Tat von äußerster Brutalität: Prozess um den gewaltsamen Tod eines 83-Jährigen aus Guxhagen

Kassel / Guxhagen. Prozess­auftakt gegen Emmi O. aus Burghasungen bei Zierenberg. Die 61-Jährige wird beschuldigt, am 10. November vergangenen Jahr

Kassel / Guxhagen. Prozess­auftakt gegen Emmi O. aus Burghasungen bei Zierenberg. Die 61-Jährige wird beschuldigt, am 10. November vergangenen Jahres ihren Großonkel Walter H. getötet und anschließend einen Brand in dessen Haus in Guxhagen gelegt zu haben, um die Tat zu verschleiern.

Bereits am ersten Verhandlungstag vor der 6. Strafkammer des Kasseler Landgerichts wurde deutlich, dass sich der Prozess zu einem zähen Ringen um die Wahrheit entwickeln dürfte. Denn: die Angeklagte selbst gibt an, sich an das Geschehen während der Tatzeit nicht erinnern zu können. Als Grund nannte sie starke Alkoholprobleme. So habe sie nach dem Verlust ihrer Arbeitsstelle begonnen zu trinken. Dies habe sich immer mehr gesteigert, bis sie zur Tatzeit bereits die Kontrolle über ihr Leben verloren gehabt habe.

Die Angeklagte betonte, immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem "Onkel Walter" gehabt zu haben, der sehr zurückgezogen lebte. Nachdem dieser nach einem Unfall gehbehindert war, hatte sie für ihn geputzt und sich um die Einkäufe gekümmert und öfters bei ihm geschlafen. Die Beiden gingen schließlich sogar dazu über, das Konto von Walter H. gemeinsam zu nutzen. Doch das Geld darauf wurde immer weniger, wohl auch, wie die arbeitslose Emmi O. einräumte, weil sie jeden Monat einige Hundert Euro an ihren drogensüchtigen Sohn weitergab.

Schließlich war das Konto mit über 5.000 Euro so weit überzogen, dass die Bank mit Sperrung drohte. Dies zeigen die Kontoauszüge, die bei der Angeklagten gefunden wurden. Von den Geldproblemen habe Walter H. gewusst, betonte die Emmi O. vor Gericht. Doch daraus sei kein Streit entstanden. Der Großonkel habe lediglich zu ihr gesagt: "Das kriegen wir schon hin." Auch davon, dass der 83-Jährige ihr aus Dankbarkeit sein Haus bereits vermacht hatte – ein weiteres mögliches Tatmotiv – habe sie nichts gewusst.

Auf die Spuren des Verbrechens war die Polizei im Haus des ehemaligen Bahnbeamten gestoßen. In mehreren Zimmern im Erdgeschoss des Hauses fanden die Beamten Blutspuren, die auf einen mit äußerster Brutalität geführten Kampf hinweisen. Der 83-jährige Walter H. erlitt dabei schwere Kopfverletzungen und Stichwunden, die zu seinem Tod führten.

Bei der anschließenden Suche nach Emmi O. stieß die Polizei bei dem von ihr getrennt lebenden Ehemann in Vaake auf ein blutverschmiertes Küchenmesser, das offensichtlich der Angeklagten gehörte. Dort hatte sie zuletzt übernachtet, bevor sie in das Vereinskrankenhaus in Hann. Münden eingeliefert wurde, wo sie die Polizei schließlich auffand und wo sie unter anderem wegen einer schweren Schnittverletzung an ihrer Hand behandelt wurde.

Wie es zu der Verletzung gekommen ist und wieso weitere Blutspuren in ihrem Auto gefunden wurden, konnte Emmi O. dem Gericht nicht erklären. Was dem Gericht um den Vorsitzenden Volker Mütze also bleibt, sind viele offene Fragen, die durch Zeugenaussagen, Gutachter und Indizien beantwortet werden sollen.

Anklage und Verteidigung ließen indes bereits erkennen, in welche Richtung ihre Strategien bis zur Urteilsverkündung am 1. März zielen. Während Staatsanwalt Jan Uekermann glaubt beweisen zu können, dass Emmi O. ihren Großonkel in seinem Haus mit einem Kerzenständer erschlagen hat, versucht die Verteidigung immer wieder Zweifel zu streuen.

So hält es das Anwaltsduo der Beschuldigten, bestehend aus den Kasseler Rechtsanwälten Jan Hörmann und Michael Kuntze, nach eigenen Angaben durchaus für möglich, dass ein bislang unbekannter Dritter die Tat begangen hat und Emmi O. selbst zu den Opfern gehört.

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