Mit Zuckerwasser gegen den ärgsten Hunger

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Dank der Lieferungen aus Nordhessen im Frühjahr konnte die Kirchengemeinde zahlreiche bedürftige Familien mit Kartoffeln versorgen.

Jetzt spenden für den 13. Nordhessischen Hilfstransport nach Osteuropa.

Region.  Hilfsmittel aus Nordhessen für die ärmsten Regionen Osteuropas – auch in diesem Herbst können die Initiatoren Ottmar Rudert (Ostheim) und Günter Rüddenklau (Westuffeln), wieder mehrere Lkw‘s mit den Spenden hiesiger Bürgerinnen und Bürger auf die Reise schicken. Ihre nunmehr 13. Tour führt die beiden Landwirte auf eigene Kosten erneut ins Gebiet um Zhytomir in der Ukraine und in die Region um die rumänische Stadt Fogarasch.

Dort ist Hilfe bitter nötig. Der Sommer und die Erntezeit ist vorbei und das bedeutet für viele Menschen, dass sie keine Möglichkeit mehr haben, durch Gelegenheitsjobs etwas Geld für ihre Nahrung zu verdienen. „Für Viele heißt das jetzt täglich Brot mit Margarine oder in Öl gebratene Kartoffeln“, berichtet Elisabeth Reinhardt aus der Kirchengemeinde in Fogarasch. „Die Kinder erhalten viel Zuckerwasser, um den Hunger zu betäuben.“ Hinzu kommt, dass aufgrund der Corona-Krise viel Verwandtschaft aus Westeuropa zurück gekehrt ist. „Sie haben einen Unterschlupf bei Angehörigen gefunden, und jetzt leben zum Teil mehrere Familien eingequetscht in einem Zimmer“. „Wenn nun der Winter einkehrt, dann wird es für den armen Teil der Bevölkerung sehr, sehr hart“, unterstreicht auch Pfarrer Johannes Klein. „Jede Hilfe zur Linderung der größten Not ist uns willkommen“. Mit Selbsthilfe gegen den Hunger Doch er kann auch von positiven Dingen berichten. Im Frühjahr fuhr aufgrund eines Hilferufes ein Lebensmitteltransport aus Nordhessen nach Rumänien; zur Lieferung gehörten auch 20 Tonnen Kartoffeln vom Schachtener Kartoffelhof Neutze. In Fogarasch brachte ein Bauer aus der Kirchengemeinde rund 500 kg Saatkartoffeln in sein Feld ein und erzielte eine gute Ernte: „Wir konnten neun Tonnen Kartoffeln an 500 bedürftige Familien und an weitere Kirchengemeinden verteilen“, erzählt Elisabeth Reinhardt.

Die Berichte über die Not in Rumänien und in der Ukraine berühren; die Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung ebbt nicht ab: „Das Spendenaufkommen steigt von Transport zu Transport“, staunt Ottmar Rudert. „Und es ist unglaublich, wie viele Menschen auch in diesen schweren Corona-Zeiten an diejenigen denken, denen es woanders noch viel schlechter geht“. Viele spenden Geld, andere bringen persönlich dringend benötigte Hilfsmittel zu den Sammelstellen. Zu erwähnen sind aber auch Menschen wie Brunhilde Rüdiger aus Ostheim, die jede Menge Schutzmasken genäht hat; oder eine ältere Dame aus dem Raum Wolfhagen, die rund 150 Paar selbst gestrickte, warme Wollsocken spendete. Und natürlich auch Klaus Vehring, Heimleiter der Altenhilfe Hofgeismar, und die Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher , die Pflegebetten für dortige Einrichtungen besorgten. Bitte nur intakte und saubere Sachen Für den diesjährigen Transport können noch bis zum 5. November Spenden abgegeben werden. Weiterhin besonders dringend gebraucht werden Schuhe. Gesucht wird auch intakte, saubere Sommer- und Winterbekleidung für Erwachsene und Kinder, Fahrräder, Werkzeuge aller Art, funktionierende Elektrogeräte, Spielsachen, Bettwäsche. Otmar Rudert: „Es wäre prima, wenn Spenden in stabilen Plastiksäcken oder Kartons abgegeben werden könnten. Gelbe Säcke reißen viel zu schnell.“ Doch auch Gehwagen, Krankenstühle und -betten sowie WC- und Rollstühle sind gefragt. Es ist auch möglich, haltbare Lebensmittel – Konserven, Mehl, Nudeln etc. – abzugeben.

Wer lieber Geld spenden möchte, ist dazu herzlich eingeladen; diese finanziellen Mittel fließen vollständig in die Aktion ein und ermöglichen so erst die Transporte. Dortige Kirchengemeinden übernehmen wieder die Verteilung der Hilfsgüter aus Nordhessen.

Hier kann man Spenden

Sachspenden können ab 25. Oktober bis einschließlich 5. November abgegeben werden bei: Günter Rüddenklau, Kasseler Str. 35 b, Calden-Westuffeln;Tel. 0172 / 84 323 51 Ottmar Rudert, Lamerder Str. 37, Liebenau-Ostheim; Tel. 0172 / 56 513 34 Geldspenden: Evangelische Bank; Kirchenkreisamt Hofgeismar-Wolfhagen, (IBAN DE13 5206 0410 0002 0001 05), Verwendungszweck:  Moldawienhilfe Ostheim (gegen Spendenquittung; dafür bitte Adresse angeben).

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