Teile des Gudensberger Plukon-Schlachthofs stillgelegt

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Schlachthof Gudensberg im Visier der Ermittler: Teilbetrieb vom Regierungspräsidium stillgelegt – Staatsanwaltschaft ermittelt.

Gudensberg/Kassel. Die Anlage zur Herstellung von Tierfutter im Plukon-Geflügelschlachthof in Gudensberg ist vorübergehend stillgelegt. Dies teilte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Gudensberg mit.

Die Ministerin sprach am Freitag bei einer Veranstaltung in Gudensberg zum Thema "Tierwohl" und teilte außerdem mit, dass das Regierungspräsidium Kassel festgestellt hat, dass der Schlachthof selbst ohne "Anzeige" in einem Probebetrieb gelaufen sei, und zwar "deutlich über der Menge des Genehmigungsbescheides". Es gäbe nun eine Anhörung und es stände für den Schlachthof ebenfalls die Androhung einer Stilllegung im Raum. Der Vorgang ist jetzt auch bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Bürgeriniative Chattengau gegen Massentierhaltung stellt dazu fest bzw. fordert:

– Von Anfang an hat Plukon mit Zahlen jongliert. Immer wieder tauchten durch Konzernvertreter selbst unterschiedliche Angaben in der Öffentlichkeit auf.– Die als "Modernisierung" versprochene Schlachthoferweiterung bzw. Verdoppelung der Kapazität hat nichts gebracht. Gudensberger Bürger klagen weiterhin über Geruchsbelästigung.– Die Firma ist nicht vertrauenswürdig. Man hat sich offensichtlich nicht an die Auflagen gehalten. Wir fordern eine Prüfung, ob die festgestellten Mängel nicht die Rücknahme der Genehmigung rechtfertigen.

Andreas Grede, Sprecher der Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung: "Die Bürgerinitiative hat von Anfang an festgestellt, dass der Schlachthof eine fatale Entwicklung für Nordhessen und den Chattengau bedeutet. Eine spannende Frage ist auch, was nun mit den Massen von täglich anfallenden Schlachtabfällen geschieht, wenn sie nicht zu Tierfutter verarbeitet werden können."

Weitere Infos: www.bi-chattengau.de und auf www.facebook.com/bi.chattengau.de

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EXTRA INFO

Das sagt das RP

Kassel. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Harald Merz, persönlicher Referent von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und stellvertretender Pressesprecher:

Durch unser Haus wurde festgestellt, dass Teile der Anlagen der Firma Plukon in Gudensberg nicht entsprechend der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen betrieben wurden.

Im Bereich des Schlachtbetriebes muss die Firma Plukon die genehmigungsrelevanten Vorgaben einhalten und darüber hinaus bis zum 25. Februar 2016 bestimmte Auflagen erfüllen. Diese Auflagen sowie der Genehmigungsumfang wird streng überprüft.

Für die Anlage zur Herstellung von Futtermitteln aus Schlachtnebenprodukten wurde Mitte letzter Woche nach § 20 BImSchG des Regierungspräsidiums Kassel die sofortige Stilllegung verfügt, da der Betrieb der Anlagen nicht im genehmigten Rahmen erfolgte.

Hier sind ebenfalls Verstöße gegen die laufenden Genehmigungen festgestellt worden. Nachrüstungen – im Sinne der erteilten Genehmigungen – sind vorzunehmen. Bis dahin darf keine Verwertung der Schlachtabfälle zu Futtermitteln stattfinden. Etwaige Schlachtabfälle sind entweder der Tierkörperbeseitigungsanlage zuzuführen oder über sonstige, genehmigte Versorgungswege zu behandeln.

Die Staatsanwaltschaft wurde betreffend der Verstöße unterrichtet und prüft.

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EXTRA INFO

Die Grünen zur Stillegung der Plukon-Schlachtanlage

Eine Presseerklärung der Grünen zur Teilstillegung von Plukon:(...) Die Grünen Schwalm-Eder sehen sich bestätigt in ihren Bedenken gegen die als "Modernisierung" verkaufte Erweiterung des Betriebes. Hermann Häusling, Vorstandssprecher der Grünen im Schwalm-Eder-Kreis: "Der Stil der industriellen Tierhaltung und Verarbeitung ist ausbeuterisch gegenüber den Tieren, Verbrauchern und auch den Landwirten, die von dem System völlig abhängig sind."

Dr. Bettina Hoffmann, Spitzenkandidatin der Grünen Schwalm-Eder, fordert eine "rückhaltlose Aufdeckung der gesamten Hühnerkette von der Aufzucht der Tiere, über Lieferung und Schlachtung bis zum Produkt. Das Misstrauen der Verbraucher gegenüber Produkten aus der Massentierhaltung ist vollauf berechtigt. Der Betrieb soll auch nachweisen, was denn nun mit den anfallenden Schlachtabfällen passiert. Diverse Skandale haben gezeigt, dass in der industriellen Lebensmittel- und Futterproduktion nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht."

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