Der Bürgermeister von Dings: Satirefans feiern Martin Sonneborn in Treysa

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Treysa. Er sieht aus wie ein braver Deutschlehrer und er erhebt selten seine Stimme, jedoch wird er von vielen der mächtigsten Politiker des Landes

Treysa. Er sieht aus wie ein braver Deutschlehrer und er erhebt selten seine Stimme, jedoch wird er von vielen der mächtigsten Politiker des Landes gefürchtet – Martin Sonneborn.

Als ehemaliger Chefredakteur der Satirezeitschrift "Titanic" und Bundesvorsitzender der Partei "Die Partei" hat sich der 46-Jährige schon seit langem einen Namen gemacht. In den vergangenen zwei Jahren ist er durch seine regelmäßigen Reportagen für die ZDF-Satiresendung "heute-show" auch einem breiten Fernsehpublikum bekannt geworden.

So war es nicht verwunderlich, dass sein Auftritt in der Gaststätte Specht am Freitag ausverkauft war. Über 70 Zuschauer im Saal waren hingerissen von seinem bitterbösen Spott, wenn er beispielsweise das Konterfei von Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad (iranischer Staatspräsident) mit den Worten "Die DDR hat es nie gegeben" unterlegte.

Bei einem Fernseh­interview mit einem NPD-Politiker hielt Reporter Sonneborn das Mikrofon so geschickt, dass ein oben aufgesetztes ZDF-Schild für den Zuschauer aussah, als hätte der Gesprächspartner ein Hitler-Bärtchen. Diese und viele weitere Ausschnitte, die der Meister der Verspottung in den vergangenen Jahren produziert hatte, trieben den Zuschauern vor Lachen die Tränen in die Augen.

Politiker der besonderen Art

In seiner Rolle als Parteivorsitzender suchte er das Gespräch mit den Menschen vor Ort. "Sie haben sicherlich selten Spitzenpolitiker zu Besuch hier in äh, Dings", spottete er, "deshalb stellen Sie ruhig Fragen", so Sonneborn gönnerisch.

"Wäre es möglich, die Mauer wieder aufzubauen, wenn ich nicht gerade meine Mutter in Thüringen besuche", fragte ein besorgter Zuschauer bezüglich eines der wichtigsten Ziele im Programm der Partei, nämlich die "endgültige Teilung Deutschlands". Das Publikum gröhlte vor Begeisterung.

Sogar auf die aktuelle Lage in Schwalmstadt ging der Improvisationskünstler ein, "ich wurde gefragt, ob ich nicht Bürgermeister hier in Dings werden will", erzählte er stolz. Als er jedoch erfuhr, dass schon im kommenden Jahr gewählt wird, lehnte er dankend ab.

Nach gut zweieinhalb Stunden bester Satire hatten es die Lachmuskeln des begeisterten Publikums überstanden. Nach mehreren Zugaben ließen sich viele Fans noch mit ihrem "Superstar" fotografieren.

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