Leserbrief zu den Einkaufszentrums-Plänen in Rotenburg

Werner Petzner aus Rotenburg sieht die Pläne zur Stadtentwicklung kritisch.

Zu den Plänen für ein neues Einkaufszentrum am Parkplatz „Altes Amtsgericht“ zu errichten, meint Leser Werner Petzner:

Die Stadt Rotenburg hat in der letzten Stadtverordnetensitzung vom 14. Dezember 2017 für die Planungen und Bebauung „Parkplatz Altes Amtsgericht“ einer Einkaufspassage „Ro-yal“ (königlich einkaufen) einstimmig aller Fraktionen von CDU,SPD und UBR zugestimmt und den Startschuss gegeben.

Dabei ist dieses nichts Neues, alles schon einmal dagewesen. Im Jahre 1973, also vor 45 Jahren, als das Amtsgericht abgerissen wurde, sollte auf der großen Fläche ein Parkhaus mit Tiefgarage entstehen, so der damalige Bürgermeister Adam Stephan, SPD. Es wurden dann 92 Stellplätze auf dem heutigen Parkplatz errichtet. Auch der damalige Bürgermeister Hans Otto Gleim hatte 13 Jahre später, also 1986, einen Plan, auf dieser großen Fläche ein Mehrzweckkaufhaus mit Tiefgarage bauen zu wollen. Dann vier Jahre später, 1990, plante man neu, keine Tiefgarage, das Parken sollte auf drei Etagen verteilt werden, insgesamt 180 Stellplätze im Gebäude anzulegen und 100 Parkplätze auf dem heutigen Parkplatz.

Bei allen drei Planungen gab es sehr großen Widerstand von allen Seiten. Die Anwohner am Untertor, Borngasse und Rainchen, Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), Einzelhändler, Denkmalschutz, Hochwasserschutz, Umweltschutz... Einige Punkte sind zu beachten und diese dann auch zu beantworten:

• Die Kreuzung Untertor und Breitenstraße ist das Nadelöhr von Rotenburg, in 24 Stunden wurdenV19.290 Verkehrsbewegungen gezählt, jeden Tag außer an Sonn- und Feiertagen und in der Ferienzeit. Von 1973 bis 2017 hat sich die Verkehrsbewegung mehr als verdreifacht.

• Kreisel ja, aber dann drei Kreisel: 1. Kasselerstraße B83 zur L3208 und Innenstadt, 2. Bürgerstraße-Lindenstraße-Fuldabrücke, 3. Kreuzung Untertor-Borngasse zur L3336 Breitenstraße. So wäre ein reibungsloser Verkehrsfluss gewährleistet. Alle drei Verkehrsampeln würden dann wegfallen und dadurch könnte viel Energie eingespart werden.

• Der Grundwasserspiegel in diesem Bereich schwankt mit dem Wasserspiegel der Fulda. Mehr Gewässerausbau wäre nötig und auch sinnvoll. Verkaufs- und Lagerräume des Kaufhauses liegen im Grundwasser und Hochwasserbereich. Das Untergeschoss als wasserdichte Wanne ist zwingend erforderlich auszubauen.

• Wasser/Abwasser: Am heutigen Parkplatz Untertor liegen eine Hauptversorgungsleitung für Wasser sowie der Kanal-Hauptsammler für den gesamten Altstadtbereich.

• Denkmalschutz: Die Ansicht der Kernstadt und das Stadtbild bewahren. Im Zwickel hat man das Stadtbild geschändet, durch einen Personenaufzug mit Brückenschlag über die Bahn, der ständig defekt ist. Eine Bürgerversammlung wäre zum Thema Einkaufspassage angebracht. Zur Zeit hat Rotenburg bis zum 31. Dezember letzten Jahres 48 Läden und Gastronomien Leerstände, das Internet lässt grüßen. Das Einkaufen von zu Hause ist im Trend. Sollte man an diesem Vorhaben festhalten, wäre dies der endgültige Todesstoß für die Kernstadt und den Rest der Stadt. Die Fraktionen von CDU, SPD, UBR und FDP, Magistrat und Bürgermeister sollten nicht schnellschüssig handeln, da in diesem Jahr Landtagswahlen anstehen, braucht man wieder ein Zugpferdchen, um Wählerstimmen zu gewinnen. Werner Petzner, Rotenburg

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