Diakonie schließt Bad Zwestener Quellen - Käufer gesucht

Bad Zwesten. Die Nachricht  schlägt ein, wie eine Bombe: die Bad Zwestener Quellen befinden sich in der Abwicklung.Der Betreiber des Mineralbrunnens

Bad Zwesten. Die Nachricht  schlägt ein, wie eine Bombe: die Bad Zwestener Quellen befinden sich in der Abwicklung.Der Betreiber des Mineralbrunnens, die Baunataler Diakonie (ehemals Baunataler Werkstätten), schließt den Betrieb noch diesen Sommer.

Diakonie-Vorstandsmitglied Ernst Georg Eberhardt begründet den drastischen Schritt: "Es ist uns nicht gelungen, trotz intensiver Anstrengungen, die Bad Zwestener Quellen dauerhaft wirtschaftlich zu führen." Der Mineralwassermarkt sei zu stark umkämpft, so die Begründung weiter.

Köhler: "Die Baunataler Werkstätten hinterlassen in Bad Zwesten verbrannte Erde"

Dabei war die Tendenz durchaus gut. Dem Geschäftsführer Armin Gutwald wird auch aller Orten ein gutes Zeugnis ausgestellt. Bürgermeister Michael Köhler: "Herr Gutwald hat  konzeptionell und wirtschaftlich gut gearbeitet. Ich zolle ihm großes Lob." Dennoch ist Köhler, auch und gerade in seiner Position als Kurdirektor, enttäuscht: "Ich kann den Beschluss des Aufsichtsrats nicht nachvollziehen, der stur einen Beschluss durchsetzten will, obwohl zwischenzeitlich ein tragfähiges Konzept in greifbarer Nähe ist. Das ist verantwortungslos. Die  Baunataler Werkstätten hinterlassen in Bad Zwesten verbrannte Erde."

In der Zentrale in Baunatal sieht man das anders. Eberhardt: "Wir haben drei Lösungswege zur Rettung der Quellen verfolgt: sie selbst wirtschaftlich zu führen, einen starken Partner mit ins Boot zu holen,  und zuletzt eine Übernahme durch einen Dritten zu erreichen. Wir haben dazu viel unternommen, doch keiner dieser drei Schritte ist gelungen." Die letzte Maßnahme läuft noch, denn die Baunataler suchen immer noch einen Käufer für den Betrieb.

Fördergelder verbrannt?!

Erst vor fünf Jahren übernahmen die Werkstätten den insolventen Betrieb. Mit Hilfe von Fördergeldern des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) wurde in eine neue Abfüllanlage investiert. LWV-Pressesprecherin Elke Bockhorst bestätigt: "Wir haben mit investiven Mitteln geholfen." Die Werkstätten hatten damals ein tragfähiges Konzept mit Berechnungen und Prognosen zur Wirtschaftlichkeit eingereicht, so Bockhorst. Aufgegangen ist das Konzept am Ende anscheinend nicht.Nun wird geprüft, ob die gesetzlichen Bedingungen, die an die Zuweisungen des LWV geknüpft sind, erfüllt waren. Doch die Pressesprecherin geht nicht von einer Rückzahlungspflicht aus: "Es gibt bisher keine Hinweise, dass die Voraussetzungen nicht gegeben waren."

Diakonie: "Alle Mitarbeiter erhalten ein Angebot zur Weiterbeschäftigung"

Das sieht der Bürgermeister anders: "Ich glaube, dass die Mittel nicht sachgerecht verwendet wurden."Ein Rückzahlungsgrund wäre die Freisetzung der schwerbehinderten  Beschäftigten, doch die Baunataler Diakonie bietet den sechs Kräften eine Übernahme in andere Unternehmensteile an. Und nicht nur das. Eberhardt: "Wir bieten allen Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung an.", also auch den 14 Nichtbehinderten.Dennoch ist Köhler erzürnt. "So kann eine Diakonie nicht auftreten. Die Zahlen besserten sich ja gerade. Das ist ein schlechter Zeitpunkt aufzuhören."

Prädikat bleibt gesichert

Die Heilquelle ist eine Voraussetzung für das Heilbad-Prädikat. Doch das "Bad" von Zwesten ist nicht in Gefahr, denn die Heilquelle ist von den Mineralbrunnen der Bad Zwestener Quellen getrennt. Drei Zugangsmöglichkeiten an das nachgewiesen heilsame Wasser bestehen weiter: die Leitungen zu den Klinken und dem Kurhaus und der freie Hahn am Quellentempel. Der Geschäftsführer des Hessischen Fachausschusses für Kur-, Erholungsorte und Heilbrunnen, Horst Wenzel bestätigt: "Selbst wenn die Abfüllung zur Heilquelle gehören würde, hätte das keine Auswirkungen auf das Prädikat ,Bad’."

Neue Pläne in der Pipeline

Derweil sucht die Bad Zwestener Verwaltung nach neuen Lösungen für die Brunnen. "Eventuell könnte sich die Gemeinde beteiligen, indem man die Gebäude kauft und dann zurückvermietet," ist eines der Gedankenspiele des Bürgermeisters.Vor einer  Beteiligung muss ein wasserdichtes Konzept mit einem überschaubaren Risiko stehen, so Kurdirektor  Köhler. Momentan lässt er prüfen, ob es wirtschaftlich sein könnte, die Kellerwald-Quelle zu erweitern, da das natriumarme Wasser dieser Quelle die stärkste Nachfrage erlebt. Michael Köhler hat noch nicht aufgegeben: "Ich werde mit Nachdruck um den Erhalt der Brunnen kämpfen."

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