Offener Brief der Kasseler Kultur- und Veranstaltungsszene an die Politik

Veranstaltungsbranche appelliert an die Politiker sofort zu handeln, da sich ihre Situation von Tag zu Tag verschärft.
+
Veranstaltungsbranche appelliert an die Politiker sofort zu handeln, da sich ihre Situation von Tag zu Tag verschärft.

Angeordnete Maßnahmen führen in den Veranstaltungsstätten zu einem Quasi-Lockdown!

Kassel. Die Corona-bedingten Einschränkungen, Auftrittsverbote und Schließverfügungen in den vergangenen Monaten haben der Kultur-, und Veranstaltungsbranche sowie den Clubs schwer zugesetzt. Und die Perspektivlosigkeit vom vergangenen Winter setzt sich auch in diesem Tagen fort. Im Namen zahlreicher Vertreter und Vertreterinnen der lokalen Kultur- und Veranstaltungsszene hat sich deshalb Theaterstübchen-Betreiber Markus Knierim in einem offenen Brief an die politisch Verantwortlichen im Bund und im Land Hessen gewandt.

„Angesichts der bereits vierten Pandemiewelle werden von Bund und Ländern permanent Gesetze und Verordnungen erlassen, die an der Realität vieler Menschen und Berufszweige vorbeigehen. Uns in der Kultur- und Veranstaltungsszene, vor allem die kleineren Clubs, treiben die aktuellen Verordnungen gerade ungebremst in den Ruin“, warnt Markus Knierim, der erst jüngst mit dem Hauptpreis „APPLAUS“ 2021 für das Theaterstübchen-Programm des Jahres 2019 / 2020 ausgezeichnet worden ist.

In dem Brief werden die Politiker aufgefordert, endlich die Verantwortung zu übernehmen und Veranstaltungen konsequent zu untersagen. Markus Knierim: „Die Maßnahmen, die bisher beschlossen wurden, haben indirekt doch den gleichen Effekt! Mit einem gewaltigen Unterschied: Im Moment trägt unsere Branche die vollen Kosten für Personal, Transporte, Unterkunft, Gagen, Technik und sämtliche Produktionskosten. Wir erleben augenblicklich de f acto einen Komplettausfall in den Veranstaltungsstätten ohne einen de jure offiziell verordneten Lockdown!“ Und immer wieder setzten sich Politiker Fristen, bis Sie erneut Entscheidungen bezüglich weitergehender Coronamaßnahmen treffen möchten. „Mit Verlaub: das ist Wahnsinn!“

Bundesweit warteten Konzertveranstalter/innen und Tourneeagenturen nur darauf, dass eine neue Verordnung so formuliert ist, dass Absagen den Vorgaben der sogenannten Ausfallversicherung der Bundesregierung entsprechen.Dann könnten die Betroffenen wenigstens offiziell Verdienstausfälle geltend machen. Sie sind sich sicher, dass die politisch Verantwortlichen offensichtlich keine Vorstellung davon, was sich zurzeit Abend für Abend im Veranstaltungsbereich abspielt. Bereits jetzt folgen die meisten Kartenbesitzer ihren vehementen Aufrufen, Kontakte einzuschränken. „Und der Bundespräsident setzt noch einen drauf und mahnt öffentlich, nicht in Clubs oder zu Veranstaltungen zu gehen“, so Markus Knierim. „Tagtäglich werden mehr Tickets zurückgegeben als gekauft. Der Vorverkauf für die nächsten Monate liegt quasi bei Null.“ Dabei haben Veranstalter keine Möglichkeit, Konzerte oder Auftritte selbst abzusagen, weil sie dann vollumfänglich in der Regressverantwortung stehen.

Es sieht zwar anders aus, wenn die Künstler oder Künstlerinnen selbst absagen, - so wie jetzt ganz aktuell im Theaterstübchen Nicole Jukic & Band oder B.B & The Blues Shacks - „aber befriedigend ist das weder für die Fans, noch für mich als Veranstalter noch für die Künstler, die verständlicherweise keine Lust haben, vor zwanzig Leutchen aufzutreten“, meint Markus Knierim.

Finden doch Konzerte statt, sei es immer wieder eine Mammutaufgabe, dem Publikum die stets wechselnden Änderungen plausibel zu erklären. „Unsere Gäste müssen ja mittlerweile vier Dokumente vorlegen, wenn sie zu einer Veranstaltung wollen: Eintrittskarte, Impfnachweis, Ausweis und den tagesaktuellen Test!“, so der Betreiber des Theaterstübchens, in dem seit dieser Woche die 2Gplus-Regelung gilt. „Ernsthaft, ich verstehe langsam jeden, der bei diesem wöchentlich wechselnden Anordnungs- und Regelungswirrwarr lieber daheim auf dem Sofa bleibt. Auch wenn es mir in der Seele weh tut.“

Die lokalen Veranstalter mahnen daher konkrete Perspektiven für den Dezember und die nächsten Monate in der Veranstaltungsbranche an. „Jetzt müssten wir eigentlich die Umsätze erwirtschaftet, die wir benötigen, um die branchenübliche Sommerflaute zu überstehen. Stattdessen machen wir tagtäglich Minusumsätze. Das ist unerträglich, und dafür reicht auch nicht die Neustarthilfe, für die wir gleichwohl dankbar sind“.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Bachelor-Kandidatin Franziska Temme aus Kassel wirbt für Neonazi-Marke: „War ein großer Fehler“
Kassel

Bachelor-Kandidatin Franziska Temme aus Kassel wirbt für Neonazi-Marke: „War ein großer Fehler“

Bei RTL sucht sie ab Mittwoch ihren Traummann, doch schon vor der ersten Sendung gibt es Wirbel um die Kasseler Bachelor-Kandidatin Franziska Temme. Diese hatte mit …
Bachelor-Kandidatin Franziska Temme aus Kassel wirbt für Neonazi-Marke: „War ein großer Fehler“
Kasseler Uni-Gebäude geräumt: Bombendrohung gegen Stadtverordnetenversammlung
Kassel

Kasseler Uni-Gebäude geräumt: Bombendrohung gegen Stadtverordnetenversammlung

Ob die E-mail wirklich von Anhängern der Querdenker und Gegner der Corona-Maßnahmen verschickt worden ist, ist unklar.
Kasseler Uni-Gebäude geräumt: Bombendrohung gegen Stadtverordnetenversammlung
Nach Einbruch in Gaststätte: Betrunkener Täter macht es sich mit erbeutetem Wein in Gartenlaube gemütlich
Kassel

Nach Einbruch in Gaststätte: Betrunkener Täter macht es sich mit erbeutetem Wein in Gartenlaube gemütlich

Ein Atemalkoholtest ergab, dass der Einbrecher rund 2 Promille intus hatte.
Nach Einbruch in Gaststätte: Betrunkener Täter macht es sich mit erbeutetem Wein in Gartenlaube gemütlich
Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen
Kassel

Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen

Für die Erneuerung der „Drei Brücken“ über die Wolfhager Straße in Kassel wird es erstmals am Donnerstag zu deutlichen Einschränkungen im Verkehrsablauf kommen.
Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.