Panik ist nicht die Lösung: Kasseler Studentin berichtet über Corona-Lage in Italien

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Die Kasseler Architekturstudentin Alina Riebel macht gerade ein Auslandssemester in Rom und berichtet von der dortigen Lage.

Alina Riebel absolviert in Rom gerade ein Auslandssemester und berichtet von der aktuellen Corona-Lage dort

Rom. „Zur Zeit des Ausbruchs des Coronavirus war uns allen mit Sicherheit nicht bewusst, welche Folgen dieser für uns, unsere Wirtschaft und nicht zuletzt unseren Alltag haben würde“, berichtet Alina Riebel. Die Kasseler Architekturstudentin absolviert in Rom gerade ein Auslandssemester und berichtet von der aktuellen Corona-Lage dort.

Sie schildert uns die Lage in Rom: „Mein geplantes fünfmonatiges Auslandssemester im Rom wollte ich trotz der zunehmend angespannten Situation in Italien antreten. Als ich dann Ende der ersten Märzwoche in meiner neuen italienischen Heimat ankam, waren die Universitäten und Schulen bereits geschlossen und wir wurden zur gründlichen Handhygiene und Sicherheitsabständen aufgefordert. So hatte ich mir mein Auslandsstudium kurz vor meinem letzten Mastersemester in Architektur nicht vorgestellt.

Wenige Tage später erreichte uns dann die Meldung zum Entschluss des völligen „Lockdowns“ gesamt Italiens, wie es bereits zuvor im Norden des Landes beschlossen wurde. Selbstverständlich habe ich mir Sorgen gemacht – um meine Familie, ob ich überhaupt nach Hause kommen könnte, wenn ich wollte und zuletzt auch um meine eigene Gesundheit. Aus Deutschland erreichten und erreichen mich auch immer noch täglich viele Nachrichten, Bilder und Videos von leergeräumten Supermarkt-Regalen, langen Schlangen und leeren Innenstädten. Und nicht zuletzt die Frage, „warum kommst du nicht nach Hause?“. Ich bleibe hier. Ich bleibe in Rom, einer Stadt, die mir in diesen schwierigen Zeiten vor allem eins gezeigt hat: Zusammenhalt, Menschlichkeit, Respekt für Mitmenschen und Entscheidungen der Politik und nicht zuletzt Spaß und Freude am Leben. Diese Dinge sind es, die uns die Hoffnung nicht verlieren lassen. Natürlich ist die Situation ernst.

Krankenhäuser sind überfüllt, Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte und medizinisches Personal jeder Art sind überlastet, die Gesundheit vieler steht auf dem Spiel und das ist beängstigend und nicht zuletzt traurig. Aber ein positives, respektvolles und unterstützendes Miteinander jeglicher Art ist es, was wir brauchen, um diese Zeit durchzustehen. Hier, wo genau diese Situation eingetreten ist, vor der sich in Deutschland viele fürchten, ist es aktuell wohl am „entspanntesten“ – zumindest unter jenen, die nicht erkrankt sind.

Keine leeren Supermarktregale

Hier gibt es aktuell keine leeren Regale, keine Wut und respektloses Verhalten, hier findet man nur Zusammenhalt, Musik, die aus den Fenstern die ganze Nachbarschaft beschallt und ein möglichst positives Leben. Selbstverständlich gibt es Einschränkungen, die das soziale Leben stark zum erliegen gebracht haben, wie zum Beispiel das Reiseverbot innerhalb Italiens, sowie die Schließung von Sehenswürdigkeiten und Geschäften.

Dies gescheit jedoch zum Wohl aller und dafür lohnt es sich. Wir sollten uns also an den Menschen hier in Italien aber auch überall sonst ein Beispiel nehmen, die versuchen, die Situation ernst zu nehmen und dennoch das beste daraus machen, denjenigen Unterstützung zu bieten, die sie aktuell dringend benötigen und Respekt zollen für alle Krankenschwestern und Ärzte weltweit, die versuchen der Situation Herr zu werden.

Panik ist niemals die Lösung, wir sollten all denjenigen helfen, die Hilfe brauchen, Nudeln und Toilettenpapier für diejenigen in den Regalen lassen, die nicht die Möglichkeit haben jeden Tag einkaufen zu gehen und uns bewusst machen, dass selbst wenn Deutschland sich entschließt ähnliche Regeln wie Italien aufzustellen, die Supermärkte auch morgen wieder beliefert werden und unser täglicher Einkauf gesichert ist. Ich freue mich auf die Zeit nach dem Virus und nach dem Lockdown, wir werden hoffentlich alle wichtige Lektionen aus dieser Zeit mitnehmen.“

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