Im Alltag angekommen

Teil II der Serie: ,Leben und Lernen in Portugal Ein Auslands-Tagebuch von Kerstin Bott (16)Von KERSTIN BOTTA-dos-Cunhados. Nun bin ich s

Teil II der Serie: ,Leben und Lernen in Portugal Ein Auslands-Tagebuch von Kerstin Bott (16)

Von KERSTIN BOTTA-dos-Cunhados. Nun bin ich schon fast zwei Monate im (mehr oder weniger) sonnigen Portugal und bereue die Entscheidung, hierher gekommen zu sein, nicht. Auch wenn Vieles noch ungewohnt ist, habe ich mich eingelebt und bin im Alltag angekommen. Es gibt aber immer noch Neues zu entdecken. Erst neulich habe ich zum Beispiel erfahren, dass es total verpnt ist, weie Socken zu tragen genauso wie bei uns niemand Socken in Sandalen tragen wrde. Schnellstens habe ich alle weien Socken aus meinem Schrank verbannt. Oder letzte Woche, da stand ich emprt an der Bushaltestelle und schaute dem vorbeifahrendem Bus hinterher. Spter habe ich erfahren, dass man ein Handzeichen machen muss, damit der Bus anhlt. Einer der grten Unterschiede im Alltagsleben ist natrlich das Essen hier isst man zweimal am Tag warm und es gibt immer Fleisch oder Fisch, so gut wie nie etwas Vegetarisches. Daran muss ich mich noch gewhnen, vor allem da das Fleisch oder der Fisch auch immer den grten Teil der Mahlzeit ausmachen, die Beilage Kartoffeln, Reis, Nudeln oder Salat isst man in kleinen Mengen dazu. Und wie in Frankreich wird immer Brot der Baguette zur warmen Mahlzeit gereicht. Auch der Nachtisch darf nie fehlen, meistens Obst. Das Abendessen nimmt man in den meisten Familien spter zu sich als in Deutschland so gegen neun oder zehn Uhr. Auch die Schule unterscheidet sich in vielen Punkten von Deutschland. In der secundaria, die so etwas wie die Oberstufe ist und die Klassenstufen zehn bis zwoelf einschliet, muss man Bereiche whlen Naturwissenschaften, Kunst, Sprachen, Technik Ich bin im Bereich Sprachen und Sozialwissenschaften gelandet und habe somit die Fcher Englisch, Franzsisch, Philosophie, Sport, Geschichte, Mathe und etwas, das Religion oder Ethik hnelt. Portugiesisch habe ich nicht mit meiner Klasse, sondern in Einzelstunden, da es in Portugal gesetzlich geregelt ist, dass es Extraportugiesischunterricht fr Auslnder gibt. Diese Stunden helfen mir sehr, da man Grammatik eben nicht durch das Hren einfach so mitkriegt. In Geschichte und Philosophie verstehe ich langsam mehr, dennoch ist es schwierig, immer zu wissen, worum es geht. In Philosophie habe ich aber sogar schon einen Test mitgeschrieben, ich bin schon sehr gespannt auf die Note. Generell muss ich sagen, dass die meisten Dinge in der Schule relativ leicht sind, und wir sie zum Teil in Deutschland schon in der neunten oder zehnten Klasse durchgenommen haben und dass, obwohl meine Klassenkameraden hier schon in zwei Jahren den Abschluss machen, mit dem man Universitten besuchen kann, der also vergleichbar zum Abitur sein sollte Mein Schultag beginnt hier meistens um viertel nach acht und endet entweder um halb zwei, um vier oder um viertel vor sechs zweimal in der Woche bin ich fast den ganzen Tag in der Schule. Das ist aber nicht so schlimm, da die Pausen hier viel lnger sind, und man zum Beispiel in einer 60-mintigen Mittagspause gemtlich mit seinen Freunden in einer der drei sogenannten Bars der Schule sitzen kann, wo man Snacks essen und Kaffee trinken kann. Oder man kann ber das Schulgelnde schlendern, das nicht nur gro, sondern auch schn ist, und teilweise einem Park hnelt, da an meiner Schule sogar ein Grtner angestellt ist. Demnchst verbringe ich vielleicht noch mehr Zeit in der Schule, da ich gerne in der Basketballmannschaft spielen wrde irgendwie muss ich ja das viele Essen kompensieren. Ich habe auch zweimal in der Woche Schwimmen und das ist ziemlich anders als in Deutschland. Im Schwimmbad muss man einen Badeanzug tragen, Bikinis sind verboten, und eine Badekappe. Ich habe seit Jahren keinen Badeanzug mehr getragen und noch nie eine Badekappe beides musste ich mir erst einmal kaufen. Das Schwimmbad kann man fast nur mit einem Schwimmlehrer benutzen einfach mal hingehen, ein paar Bahnen schwimmen, ist selten mglich und auerdem sehr teuer, obwohl es nur ein kleines Schwimmbad ohne Rutschen oder Springtrme ist. In meiner Kleinstadt wohnen nicht besonders viele Menschen und dennoch ist das Schwimmbad von morgens bis abends, sieben Tage in der Woche, mit jeweils halbstndigen Schwimm- oder Aquagymnastikgruppen belegt. Dass ich nah am Meer wohne, ntzt mir, was Schwimmmglichkeiten angeht, nicht wirklich, da der Atlantik hier sehr wild ist und es auf Grund der hohen Wellen meistens zu gefhrlich zum Schwimmen ist. Die Portugiesen wrden hier ab September auch auf gar keinen Fall mehr auch nur einen Fu ins Wasser halten, weil es ja sooo kalt sei. Ich finde die Wassertemperatur eigentlich ganz okay, so im Vergleich zur Nordsee Ich geniee es auf jeden Fall sehr, nur fnf Kilometer vom Ozean entfernt zu wohnen. Am Wochenende fhrt man gerne morgens mal an den Strand, um spazieren zu gehen oder mit Blick auf das Meer einen Kaffee zu trinken. Der Kaffee ist brigens eine der grten Leidenschaften der Portugiesen. Niemand trinkt hier wie bei uns Kaffee mit Milch in den starken Kaffee, den man in kleinen Espressotassen zu sich nimmt, werden lediglich Unmengen von Zucker gemischt. Diese kleinen cafzinhos kann man etliche Male am Tag trinken, zwischendurch, nach dem Essen, in der Schule Wenn man irgendwohin unterwegs ist, hlt man immer gerne an einem kleinen Caf am Straenrand an, um mal eben schnell einen Kaffee zu trinken. Mit meinen Gasteltern verstehe ich mich sehr gut. berhaupt sind alle Portugiesen sehr nett und hilfsbereit, und da jeder wei, dass ich die Austauschschlerin aus Deutschland bin, hat mir am Anfang stndig jemand bei irgendwas geholfen ob es nun darum ging, das Schliefach aufzuschlieen, den richtigen Bus zu finden, meine Schulbcher aufzutreiben Die meisten Portugiesen sind trotz der Liebe zur traurigen Fado-Musik und der damit verbundenen Melancholie frhlich, singen gerne und reden sehr laut. Wenn es darum geht, englisch zu sprechen, sind jedoch viele schchtern und in der Schule haben sich zu Beginn einige nicht getraut, mit mir zu reden. Wenn sie aber merken, dass sich jemand bemht, ihre Sprache zu lernen, freuen sie sich riesig darber. Mittlerweile habe ich auch das Gefhl, so etwas wie Freunde gefunden zu haben. Nach der Schule machen die Jugendlichen hier meistens nicht mehr so viel, da diese in der Regel ja auch lnger dauert als in Deutschland. Die Portugiesen schauen alle sehr gerne Fernsehen, viele Austauschschler, mit denen ich mich bisher ber Erfahrungen und Probleme ausgetauscht habe, strt, dass der Fernseher eigentlich immer luft und ihre Gastgeschwister viel zu Hause sind und lernen, vor dem Computer sitzen oder eben Fernsehen gucken. Aber am Wochenende trifft man sich gerne im Shoppingcenter, geht feiern oder ins Kino. Geplant werden solche Dinge stets spontan und vor allem: Per SMS portugiesische Jugendliche knnen nicht ohne ihr Handy. Man hat es immer bei sich und ist stndig dabei, Nachrichten zu tippen. In diesem Punkt bin ich schon sehr portugiesisch geworden in einer Woche schreibe ich hier so viele SMS wie in Deutschland in einem halben Jahr. Ich bin gespannt, in welchen weiteren Aspekten ich mich noch unbewusst anpasse und bin sicher, dass die portugiesische Kultur mir fehlen wird, wenn ich wieder in Deutschland bin. Nun mchte ich aber auf jeden Fall erst mal meine Zeit hier genieen und weitere neue Dinge lernen und entdecken

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