Zusatzbezeichnung erinnert an berühmtesten Bürger: Wolfhagen heißt jetzt „Hans-Staden-Stadt“

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Wurde im Sommer 2018 enthüllt: Die Hans-Staden-Skulptur in Wolfhagen.

Hans Staden ist Wolfhagens berühmtester Bürger. Aus diesem Grund hat sich die Stadt darum bemüht, Staden offiziell als Namenszusatz tragen zu dürfen. Doch nicht nur Wolfhagen wirbt mit Staden – auch in Homberg im Schwalm-Eder-Kreises taucht er auf.

Wolfhagen/Homberg. Mit der Neugestaltung des Hospitalsplatzes und der Aufstellung einer Hans-Staden-Bronzefigur rückte 2018 der berühmteste Bürger Wolfhagens verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. In Folge dessen beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Wolfhagen, beim Hessischen Innenministerium den Antrag auf Erteilung des Namenszusatzes „Hans-Staden-Stadt“ zu stellen. Nach eingehender Prüfung unter Einbeziehung des Marburger Staatsarchivs gab es jetzt grünes Licht aus Wiesbaden.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Saal des Alten Rathauses in Wolfhagen verlieh Innenminister Peter Beuth der Stadt Wolfhagen die Urkunde, die es ihr erlaubt, ab sofort den Namenszusatz „Hans-Staden-Stadt“ zu führen. Gleichzeitig enthüllte er zusammen mit Bürgermeister Reinhard Schaake das erste Orstschild mit der neuen Bezeichnung.

Erste ethnologische Darstellung eines Volkes

Doch wer war Hans Staden? Dazu Innenminister Peter Beuth:  „Hans Staden verfasste im 16. Jahrhundert mit seinem Werk ‘Warhaftige Historia’ einen über den deutschsprachigen Raum hinaus bedeutenden Reisebericht. Darin berichtete er ausführlich über die Erlebnisse seiner zwei Expeditionen an die Atlantikküste Brasiliens in den Jahren 1548/49 und 1550 bis 1555. Mit der Beschreibung der Gesellschaft der Tupinambá-Indianer gelang ihm die erste ethnologische Darstellung eines Naturvolkes in Brasilien“.

Es war das erste ausschließlich diesem Land gewidmete Buch in Deutschland und Europa und wurde über einhundert Mal neu aufgelegt sowie in neun Sprachen übersetzt. Dafür wird Hans Staden in Brasilien mehr noch als in Deutschland gewürdigt, sein Buch ist Pflichtlektüre an den Schulen. In seiner Ansprache betonte der Minister die geschichtsbewusste Pflege des Lebenswerks des frühen Brasilien-Kenners Hans Staden in Wolfhagen.

Erinnerungspflege seit den 50er Jahren

Peter Beuth: „Die Stadt Wolfhagen setzt sich seit den 1950er Jahren beispielhaft in Deutschland für das Gedenken an Hans Staden und sein Werk ein. Hier wird die Erinnerung an das Lebenswerk des einstigen Sohns der Stadt nicht nur wachgehalten, sondern mit innovativen Konzepten in das gegenwärtige und künftige Stadtbewusstsein gebracht.

Die Verleihung der Zusatzbezeichnung ‚Hans-Stadten-Stadt‘ ist auch eine Auszeichnung für die geschichtsbewusste Stadtgesellschaft von Wolfhagen“. Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke – seit 1981 Einwohner der Stadt – bestätigte in seinem Grußwort, dass Wolfhagen „Hans Staden und sein Werk lebt“ und sich seit Jahrzehnten umfangreich mit der Geschichte dieses Mannes beschäftige. „In meiner Eigenschaft als Kommunalaufsicht habe ich mich immer gewundert, dass Bürgermeister nach Brasilien reisen“, scherzte der RP-Chef. Er empfahl allen Zuhörern, das Buch von Hans Staden zu lesen: „Empfindsame Gemüter können ja die makabren Stellen, wo beispielsweise kanibalistische Kochkünste beschrieben werden, überschlagen“.

Friederich Wäsche (Hans Staden), Bürgermeister Reinhard Schaake, Innenminister Peter Beuth und Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke  (v. li.) enthüllen, welche  Ortsschilder demnächst die Wolfhager Kernstadt schmücken.

Bürgermeister Reinhard Schaake dankte dem Hessischen Ministerium des Innern dafür, dass es den von der Wolfhager Stadtverordnetenversammlung gefassten Beschluss zum Namenszusatz positiv beschieden hat. „Die Stadt Wolfhagen widmet sich sehr intensiv Hans Staden und seinem Werk. So wurde hier die Hans-Staden-Stiftung gegründet und im Regionalmuseum eine Dauerausstellung geschaffen“.

Im Jahre 2007 – zum 450. Jahrestag der Warhaftigen Historia – startete in Wolfhagen eine Wanderausstellung zur Rezeption des Werkes, die anschließend in weitere Städte in Deutschland und Brasilien führte. Im gleichen Jahr fand in Wolfhagen eine zweitägige internationale Stadenkonferenz statt, an der Wissenschaftler aus den Brasilien, den USA, Frankreich, Portugal, Holland, Dänemark und Deutschland teilnahmen.

Die Vorträge sind im Regionalmuseum Wolfhager Land erhältlich. Neben einer lebensgroßen Bronzefigur, die das Stadtbild prägt, soll künftig ein Hans-Staden-Pfad wichtige Lebensstationen künstlerisch aufarbeiten und in das Stadtbild integrieren.

Hans Staden in Homberg

Nicht nur in der Staden-Stadt Wolfhagen ist der Landsknecht aus Nordhessen eine herausragende Persönlichkeit. Auch in Homberg ist der Name Staden noch heute sehr präsent. „Homberg ist schließlich die Geburtsstadt von Hans Staden, daran erinnern wir nicht zuletzt durch das Staden-Relief unterhalb des Rathauses“, sagt Uwe Dittmer, Pressesprecher der Stadt Homberg auf lokalo24-Nachfrage. Nahe des Reliefs verläuft zudem die Hans-Staden-Allee.

Vereine der Reformationsstadt befassen sich ebenso mit dem berühmten Sohn: Der Homberger Kulturring hat zu seinem 25-jährigen Bestehen 2015 einen Literaturpreis ausgelobt, der den Titel „Hans Staden reloaded“ trägt. 2017 wurde der Preis ein weiteres Mal vergeben.

Das Hans Staden-Relief in Homberg.

Auf wissenschaftlicher Ebene ist der Förderkreis Hans Staden e. V. bereits seit 1966 auf den Spuren des Verfassers der Warfhaftigen Historia. Ebenso pflegt der Förderkreis Kontakte nach Brasilien und unterstützt dort gemeinnützige Projekte.

„Homberg steht auch mit Wolfhagen in engem Austausch. In 2017, dem Jahr des Reformationsjubiläums, fand bei uns die Hans Staden-Fachtagung statt, natürlich auch mit Vertretern aus Wolfhagen“, erzählt Dittmer. Diese Zusammenarbeit wolle man auch in Zukunft weiter pflegen – ebenso wie den Kontakt nach Brasilien, Stadens zweiter Heimat.

Kommunen mit Namenszusatz: Wolfhagen ist Nummer 57

Von den aktuell 423 Städten und Gemeinden in Hessen sind jetzt mit Wolfhagen 57 Gemeinden befugt, ihrem eigentlichen Gemeindenamen eine Zusatzbezeichnung gemäß Paragraph 13 Absatz 2 Hessische Gemeindeordnung beizufügen, die auf ihrer geschichtlichen Vergangenheit, ihrer Eigenart oder ihrer Bedeutung beruht.

Bei der Verleihung werden strenge Kriterien angelegt. Der Namenszusatz soll keinen Reklamezweck oder die Stärkung eines vor Ort besonders stark vertretenen Wirtschaftszweiges dienen, sondern hat sich auf ein besonderes Charakteristikum der Stadt zu beziehen.

Nationalpark, documenta und Grimm

Vor dem Termin in Wolfhagen war Hessens Innenminister Peter Beuth bereits in Sachen Namenszusatz in Nordhessen unterwegs: Er hat die Zusatzbezeichnungen „Nationalparkstadt“ an Frankenau und „Nationalparkgemeinde“ an Vöhl sowie Edertal verliehen. Andere Hessen sind schon länger im Kreis mit den besonderen Namen dabei u.a.:

– Den Zusatz „documenta Stadt“ hat sich Kassel mit der weltweit wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst erworben – Fritzlar in Nordhessen darf sich Dom- und Kaiserstadt nennen.

– Konrad Zuse ist seit 1976 Ehrenbürger der Stadt Hünfeld und der Vater des Computers. 2006 hat sich Hünfeld den Titel Konrad- Zuse-Stadt gesichert.

– Im Mittelalter spielte Korbach beim Handel von Gütern eine wichtige Rolle. Seit 2013 nennt man sich „Hansestadt“. – Seit 2015 darf die hessische Gemeinde Rasdorf den Namenszusatz „Point-Alpha-Gemeinde“ tragen.

– Offiziell trägt Homberg/Efze den Zusatz Reformationsstadt seit 2013. Hintergrund ist die Synode, die 1526 in Homberg stattfand und bei der die Reformation Hessens beschlossen wurde

– Brüder-Grimm-Städte haben wir in Hessen gleich zwei: Hanau und Steinau

– Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis bezeichnet sich als „Liebenbachstadt“, was nur versteht, wer die Legende von Kuno und Else kennt. Die Heirat dieses Liebespaares war daran geknüpft, das Wasser vom Wald in die Stadt zu führen. Beide machten das Unmögliche möglich, wie die vielen Brunnen in Spangenberg zeigen, starben der Legende nach aber an der immensen Anstrengung.

– Frielendorf wird beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport einen Antragstellen, dass die Gemeinde Frielendorf künftig die Bezeichnung „Marktflecken“ führen darf.

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