Bedrohtes ,Platt' - Mundart-Verein veröffentlicht Rote Liste - EXKLUSIV MIT LISTE

Schwalm-Eder. Es geht um die "Wecke" (Brötchen), den "Bulldog" (Traktor) und die "Kibbe" (Hosentasche). Das sind nur dr

Schwalm-Eder. Es geht um die "Wecke" (Brötchen), den "Bulldog" (Traktor) und die "Kibbe" (Hosentasche). Das sind nur drei Beispiele der 50 Wörter-umfassenden "Roten" Liste der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten, die nun veröffentlicht wurden (Sie finden die komplette Liste weiter unten auf dieser Seite).

Noch haben sie allgemeine Bedeutung, doch der Vorsitzende des Vereins, Roland Siebert befürchtet den Verlust der Begriffe. "Wir haben vor anderthalb Jahren beschlossen, dass wir etwa zu müssen, um einen Grundbestand an regionalen Begriffen nicht zu verlieren," beschreibt er die Motivation für die Aktion "Rote Liste". Der Verein startete einen Aufruf, es kamen 2.000 Wörter zusammen. Dabei waren viele Exoten, aber genau um die ging es Siebert und seinen Kollegen nicht. Die Liste haben die Aktiven der Gesellschaft in mühsamer Kleinarbeit erst auf 342, dann auf 50 Wörter zusammen gestrichen. Die Ausdrücke sollten schließlich übersichtlich und merkbar sein, um eine echte Chance auf Erhaltung zu haben. Sieberts Kalkül: die Mundartbegriffe in der Regionalsprache zu verankern. "Mit der Regionalsprache bringt man die unterschiedlichen Mundarten zusammen," erklärt er.

Platt auf der Karte

Mit der Veröffentlichung will die Gesellschaft für Nordhessische Mundarten einen Anreiz bieten, diese Wörter verstärkt zu nutzen, zum Beispiel auf Speisekarten. Wo in Berlin die "Schrippe" steht, soll in Nordhessen die "Wecke" weiter verwendet werden.

"Der Mundart-Wortschaft hat identitätsstiftenden Charakter", sagt der Autor von Büchern in hochdeutsch und im Dialekt. 46 Mal las er aus seinen Geschichten aus der Region in den letzten zwei Jahren. "Die Leute wollen Mundart hören," erzählt er aus seiner Erfahrung. Die Geschichten gehörten zum zeitgeschichtlichen Gedächtnis, denn sie  seien im ortsüblichen Dialekt passiert, bemerkt Siebert weiter. Die Mundart geht allgemein zurück, die junge Generation versteht sie zum Teil noch, spricht sie aber nicht mehr. Dabei bringt die Mundart die Generationen zusammen, wenn die Großeltern den Enkeln erklären, was welches Wort bedeutet.Der Mundart-Szene tut das indes keinen Abbruch. Weiter treffen sich die Dialektbegeisterten an speziellen Stammtischen, treten Laiendarsteller mit Mundart-Sketchen auf und nicht zuletzt lesen regionale Autoren ihre Geschichten in der alten Sprache. Schul-AGs bieten zudem auch dem Nachwuchs die Möglichkeit der althergebrachten Sprache näher zu kommen."Auf der Ebene der Veranstaltungen lebt die Mundart fort," sagt Roland Siebert. Und auf der Ebene der roten Liste, lässt sich der Satz vervollständigen.

++++ ++++ ++++ ++++ Alle 50 Wörter in der Übersicht ++++ ++++ ++++ ++++

1. Awerähmchen /Aber- ........................ kleines, scharfes Küchenmesser, auch Kneibchen, Knibbchen

undSchälerchen (bes. i.d. Schwalm) genannt

2. Baarde / Boarde .................................. Axt ( keineswegs: Beil, welches kleiner ist )

3. Boimeesder.......................................... Bürgermeister, auch: Berjemeesder

4. Bulldog ................................................ Traktor, Trecker, Schlepper (aus dem Englischen abgeleitet)

5. Clowes Owed ........................................ Nikolausabend (Chrest Owed =Heiligabend)

6. Dabbchen……………………………. Hausschuhe, meist aus Stoff, auch: Battsche(n), Schlabbe(n)

7. Die Stragge / Stracke........................... gerade "rote Wurst" im Kunstdarm, im Gegensatz zu "Die Rönge"

(Die Runde), die i.d.R. im Naturdarm hergestellt wird

8. Doorenhoob........................................... Totenhof / Friedhof/ früher: Kirchhof /im Norden: Kerkhoob

9. Drallje ................................................... Treppengeländer (Quergeländer im 1. Stock), wo Teppiche,

Bettzeug etc. draufgehangen wurden/werden

10. Driewedroost......................................... Trauerklos, Pessimist (auch: Miesepeder)

11. Düggefädd.............................................. heißes Schweinefett mit Zwiebeln u. Grieben (zu Klösen)

12. frijjen/frichen.........................................heiraten ("De Schatzliere* wunn frijjen.") *Brautleute

13. Güll........................................................ Pferd ( Mehrzahl: Päare, keinesfalls: Gülle)

14. Häwekermes /Hebekirmes.................. .Richtfest (wenn der Dachstuhl gezimmert u. aufgebracht ist)

15. Käbbchen (Kaffee).................................Tasse (Kaffee) ( vzw. im Süden, z.B. Schwalm )

16. Kibbe...................................................... Hosentasche ( so auch: Kibbenmässer)

17. Kliwwer(n)..............................................gespaltenes, ofenfertiges Holz

18. Knibbkuchen (u kurz gespr.)..................Waffel vom Waffeleisen (auch: Pitzkuchen)

19. Kräbbel....................................................Kuchenteig-Kugel in heißem Öl frittiert, auch: "Berliner"

20. Lattch/Lattich.........................................grüner Salat

21. Lumbaasche/Lombaasche……............. Ausstattung/Klamotten ( auch: Gesindel )

22. Mach(t)s gudd!……………………….. .Auf Wiedersehen!

23. Maddekuchen (u kurz)…………………Quarkkuchen

24. Merrch…………………………………..Meerrettich ( "V’rzell ken Merch! = Erzähl keinen Quatsch!)

25. Muggefugg……………………………... Malzkaffee (von frz. "mocca fou" = falscher Kaffee)

26. Muusdenwegge…………………............ Gehacktesbrötchen, Mettbrötchen

27. Nesschen / Nüsschen…………………....Feldsalat ("Stäch mo’n besschen Nesschen, Henner!")

28. Ommedzen(hööfen)……………………. Ameisen ( haufen )

29. Ommedden...............................................Grummet: Zweiter od. dritter Grasschnitt zum Heumachen

30. ritzerod…………………………………. puterrot ( wird auch politisch gebraucht )

31. Scheeße…………………………………. Kutsche ( auch: altes Auto )

32. Schlodden / Schlotten………………….. Schalotten (gehört zum "Griewerk" =Gartengrünzeug)

33. Schmeggefuchs…………………………. Feinschmecker ( auch in bezug auf Frauen )

34. Schnibbchen…………………………….. Schnittlauch-Quark ( Brotaufstrich )

35. Schnibbelbonn(sobbe)…………………...Schnippelbohnen (suppe)

36. Schnobbduch /-düch (u/ü kurz)................Taschentuch

37. Spannschlööch ..........................................Spanschlauch(von "Spanisch Lauch") / Porree (auch: Lööch)

38. Solberknochen / Sulper-………………... Pökelknochen (vom Schwein); zu Meerrett.,Salzkart.,Sauerkraut

39. Sonnowed / Sonnabend…………………..Samstag

40. Stonz (Stunz)..............................................Kleine Wanne / Holzzuber

41. Storzenieren………………………………Schwarzwurzeln (von lat. "scorza nigra")

42. Strodde........................................................Hals / Kehle / Speiseröhre ("Minne Strodde brännt!")

43. Strombädzel / Strum-…………………… Strickmütze (früher aus Strumpfoberteil hergestellt)

44. Surenkohl / Süren- ....................................Sauerkraut ( auch: Sürmüüs)

45. wängsch...................................................... krumm, schief ("Doas Road es wängsch!")

46. Wegge........................................................ Brötchen (s.Muusdenwegge)

47. Weggewerg/ Weckewerk........................ Schweinegehacktes, mit Schwarte verarbeitet

(wird i.d.R. zu Pellkartoffeln gegessen)

48.Zeede......................................................... Ausguss bei der Kaffee-/Tee-/Gießkanne

49. Zoggersteen(e)........................................... Bonbon(s)8 / Bollchen

50. Quädsche./ Zwetsche................................ Zwetschge (keinesfalls: Pflaume!)

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