Light-Wood-Tower am Kasseler Hugenottenhaus 

Der Infra-Turm ist ein gemeinsames Projekt von Bachelor- und Master-Studierenden.
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Der Infra-Turm ist ein gemeinsames Projekt von Bachelor- und Master-Studierenden.

Studierende des Fachgebietes Entwerfen und Gebäudelehre der Uni Kassel planen spektakuläres Projekt für die documenta-Zeit

Kassel. Zum Abschluss des Wintersemesters lädt der Fachbereich Architektur – Stadtplanung – Landschaftsplanung der Universität Kassel zur traditionellen Ausstellung „Rundgang“ ein. Vom 15. bis 17. Februar gaben Studierende und Lehrende mit einer analogen Ausstellung sowie digitalen Formaten auf dem Campus Einblicke in ihre Arbeiten. Der Schwerpunkt der analogen Ausstellung lag in diesem Jahr auf ausgewählten Kasseler Projekten. „Ein Ausstellungsformat wie den Rundgang unter Pandemiebedingungen zu planen, ist eine große Herausforderung“, berichtet Stefanie Hennecke, Leiterin des Fachgebiets Freiraumplanung und Prodekanin am Fachbereich. Sie organisierte in diesem Jahre den „Rundgang“ mit einem Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden und möchte die Semesterausstellung zumindest in Teilen in Präsenz ermöglichen. „Nach zwei Jahren Online-Studium war es uns wichtig, einen ersten Schritt zurück in die analoge Welt zu gehen und die Projektergebnisse vor Ort auszustellen.“ Absolut richtig, zeigen doch die ausgestellten Kasseler Projekte zum einen, wie städtebauliche Problembereiche mit visionären Entwürfen korrigiert werden können und zum anderen, wie gut der Fachbereich, documenta 15, Kulturbegeisterte aber auch Bildungsträger eine Einheit bilden können.

Zwei Projekte werden bis zur doc 15 Realität

Im Rahmen eines gemeinsamen Architekturprojekts für Bachelor und Masterstudierende der Uni Kassel und der Lichtenbergschule sollte dort einer neuer „demokratischer Ort“ für die Schülerinnen und Schüler entstehen. Ansatz des Entwurfs war der Gedanke des kollektiven Arbeitens, der auch der documenta 15 zu Grunde liegt. Ressourcenaufbau und gerechte Verteilung stehen im Mittelpunkt der kuratorischen Arbeit und prägen den gesamten Prozess. Die Projektteilnehmer wollten einen neuen Raum entstehen lassen, der möglichst ressourcenschonend konstruiert ist und in seiner Konzeption Gedanken des „urban minings“ aufnimmt. Sie wollten einen Raum zum Agieren schaffen, der unbesetzt, nicht vorstrukturiert ist. Aus den Arbeiten setzte eine unabhängige Jury überraschend gleich zwei Entwürfe auf Platz Eins: den „mobilen Pavillon“ und das stationäre Projekt „out of the box“. Während für den Pavillon, dessen Hälften sowohl einzeln als auch zusammengefügt im Ganzen genutzt werden kann, bereits die Realisierungsplanungen laufen, ist die box aus Kostengründen erst einmal auf Eis gelegt.

Pünktlich zur documenta 15 soll auch ein weiteres Projekt in der Kasseler Realität zu bewundern und zu besuchen sein. Im Rahmen einer Kooperation mit Silvia, Maren und Lutz Freyer, Mitinitiatoren des Kunst- und Kulturortes Hugenottenhaus wurde der Garten der Kunstzone den Studierenden als temporäres Experimentierfeld zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe: das Areal funktionell und ideell durch sogenannte „Infra-Objekte“ nachhaltig zu erweitern und so zusätzliche Möglichkeiten des Agierens, Sinnierens und Diskutierens zu ermöglichen. Aus der Aufgabenstellung erwachsen sind die Projekte einer Kochwerkstatt mit Dach und der rund zehn Meter hohe Infra-Turm „Light-Wood-Tower“. 2019 haben die Künstler Silvia und Lutz Freyer gemeinsam mit Udo Wendland das Hugenottenhaus als Kunstareal entwickelt. Letzten Sommer wurde der verwilderte Garten entrümpelt und ein Gastgarten mit provisorischer Bühne und Cafe-Bar geschaffen. „Die Projekte der Studierenden des Fachgebietes Entwerfen und Gebäudelehre sollen nun diese binnen kürzester Zeit belebte und reizvolle Stätte verdichten“, so Silvia Freyer während des Rundgang durch die analoge Ausstellung.

Zwei Visionen für ein lebenswertes Kassel

Unter dem Titel „Autopsie der autogerechten Stadt“ nahmen sich Studierende des Holländischen Platzes an. In ASL-übergreifenden Projektteams wurden individuelle Sichtweisen auf diesen ebenso autogerechten wie für andere vernachlässigten Platz- und Straßenraum und seine Verknüpfung im Stadtraum erarbeitet. Es entstanden Entwürfe die einen Diskurs einleiten sollen – wunderbar, aber durchaus mit radikalen Ansätzen. Zum Beispiel, den Platz auf seine frühere Größe zurückzuführen und für die Menschen zurück zu gewinnen – der Verkehr verschwindet darunter. „Wir haben hier einfach mal das Areal als freies Feld betrachtet und ohne reale Einschränkungen städtebauliche Möglichkeiten visualisiert“, so Prof. Dr. Stefan Rettich. Am Beispiel des Henschel-Geländes entwickelte das Masterprojekt „Neues Leben in alten Hallen“ neue Ideen in den Bereichen Quartierorganisation, Wohnen, Arbeiten, Kultur, Mobilität und Freiräume. Während sich diese beiden Projekte ausschließlich im visionären, akademischen Raum bewegen und „keine Planungen, Vorhaben oder sonst etwas damit verbunden sind“, wie Prof. Dr. Hennecke mehrfach unterstrich, stehen zwei weitere Ausstellungsprojekte vor der unmittelbaren Realisierung.

Hier können Projekte online angesehen werden: https://r-ein.de/projekte

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