Fritzlar ist jetzt Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee

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Wer hätte das gedacht? Dieser verwunschen wirkende Teich liegt im Fritzlarer Stadtwald – unweit von Rothhelmshausen.

Stadtverordnete haben einstimmig entschieden: Domstadt tritt dem Naturpark Kellerwald-Edersee bei.

Fritzlar. Am Donnerstagabend vergangener Woche machten die Fritzlarer Stadtverordneten Nägel mit Köpfen. Einstimmig votierten sie in der Stadtverordnetenversammlung für den Beitritt Fritzlars zum Naturpark Kellerwald-Edersee.

„Eine tolle Sache“, findet Manfred Ochs, Vorsitzender des Stadtführergilde Fritzlar e.V., „und zwar für beide Seiten. Sowohl der Naturpark wie auch unsere Stadt erfahren eine Aufwertung.“

Manfred Ochs, Vorsitzender der Stadtführergilde Fritzlar e.V..

Ein Beispiel: Fritzlars Wanderwege können jetzt Teil des Kellerwaldsteigs werden. Der Kellerwaldsteig ist eine der überregional bekannten Hauptwanderrouten und trägt das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Ochs: „Wir hoffen natürlich darauf, dass sich jetzt noch mehr Gäste einer geführten Wanderung der Stadtführergilde anschließen und sich den Wind unserer 1.300-jährigen Geschichte um die Nase wehen lassen.“

Anderes Beispiel: „Nehmen wir mal die Hersteller von landwirtschaftlichen Produkten“, so Ochs, „die können jetzt auf die Verpackung ‘Naturparkprodukt’ draufschreiben, was sich sicherlich absatzsteigernd auswirken wird.“ Auf den Weg gebracht hatte den Beitritt Fritzlars zum Naturpark 2015 eine Arbeitsgruppe des Gästeführervereins. Damals war die Domstadt in das LEADER-Fördergebiet aufgenommen worden und die Gruppe hatte „Neue Chancen im Tourismus“ untersucht.

Nicht nur Befürworter

Auch der Hessische Rundfunk hat Fritzlar entdeckt. Hier dreht der hr im Stadtwald. Gestern Abend war die Domstadt in der Sendung „Erlebnis Hessen: Unterwegs auf dem Ederhöhenweg“ zu sehen. Und im Herbst folgt eine weitere Sendung, die sich mit Fritzlar beschäftigt.

Doch nicht überall begrüßt man den Beitritt Fritzlars zum Naturpark. So haben beispielsweise einige Landwirte die Sorge, dass der Beitritt zum Naturpark möglicherweise zusätzliche einschränkende Regelungen im Natur- und Landschaftsschutz oder im Baurecht zur Folge haben könnten. Deshalb wurde auf Veranlassung von Fritzlars Ortslandwirt Konrad Winter in die Beschlussvorlage eine Schutzklausel eingebaut, nach der man – sollten derartige Einschränkungen kommen – wieder austreten kann.

In keinem Fall mit dabei ist aber der Fritzlarer Stadtteil Geismar – bis auf dessen FFH-Schutzgebiete. Dort hatte der Ortsbeirat – offensichtlich auf Druck der Landwirte – schon vor der Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss gefasst, sich nicht an dem Beitritt zu beteiligen. Damit sind auch die beiden Geismarer Sehenswürdigkeiten das „Alte Gehöft“ und der „Sauerbrunnen“ beim Naturpark außen vor.

Hintergrundinfos auf www.naturpark-kellerwald-edersee.de

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(Fast) nur Sieger

Ein Kommentar von Karsten Knödl

Herzlichen Glückwunsch kann man da nur sagen. Dass die Stadt Fritzlar jetzt dem Naturpark Kellerwald-Edersee beigetreten ist, dafür kann man wohl zurecht den vielbemühten Anglizismus „Win-win-Situation“ bemühen – hier gibt’s nur Sieger. Fritzlar, weil die Dom- und Kaiserstadt mit Sicherheit mehr Touristen bekommt. Und der Naturpark, weil er mit der Stadt Fritzlar jetzt mit einer kulturellen Perle werben kann.

Einzig der Stadtteil Geismar ist noch außen vor. Eigentlich unverständlich, zumal Ortslandwirt Konrad Winter mit seiner Schutzklausel auch den Landwirten die Sorgen genommen haben sollte. Naja, vielleicht überlegen es sich die Geismarer ja noch mal. Dann gäbe es noch einen Sieger mehr.

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