„Das ist doch unser Gast!“: Niedensteiner entlarven international gesuchten Betrüger im Hotel Altenburg

Aleksandra Furmaniak und Franziska Bohrs überführten den gesuchten Einmietbetrüger. Er wurde festgenommen, sein Smart steht nach wie vor auf dem privaten Parkplatz in Niedenstein.
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Aleksandra Furmaniak und Franziska Bohrs überführten den gesuchten Einmietbetrüger. Er wurde festgenommen, sein Smart steht nach wie vor auf dem privaten Parkplatz in Niedenstein.

„Als die Mail kam, war ich fassungslos. Die Beschreibung des gesuchten Betrügers passte eins zu eins auf unseren Hotelgast”, schildern Franziska Bohrs und ihre Kollegin Aleksandra Furmaniak den Morgen.

Niedenstein. Als Franziska Bohrs vor zwei Wochen die Mails des Landhotels Altenburg in Niedenstein durchsieht, traut sie ihren Augen nicht. Die Dehoga Hessen warnt per Mail vor einem Betrüger, der zur Zeit sein Unwesen im Schwalm-Eder-Kreis treibe und international gesucht werde. „Als ich die Beschreibung durchlas, war mir sofort klar: Das ist unser Gast! Er war am Freitag angereist und frühstückte gerade im Saal über mir“, beschreibt die Hotelleiterin ihre Entdeckung. Sie ruft ihre Kollegin Aleksandra Furmaniak zu sich, zeigt ihr die Mail und auch dieser ist sofort klar, dass es sich bei dem gesuchten Betrüger um ihren Gast handelt: „Die Beschreibung hat haargenau gepasst.“

Der circa 60-jährige Einmietbetrüger solle sich jeweils eine Woche in Hotels einmieten, verschwände dann jedoch ohne zu bezahlen. Unterwegs sei er mit einem schwarzen Smart mit Kasseler Kennzeichen, so steht es in der Info-Mail der Dehoga. Und seit Freitag (17. Januar) steht ein schwarzer Smart mit Kasseler Kennzeichen auf dem privaten Parkplatz des Hotels Altenburg. Beide Frauen informieren den Besitzer des Hotels und die Polizei. Innerhalb kürzester Zeit rückt eine Streife an, überprüft den Halter des Wagens und erkundigt sich, wo der Herr gerade sei.

Seit zwei Wochen steht der Smart auf dem Privatparkplatz der Altenburg. Die Hoteleigentümer könnten ihn auf eigene Kosten abschleppen lassen.

„Wir sagten den Beamten, dass er gerade bei uns frühstücke. Also gingen wir gemeinsam in den Raum. Die Polizisten sagten zu ihm: ‚Sie wissen, warum wir hier sind?‘ Da antwortete er nur mit ‚Ja‘. Die Beamten machten ihm noch den Vorschlag, dass er unsere Rechnung von 184 Euro bezahlen könne, denn ansonsten würde noch eine weitere Anzeige hinzukommen. Doch er antworte nur: ‚Auf die kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.‘ Diesen Satz werde ich nicht vergessen“, beschreibt Bohrs die Szene im Frühstückssaal, die ihr bis heute unwirklich erscheint. Und auch Aleksandra Furmaniak hätte niemals gedacht, dass sich hinter diesem Mann ein Betrüger verbirgt: „Er war sehr nett und immer höflich. Er erzählte uns, dass seine Frau in Merxhausen im Krankenhaus liegen würde und er deswegen bei uns übernachte.“ Doch scheinbar hat der Mann diese Betrugsmasche schon öfter erfolgreich in der Region abgezogen.

„Angeblich fünf Anzeigen würden gegen ihn vorliegen, unsere wäre die sechste“, so die beiden Niedensteinerinnen, die dabei waren, als der Mann verhaftet wurde. Sein schwarzer Smart steht nach wie vor auf dem privaten Parkplatz vorm Hotel. „Wenn er uns stört, dann können wir ihn auf private Kosten abschleppen lassen, sollen aber vorher der Polizei mitteilen, wo wir ihn hinbringen lassen, so sagte man uns. Dann würden wir aber nicht nur auf den Hotelkosten von knapp 200 Euro sitzen bleiben, sondern es würde noch einmal die Summe für den Abschleppdienst oben darauf kommen. Und ob wir das Geld irgendwann zurückerstattet bekommen, ist fraglich“, erzählt Franziska Bohrs.

„Wenn man Warnungen erhält, denkt man nie daran, dass man selbst einmal betroffen sein könnte.“ Doch so lange der schwarze Smart auf dem Parkplatz steht, werden sich die Mitarbeiter des Landhotels daran erinnern, wie ihr freundlicher Gast aus Zimmer 217 im Frühstückssaal verhaftet wurde.

EXTRA INFO: Das sagt die Polizei

Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizei Schwalm-Eder-Kreis, erklärte auf Nachfrage, dass dem festgenommenen Kasseler insgesamt zwölf Einmietbetrugsfälle zur Last gelegt werden. Seit Oktober mietete er sich mehrere Tage in Hotels im Landkreis Kassel und dem Schwalm-Eder-Kreis ein, darunter auch in Kassel, Fuldatal, Hofgeismar, Liebenau und Wabern. In Niedenstein konnte er schließlich festgenommen werden. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf grob 1.800 Euro. Hinzukommen noch Tankbetrügereien und Diebstähle – hier laufen noch die Ermittlungen.

Im Schwalm-Eder-Kreis kam es 2018 zu neun Fällen von Einmietbetrug, 2019 waren es 15. Alle Fälle wurden aufgeklärt.

In Stadt Kassel waren es 2018 17 Fälle (14 aufgeklärt) und 2019 19, davon wurden 17 aufgeklärt.

Im Landkreis Kassel waren es 2018 20 Fälle (19 aufgeklärt) und 2019 17 (15 aufgeklärt).

Nordhessenweit gab es 2018 insgesamt 99 Einmietbetrugsfälle (93 aufgeklärt), 2019 waren es 81 (75 aufgeklärt).

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