Am Zierenberger Tunnel bebt die Erde

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Sprengarbeiten im 8-Stunden-Rhythmus

Zierenberg. Ein leises Grollen ist aus dem Tunnel zu hören, dann rollt die Druckwelle heran und der feste Boden rund um das Portal vibriert wie bei einem Erdbeben. "Wow" und "alle Achtung", staunen die sichtlich beeindruckten Gästen. Sie durften gerade eine der täglich drei Sprengungen am neuen Zierenberger Bahntunnel miterleben. Für die Gäste ein im wahrsten Sinne des Wortes bebendes Erlebnis, für die beteiligten Arbeiter Routine.

Seit Oktober 2015 arbeiten sie sich mit Baggern in den Berg vor, lösen scheibchenweise in Abschnitten von ein bis zwei Meter das Gebirge. Mittlerweile sind die Tunnelbauexperten 230 Meter in den Berg vorgedrungen, 670 Meter liegen noch vor ihnen. Das Gestein ist inzwischen aber so fest, dass Sprengungen erforderlich werden, um den Fels zu lösen. Zunächst werden rund 120 Sprenglöcher gebohrt, in die rund 70 Kilogramm Sprengstoff platziert und bis nach draußen verkabelt wird. Im Anschluss erfolgt die Sprengung. Danach wird das Gestein abgefahren. Zwischen einem und 1,5 Metern kommt man so vorwärts. Es folgt die Sicherung des neu entstandenen Hohlraums mit Spritzbeton und Gebirgsankern. Dann geht es erneut los mit Bohren, Verkabeln, Sprengen – circa alle acht Stunden. Während gesprengt wird, darf im parallel verlaufenden alten Bahntunnel natürlich kein Zug fahren. Bevor die Strecke wieder frei gegeben wird, untersucht ein Trupp den alten Tunnel auf erkennbare Schäden.

Nicht anders läuft es auch beim Besuch der Gäste. Nur dass diese erst einmal die Sprenglöcher und die Verkabelung bestaunen. Anschließend heißt es für Alle warten, denn es kommt noch ein Zug. Und auch nach der Zündung ist Geduld gefragt, der Staub im Tunnel muss sich legen, die Luft wieder atembar sein. Doch dann ist es soweit, ehrfürchtig stehen die Besucher am Ort des Geschehens – die Vorderwand scheint spiegelglatt, nur an den Seitenwänden und dem dort fehlenden Putz kann man erkennen, dass es wieder einen guten Meter tiefer in den Berg hinein gegangen ist. Das Profil der Sprengung war laut Ingenieur mustergültig, "wie mit dem Brotmesser geschnitten", der Schüttkegel ebenfalls.

So wird es noch eine Zeit weiter gehen, allerdings kann über die Zeitdauer der Sprengungen keine genaue Aussage getroffen werden. Hans-Martin König, Leiter Infrastruktur Kurhessenbahn: "Das ist abhängig von der Festigkeit des Gebirges. Wir gehen aber davon aus, dass dies nicht für den kompletten Tunnel erforderlich sein wird".

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