Bildung ist der Schlüssel - Moderner Strafvollzug im Hochsicherheitsgefängnis

Ziegenhain. Nein, ein weltfremder Idealist, ein Tagträumer ist Gefängnisdirektor Jörg Bachmann beileibe nicht. Er weiß genau: Die schweren Jungs,

Ziegenhain.Nein, ein weltfremder Idealist, ein Tagträumer ist Gefängnisdirektor Jörg Bachmann beileibe nicht. Er weiß genau: Die schweren Jungs, die in der alten Festung Ziegenhain brummen müssen, haben ihre Strafe verdient. Er weiß aber auch: Ein Gefangener muss am Ende der Haft seine Chance auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft bekommen.

15 Totensonntage

"Entschuldigen Sie, wenn der Fußboden schon ein bisschen schwarz geworden ist. Nach 15 Totensonntagen kann das leicht passieren", sagt ein Gefangener als eine zehnköpfige Delegation um den FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Paulus der JVA Schwalmstadt einen Besuch abstattet. "Sie dürfen sich gerne mal meine Zelle anschauen", genehmigt der Häftling den Blick in die fremde, in seine Welt. Aber niemand will von ihm wissen, wie er auf die schiefe Bahn geraten war oder wie viele Totensonntage er noch vor sich hat, auf seinen vielleicht 15 Quadratmetern mit Gitterfenster, Bett, Sideboard, Klo und Fernseher. Es ist sowieso klar: Wer hier sitzt, erlebt keinen Ferienaufenthalt und genießt keine "Pension auf Staatskosten". Und schon gar nicht erlebt er diese Knastromantik, wie sie Film und Fernsehen so gern vermitteln.Auf der weiteren gut einstündigen Gefängnisrunde macht Justizvollzugsbeamter Eberhard Manz den liberalen Besuchern unmissverständlich klar: Gefangen sein, heißt unfrei sein, mit allen Konsequenzen. Täuschungsversuche von Häftlingen werden meist mit der Streichung von Vergünstigungen geahndet, nur die ganz schweren Fälle kommen für kurze Zeit in den "Bunker" – und nur mit persönlicher Erlaubnis durch Direktor Bachmann.

Gewaschen und gereinigt

Hart durchgreifen kann er also, der "Chef". Aber viel lieber setzt er auf Bildung als Schlüssel in die Freiheit. "Der moderne Strafvollzug ist vor allem ein Übergangsmanagement", beschreibt Jörg Bachmann das Resozialisierungsziel. Zunächst gelte es, den Insassen einen geregelten Tagesablauf, ein strukturiertes Leben zu vermitteln. "Eine große Aufgabe ist dabei die Integration der Generation 50plus in das Arbeitsleben. Wir als JVA müssen diese Leute vor Haftende fit machen; oder, wie wir intern sagen: ,gewaschen und gereinigt’ nach draußen schicken."Die Mittel zum Zweck sind dabei Beschäftigung und Bildungsangebote für Gefangene. So bietet die JVA Schwalmstadt ihren Insassen einerseits eine wirtschaftlich ergiebige Arbeit, andererseits aber auch die Chance, sich dafür selbst die nötigen Voraussetzungen durch den Erwerb von Schulabschlüssen oder von Gesellenbriefen im Handwerk zu schaffen. "Ein geregelter Beruf, die hier erworbene Bildung erhöhen die Chancen auf eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft ganz erheblich", ist Jörg Bachmann unerschütterlich überzeugt. Auf entsprechende Erfolge verweist er gern; so wie auf den Schlosser, der jüngst seinen Gesellenbrief erwarb und der nun in Süddeutschland von ehrlicher Hände Arbeit lebt.

Rückfall ohne Definition

Nur auf eines darf man Bachmann nicht ansprechen, die so genannte Rückfallquote. "Da machen Sie aber ein Fass auf", antwortet er dann. "Dieser Wert ist selbst in Fachkreisen noch gar nicht einheitlich definiert." Natürlich erlebe auch die JVA Schwalmstadt Rückfälle. Doch keiner verläuft nach Bachmanns langjähriger Erfahrung wie der andere. Mal seien alte kriminelle Freunde im Umfeld auszumachen, mal eine missglückte Ehe, dann wieder ein beruflicher Misserfolg oder eine Flut von Vorurteilen, mit denen der Entlassene konfrontiert war. "Wem will man da eine gesicherte Schuld geben, wie einen Rückfall auf typische Umstände zurückführen?", fragt der Gefängnisdirektor. – Eine ernsthafte Antwort erwartet er nicht.

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