Weihnachten – schon wieder!

Gastworte von Pfarrer Johannes Meier Alle Jahre wieder kommt das Christuskind! Alle Jahre wieder. Advent und Weihnachten das i

Gastworte von Pfarrer Johannes Meier

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind! Alle Jahre wieder. Advent und Weihnachten das ist jedes Jahr das Gleiche. Soll es zumindest sein. Das ist ganz wichtig: Genau derselbe Baumschmuck wie immer, vielleicht gemeinsam in die Kirche, dann Abendessen und Bescherung. Bitte wie immer im Kreise der ganzen Familie. Wie immer.

Und wehe, wenn irgendwas schief geht, wenn irgendetwas pltzlich ganz anders ist. Schwierig. Ziemlich schnell heit es dann womglich: Frher war alles besser. Damals, als alle Pltzchen noch selbst gebacken wurdenWie und ob der Dichter und Schriftsteller Berthold Brecht Weihnachten gefeiert hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Mit der Kirche jedenfalls hatte er eher wenig am Hut. Ob Brecht also mit feuchten Augen unterm leuchtenden Tannenbaum miteingestimmt hat in das Alle Jahre wieder?

Wohl eher nicht. Mit solchen Ritualen hatte ers nicht so. Eine Kurzgeschichte, die er mit seiner nachdenklichen Kunstfigur ,Herr K. erzhlte, wirkt stattdessen wie eine augenzwinkernde Erwiderung auf dieses ewige ,wie immer.

Brecht schreibt Folgendes: Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrte ihn mit den Worten: Sie haben sich gar nicht verndert. Oh! sagte Herr K. und erbleichte.

Eine merkwrdige Reaktion, finden Sie nicht? Die meisten von uns wren doch wohl nicht erbleicht, sondern hchstens vor Freude ein wenig errtet: Oh, vielen Dank Sie haben sich aber auch gut gehalten! So htten wir wohl auf das Kompliment des Mannes geantwortet.

Doch fr Brecht bzw. Herrn K. lag in seinen Worten wohl berhaupt nichts Schmeichelhaftes: Sie haben sich gar nicht verndert. Das klang in Herrn K.s Ohren wohl eher wie ein peinlicher Vorwurf. Fr ihn war nmlich klar: Zum menschlichen Leben gehrt Vernderung! Im Guten wie im Schlechten. Wie gern wrden wir Manches einfach festhalten: Das unerreicht-schne Weihnachtsfest unserer Kindheitstage zum Beispiel, diese Vorfreude und Anspannung, die spter nie wieder so war. Oder die Bescherung vor ein paar Jahren, als die eigenen Kinder noch im Hause waren.

Es geht eben nicht ohne Vernderung im Leben. Sich der notwendigen Vernderung bewusst zu werden, ermglicht aber erst, dass wir durch unser Leben bewusster unterwegs sind, es schafft Erfahrung und Gewinn. Sie haben sich gar nicht verndert bedeutete fr Herrn K.: Sie sind unverbesserlich! Sie treten auf der Stelle!

Wie sieht es also aus mit uns selbst? Haben wir uns im zurckliegenden Jahr im positiven Sinne verndert, waren wir offen fr Neues, haben wir etwas dazugelernt (vielleicht auch durch den einen oder anderen Fehltritt) oder sind wir einfach blo ganz die Alten geblieben?

Ich wnsche uns allen eine frohe Weihnachtszeit und ein gesegnetes neues Jahr: Alle Jahre wieder aber hoffentlich nicht wie immer!Zur Person:Johannes Meier ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Sontra.

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