Blick in die Vergangenheit

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Museumsleiter Heinz Buhre mit dem Zunftbrief der Leinenweber. Er sitzt an einem Handwebstuhl, der um 1600 benutzt wurde. Fotos: Rübsam

Spangenberg. Neue Exponate locken ins Heimatmuseum.

Spangenberg. Tag für Tag werkelt Heinz Buhre im Heimatmuseum in Spangenberg. Der 74-Jährige repariert, streicht, restauriert – eben alles, was anfällt, denn alles soll in Schuss sein, wenn das Museum am kommenden Sonntag, 4. Mai, nach der Winterpause seine Türen wieder öffnet. Heinz Buhre ist der Leiter des Heimatmuseums, das Interessierte bereits seit den 70er Jahren mit auf eine Reise in die Vergangenheit nimmt. Und ebenso lang ist Buhre mit dabei. Doch er ist nur eines von 25 Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum, die sich um die Geschicke des Museums kümmern und die Ausstellung am Laufen halten.

Und gleich zwei neue Exponate locken die Besucher nach Spangenberg. "Wir haben eine barocke Flachdeckeltruhe aus dem Jahr 1674 als Leihgabe erhalten. Eine gute Ergänzung für unsere Truhenausstellung", erklärt Buhre.Der wertvollere Neuzugang ist aber ein original Zunftbrief für die Leinenweber in der Stadt Spangenberg aus dem Jahr 1790. Nur mit Handschuhen darf das wertvolle Stück, das eine Leihgabe der Familie Dahnke, einer alten Weberfamilie aus dem Ort, ist, angefasst werden. "Ich musste ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Aber ein solches Stück gehört nicht in ein Schließfach, es gehört in ein Museum", erinnert sich Buhre.

Das Handwerk der Leinenweber ist eng verbunden mit der Stadt Spangenberg und boomte im 18. Jahrhundert. "Bei uns gab es die größte Leinengroßhandlung Hessens. Von dort wurde ganz Europa und sogar Übersee beliefert", erklärt er. Und genau weil das Leinenweber-Handwerk eine solch große Bedeutung für die Stadt Spangenberg habe, sei der Zunftbrief, der mit einem original Siegel versehen und praktisch unbeschädigt ist, eine solch große Bereicherung für die Ausstellung.

Um das kostbare Stück vor flinken Fingern zu schützen, soll es in einer Vitrine seine neue Behausung finden. Dort können es dann alle, die sich für ihre Vorfahren und deren Lebensweise interessieren, begutachten. Denn genau das ist der Sinn des Museums: "Wir wollen, dass auch die kommenden Generationen sehen, wie man in unserem Raum gelebt hat", so Buhre.

Vor etwa drei Jahren, als Spangenberg unter den Rettungsschirm schlüpfte, wäre es dem Heimatmuseum beinahe an den Kragen gegangen. "Es war eine Einrichtung der Stadt und sollte geschlossen werden. Also gingen wir den Schritt und schlossen uns dem Heimatverein Spangenberg e.V. an. Jetzt lebt das Museum von Spenden", erklärt der Museumsleiter. Bei einer Schließung wären für die Heimatgeschichte viele Dokumente verloren gegangen.

Wer einen Blick in die Vergangenheit werfen möchte, hat dazu von Mai bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr Gelegeheit. Der Eintritt ist frei, das Museumsteam freut sich aber über eine Spende.

+++ EXTRA-INFOS +++

Das Heimatmuseum hat viel zu bieten

Das Heimatmuseum am Burgsitz 2 + 3 in Spangenberg hat einiges zu bieten.  Es befindet sich in zwei Gebäuden des historischen Burgsitzes und präsentiert vielfältige Exponate, darunter Kachelöfen, Webstühle, Fossilien und Möbelstücke. Auch  verschiedene Hand- werke werden dort gezeigt – und natürlich mit Originalexponaten aus längst vergangener Zeit. Vom Schmiede- über das Schuster- bis hin zum Tischlerhandwerk, gibt es für Interessierte auf einer Gesamtfläche von über 360 Quadratmetern viel zu entdecken. Und darüber hinaus natürlich noch viel mehr.

Die historischen Räumlichkeiten mit ihren kleinen Zimmern und schiefen Böden machen die Zeitreise noch authentischer.

Wissenswertes zum Zunftbrief der Leinenweber

Der Zunftbrief der Spangenberger Leinenweber aus dem Jahr 1790 ist eines der neuesten Exponate des Heimatmuseums. Aber was genau ist das eigentlich? Museumsleiter Heinz Buhre erklärt: "Der Zunftbrief ist ein Dokument, das der Landesherr der Stadt, bzw. der Zunft ausgestellt hat. Handwerker waren in Zünften organisiert, um innere Angelegenheiten zu regeln und sich nach außen vertreten zu lassen. Im Grunde waren die Zünfte die Vorläufer der Handwerkskammern".

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