Bauern am Pranger der Massentierhaltung

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Schwalm-Eder. Während in Gudensberg gegen Massentierhaltung protestiert wird, formiert sich unter Ortslandwirten Widerstand gegen die Stigmatisierung.

Schwalm-Eder. Während in Gudensberg Bündnis90 / Die Grünen die Großdemo vom Wochenende gegen Massentierhaltung im Hühnerstall feierten, zogen die Ortslandwirte aus einer Tagung in Fritzlar ein ganz anderes Fazit. Denn die Landwirtschaft erlebt einen gewaltigen Strukturwandel.

Ohne Bauern nichts zu essen

Welche Flötentöne die ländliche Zukunftsmusik für die Bauern bereithält, war unter anderem Thema der Tagung der Ortslandwirte im Soldatenheim. Gleich zu Beginn der Veranstaltung holte Rainer Kehl zum großen Rundumschlag aus. Mächtig die Ernte verhagelt hatte ihm vor allem die Tatsache, dass der Bauernstand immer mehr mit landläufigen Vorurteilen zu kämpfen habe.

Nase voll vom Pranger

"Wir haben es satt, dass mit den Begriffen Industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung Landwirte an den Pranger gestellt werden", wetterte der stellvertretende Kreislandwirt. "Ohne Landwirtschaft hätten wir vielleicht mehr Naturschutz, vielleicht mehr Gewässerschutz, wahrscheinlich mehr Natur – aber auch nichts zum Essen", so sein Fazit. Schließlich ernähre jeder Landwirt heute 140 Menschen.

Größer ist effizienter

Mit Spannung wurde daher auch Gastreferent Professor Dr. Enno Bahrs erwartet. Mit "Zukunftssicherung – ist größer immer effizienter?" hatte der Leiter des Instituts für Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Hohenheim seinen Vortrag überschrieben. Demnach setzt die junge Generation besonders auf Flexibilität, den Einsatz modernster Technik und strebt daher auch nach größeren Höfen. Nur Großbetreibe seien in der Lage, solchen Fortschritt auch zu schultern. "Sie können diese Technik häufig nur einsetzen, wenn sie groß sind", erklärte der Agrarökonom, der seine These "Größer ist effizienter" auch mit entsprechenden Zahlen belegen konnte. So spart etwa ein Melkroboter pro Tag eine Arbeitsstunde.

Den Kühen geht es gut

Außerdem müsse die Landwirtschaft dringend etwas für ihre Imagepflege tun, denn noch nie sei diese von der Gesellschaft so weit entfernt gewesen wie heute. "Wir wissen, dass es den Kühen gut geht, aber alle anderen wissen es nicht. Sie müssen ein Mehrfaches der Kommunikation an den Tag legen", war der abschließende Rat von Professor Bahrs.

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