Dem Bartenwetzer geht’s nicht gut

Von ANDREAS BERNHARDMelsungen. Wer genau hinschaute stellte fest: Ein bisschen traurig blickte der Bartenwetzer ja schon immer von oben he

Von ANDREAS BERNHARD

Melsungen. Wer genau hinschaute stellte fest: Ein bisschen traurig blickte der Bartenwetzer ja schon immer von oben herab auf den Platz vor dem Rathaus. So, als ob ihn etwas bedrcke. Trotzdem war er ein Vorbild an Pflichtgefhl. Und das schon seit 81 Jahren.

Beliebt bei Einheimischen und Touristen

Ohne Feiertag und bei jedem Wetter trat er vor das Fenster seines kleinen Trmchens und wetzte jedes Mal aufs Neue seine Barte. Wohl auch deswegen ist er gleichmaen beliebt bei Einheimischen wie Touristen. Seine beiden tglichen Auftritte immer mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr sind Fixpunkte im Leben der Melsunger und ihrer Gste. Seit den 70er-Jahren gibt es zudem einen Kasten am Rathaus, von dem aus der Bartenwetzer zu Sonderschichten gerufen werden kann. Ein Hhepunkt jeder Stadtfhrung. Doch damit ist erst einmal Schluss. Die berhmte Symbolfigur ist vorerst auer Dienst.

Holzfigur blieb hngen

Alexander Fett vom Melsunger Bauamt erklrt: Schon seit einigen Wochen gab es Probleme beim Rausfahren. Immer wieder blieb die Holzfigur hngen. Deshalb wurde eine Spezialfirma fr Glockenspiele beauftragt ein Gutachten zu erstellen. Das Ergebnis: Das Schienensystem auf dem sich der Bartenwetzer bewegt ist ausgeleiert, weshalb die Figur mit der schwarzen Kappe und der blauen Jacke sich immer wieder am Trrahmen verhakte. Deshalb, so Fette, habe das Rathaus beschlossen Mechanik und Antrieb berholen zu lassen. Das allerdings wird einige Wochen in Anspruch nehmen, zumal die Arbeiten erst im Oktober beginnen.

Dienstantritt in 1928

Seinen Dienstantritt hatte der Bartenwetzer beim Melsunger Heimatfest von 1928. Gefeiert wude damals der Abschluss der Sanierungsarbeiten am mittelalterlichen Rathaus. Aus diesem Anlass spendierte die Firma Bernecker, die ihr Druckhaus zu dieser Zeit in der Mhlenstrae hatte, die Holzfigur samt Mechanik. Den Spitznamen die Bartenwetzer hatten die Melsunger allerdings schon lange vorher. Der Grund: Viele von ihnen verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Waldarbeiter. Bevor sie zum Holzschlagen in den Stadtwald zogen, trafen sie sich jeden Morgen auf der alten Steinbrcke und wetzten am Sandstein des spter Bartenwetzerbrcke getauften Bauwerks aus der Renaissance ihre xte (nordhessisch Barte genannt). Die dadurch entstandenen Schleifmulden sind noch heute deutlich zu erkennen.

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