IG Bau warnt vor Fachkräfte-Krise im Landkreis

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Handwerksberufe wie der Eisenflechter (Foto) könnten bald echte Nachwuchs-Probleme bekommen, warnt die IG Bau. Die Gewerkschaft fordert die Arbeitgeber auf, die Baubranche attraktiver zu machen.

Handwerksberufe können echte Nachwuchsprobleme bekommen: 14 Prozent Rückgang bei Gesellen-Prüfungen.

Landkreis. Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Aber gilt das auch noch in Zukunft? Angesichts einer zunehmenden „Akademisierung“ hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) vor einer Fachkräfte-Krise für Handwerksbetriebe im Landkreis Kassel gewarnt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Handwerkskammer Kassel: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 2.300 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab – fünf Jahre zuvor waren es noch etwa 2.700. Das macht einen Rückgang von 14 Prozent.

Die IG Bau Nordhessen spricht von einem „besorgniserregenden Trend“. „Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Uni statt in einen Handwerksbetrieb“, sagt Bezirkschef Klaus Michalak. Dabei biete etwa die Baubranche im Kreis Kassel gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange „Karriere-Leiter“. Per Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum Geprüften Polier oder Bauleiter bringen – und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten. „Sei schlau, geh zum Bau – dieser Tipp gilt nach wie vor“, so Michalak. Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) waren im vergangenen Oktober rund 60 Bau-Azubis im Landkreis gemeldet. „Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Azubi wird gebraucht“, sagt der Gewerkschafter – „besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur.“

Bestverdiener unter den Azubis

Ein wichtiges Argument, eine Bau-Ausbildung zu machen, sei nach wie vor die Bezahlung, so Michalak. Die Verdienste der Auszubildenden lägen meist sogar über denen der Industrie. Bau-Azubissind laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Schnitt die Bestverdiener unter allen Auszubildenden. „Wer aber Fachkräfte in der Branche halten will, muss auch im Anschluss etwas tun. Der Einkommensabstand zwischen Industrie und Handwerk vergrößert sich seit Jahrzehnten“, betont Michalak. Die Rahmenbedingungen am Bau müssten darum entsprechend denen in der Industrie angeglichen werden.

Mehr Schulabgänger werde man nur gewinnen, wenn sich neben dem Einkommen auch die Arbeitsbedingungen und das Image der Branche verbesserten, ist die IG Bau überzeugt. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert. „Beim Bau denken viele an extremes Malochen. Doch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Maschinen und digitale Technik erleichtern das Arbeiten.“ Für die IG BAU Nordhessen steht fest: Wenn wir irgendwann eine Bachelor-Schwemme und einen Handwerker-Mangel haben, dann ist keinem geholfen.“

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