Aufbruch festgehalten: Neues Fotobuch zeigt die Kindheit in den 50er-Jahren

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Der junge Juergen Eichel mit Katze. Foto: Eichel/kk

Schwalm-Eder. Als Jürgen Eichel  aus Böddiger noch ein kleiner Junge war, wurde Samstags noch in der Zinkwanne gebadet. Statt Playstation gab es K

Schwalm-Eder. Als Jürgen Eichel  aus Böddiger noch ein kleiner Junge war, wurde Samstags noch in der Zinkwanne gebadet. Statt Playstation gab es Kasperle-Theater und die Banane war ein unbekanntes Wesen.

Es sind die 50er-Jahre. Die Aufnahmen auf dem Tisch zeigen eine längst vergangene Zeit. Spiegeln das Leben der Kinder auf dem Lande. Die Jungen in Strickstrümpfen, die Mädchen mit Zöpfen.

Volksschullehrer mit Kamera

Fotografisch festgehalten hat diese Zeit und ihre Menschen der Vater von Jürgen Eichel. Sein Name: Hans Eichel. Er kam nach dem Krieg nach Böddiger und wurde dort Volksschullehrer.  Mit dabei seine Kamera.

"Mein Vater hatte viele Talente und Interessen", erzählt der heute 66-jährige Sohn. So war dieser neben seinem eigentlichen Beruf noch Musiker, Maler, Organist und Chorleiter. Doch seine besondere Leidenschaft gehörte stets der Fotografie.

"Wann immer er Zeit hatte, ging er auf Fotosafari", erinnert sich sein Sohn, der später ebenfalls Lehrer wurde. Anfangs noch mit dem Motorrad ging es über holprige Landstraßen. Im Fokus Bilder von der Familie, von Festen, Auftragsarbeiten für Gartenmagazine und  Tageszeitungen, aber eben auch Momentaufnahmen vom ganz normalen Alltag. Über 10.000 Fotos in Schwarz-Weiß und Farbe kamen so zusammen.  Ein für die Region einmaliges Archiv der Zeitgeschichte.

Nachdem Hans Eichel 1993 starb kam der Nachlass in das Haus seines Sohnes in Felsberg. "Mir war klar, die Bilder müssen der Nachwelt erhalten bleiben", sagt Jürgen Eichel. Zeit, den Schatz zu heben und auszuwerten hatte er allerdings erst nach seiner Pensionierung 2009.

"Ich habe dann einige Fotos an den Wartberg-Verlag geschickt und gefragt, ob Interesse an einem Buchprojekt besteht", erklärt der bärtige Ruheständler. Die Antwort kam schnell und war eindeutig: Ja, denn es handele sich bei dem Archiv um eine Sammlung von dokumantarischer Bedeutung, wie sie in ganz Deutschland nur selten zu finden ist.

Reise in die Vergangenheit

Damit begann für Jürgen Eichel eine Reise in die Vergangenheit. In die eigene, die seiner Familie, aber auch in die vieler anderer Menschen. "Ich habe mir von jedem der abgebildet ist eine Einverständniserklärung für den Abdruck geholt", so Eichel. Mit vielen entwickelten sich dabei Gespräche. Inspiration für die von ihm verfassten Texte zum Panorama der 50er-Jahre.

Es sind optimistische Bilder aus einer Zeit des Aufbruchs nach den Schrecken des Krieges. Doch sie verheimlichen nicht die Härten des Alltags. Zeigen Kinder die barfuß zur Schule gehen müssen oder die harte Feldarbeit bei der Ernte.

"Im Winter haben wir oft gefroren", erinnert sich Jürgen Eichel. Trotzdem, so betont er: "Für uns war es eine wunderschöne Kindheit, in der das ganze Dorf zum Abenteuerspielplatz wurde."

Jürgen Eichel: Ranzen, Rodeln, Rasselbande - Unsere Kindheit in den 50er Jahren. Erschienen im Wartberg-Verlag, 64 Seiten, Preis 17,90 Euro. (ISBN: 978-3-8313-2256-5)

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