine größte Sorge ist ein weiterer so heißer Sommer wie im letzten Jahr. Und der größte Wunsch? „Feuchtigkeit“, sagt er und lacht. „Aber auch Zeit um in Ruhe Entscheidungen für den Wald zu treffen und der Natur die Möglichkeit geben, sich zu erholen“, fügt er nachdenklich hinzu.

Neue Wege gehen

Kauffeld und Zindel setzen nun unter anderem auf Baumarten aus dem Mittelmeerraum, die die große Hitze besser vertragen. „Da darf man nicht zu verbissen an dem gewohnten Anblick festhalten. Der Natur ist es am Ende egal, wo ihre Bäume wachsen. Ob nun hier in Nordhessen oder im Mittelmeerraum, Hauptsache es wächst“, erklärt Zindel. Schließlich soll der Wald auch für die nächsten Generationen noch erhalten und ein Naherholungsziel bleiben.

Die komplette Beilage #Heimatwald gibt es hier.

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