Dinner mit dem Pastor - Teil 2: Ausgewandert mit 19 Jahren Helmut Faelber kommt auf den geheimen Prüfstand

Christerode. Gerade erst den Sprung über den Ozean gewagt, wird der damals 19-jährige Auswanderer Helmut Faelber auf die erste Probe gestellt. Lange

Christerode. Gerade erst den Sprung über den Ozean gewagt, wird der damals 19-jährige Auswanderer Helmut Faelber auf die erste Probe gestellt. Lange kann er nicht von seinem Ersparten leben. "Dummerweise wurde meine Elektriker-Ausbildung in Kanada nicht anerkannt. Ich hätte die Ausbildung dort erst wiederholen müssen." Der junge Auswanderer entscheidet sich dagegen. Für eine handvoll Dollar darf er in einem Hotel als Tellerwäscher schuften und wohnen."Manchmal habe ich 17 Stunden am Stück nur gespült. Ich bin einfach während dem Schichtwechsel geblieben". Sein Fleiß und Durch­setzungsvermögen zahlen sich aus. Beförderung an den Herd: "Die haben mich gefragt ob ich kochen kann - ich habe Ja gesagt."  Monate später ist Faelber plötzlich so etwas wie Hotelmanager. "Lag wohl an dem guten Draht zu dem japanischen Hotelbesitzer."Immer wenn der sich einen Urlaub gönnt, hat Faelber die Fäden in der Hand und leitet das Hotel. In der Freizeit fährt er in die kanadischen Wälder. Das Bärenfell und ein Elch­geweih erinnern an die Jagderlebnisse. Faelber feiert seinen 23. Geburtstag 6.000 Kilometer von seiner einstigen Heimat Schwarzenborn entfernt.

Um die Welt, fast kostenlos

Die Jahre gehen ins Land. Faelber ist Ende 20, er hat mittlerweile wieder deutschen Boden unter den Füßen. Ein gut bezahlter Posten bei der Lufthansa in Frankfurt sichert sein Einkommen. Um die Welt fliegen darf er deshalb fast kostenlos. "Das war meine Chance", sagt Faelber. Seit Jahren schreibt er sich mit einer jungen Thailänderin Briefe. Faelber setzt sich in ein Flugzeug und wenige Stunden später ist er wieder an einem ganz anderen Punkt auf der Welt. "Ihre Elter waren erst gar nicht damit einverstanden, dass ihre Tochter mit einem blassen Nordeuropäer wie mir anbandelt."

Dinner mit dem Pastor

Als der Heiratswunsch bei dem jungen Paar konkret wird, kommt Faelber auf den geheimen Prüfstand. Eigentlich sollte es ja ein lauschiger Abend zu Zweit werden. "Wir wollten Essengehen." Doch anstatt seiner Liebsten, sitzt Faelber in dem Restaurant plötzlich dem Pastor der Ortschaft gegenüber. Seine Liebste sei terminlich verhindert. Die Rechnung ging an diesem Abend auf den Pastor. Faelber kann sich nur noch schemenhaft erinnern: "Wir haben getrunken und uns über alles unterhalten, worüber sich betrunkene Männer eben unterhalten. So viel ist hängen­geblieben." An die heftigen Kopfschmerzen am nächsten Morgen und das schlechte Gewissen kann er sich aber umso besser erinnern. "Ich dachte, der Zug ist abgefahren. Welcher thailändische Pastor empfiehlt schon einen trinkenden Deutschen, der im Eifer des Gefechts kein Blatt vor den Mund nimmt?" 1971 heiratet er seine Norma – mit Einverständnis der Eltern und besten Empfehlungen des Pastors.

Um die Liste der Faelberschen-Erlebnisse komplett zu machen: Mit 45 Jahren verwirklicht er sich seinen Jugendtraum. Zusammen mit seiner Frau, baut er irgendwo in Südostasien einen Katamaran und segelt eine Weile durch die tropische Inselwelt. Ihr Geld verdienen sie mit Touristen-Ausflügen. Ein Tsunami lässt die beiden zwar am Leben, zerstört aber ihren Katamaran – Abenteuer, Ende! Danach werden sie  sesshaft in Christerode. "Egal wo ich bin. Wenn es mir an einem Punkt auf der Erde gut gefällt, dann möchte ich darüber schreiben. Die Leute, die Umgebung, die Gebäude, alles wird zur Geschichte." Auch wenn sein letztes großes Abenteuer schon eine Weile zurück liegt, kann er das Fernweh schlecht verbergen: "Die Brücke am Kwai, die würde ich gerne mal sehen."

Lesen Sie dazu auch den 1. Teil "Die Welt zu Füßen". (Klick!)

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