Ich dreh’ dann mal weiter

Heidi Bernhardt fhrt ein Leben im Takt der ParkscheibeVon ANDREAS BERNHARDMelsungen. Die Willkommens-Broschre der Stadt liegt aufgeschlage

Heidi Bernhardt fhrt ein Leben im Takt der Parkscheibe

Von ANDREAS BERNHARD

Melsungen. Die Willkommens-Broschre der Stadt liegt aufgeschlagen auf dem Tisch. Heidi Bernhardt hat sie bekommen, als sie vor fast einem Jahr nach Melsungen gezogen ist. Gleich auf der ersten Seite wnscht Brgermeister Dieter Runzheimer, man mge sich wohlfhlen in seiner schnen Stadt. Doch die Neubrgerin hat jetzt ganz andere Gedanken: Ich hab schon berlegt wieder wegzuziehen, sagt sie.

Selten ist was frei

Grund ist die Parkplatzsituation rund um die Fritzlarer Strae. Denn trotz ihrer Sonderparkberechtigung fr Innenstadtbewohner findet Heidi Bernhardt nach eigenen Angaben nur selten einen freien Parkplatz auf den ihr amtlich zugewiesenen Flchen. Notgedrungen stelle ich mein Auto woanders ab, sagt die 57-Jhrige, die gerade eine schwere Knieoperation hinter sich hat. Das allerdings kann schnell teuer werden, wie das letzte Knllchen auf dem Tisch beweist.

Immer wieder Knllchen

Die 25 Euro sind fr mich als Arbeitssuchende richtig viel Geld, sagt Heidi Bernhardt. Zumal sie versichert, nie mit Absicht falsch zu parken. Ich wrde sogar auf weiter entfernte Parkpltze ausweichen, versichert sie. Doch da stellt sich gleich das nchste Problem: Denn ihre Ausnahmegenehmigung gilt fr viele Bereiche Melsungens nicht. Eine entsprechende Liste findet sich auf dem Schreiben der Straenverkehrsbehrde. Doch wo die angegebenen Parkflchen beginnen oder enden ist Heidi Bernhardt immer noch ein Rtsel. Es gibt doch regelmig Stadtfhrungen, sagt sie mit etwas Sarkasmus in der Stimme, die mssten auch mal eine fr die Parkpltze anbieten.

Hilferuf abgeschmettert

Auch ihr Hilferuf im Melsunger Brgerbro wurde abgeschmettert. Schauen sie doch ins Internet, habe man ihr dort lapidar gesagt. Nein, wegziehen aus der Innenstadt will sie nicht: Ich bin extra in die Altstadt gezogen, damit ich vieles auch zu Fu erledigen kann, sagt sie. Und so bleibt es fr sie bis auf weiteres bei einem Leben im Rhythmus der Parkscheibe.

Dafr stellt sie sich den Wecker. Der klingelt gerade. Eine Stunde ist vorbei sie muss raus ans Auto. Ich dreh jetzt mal weiter, sagt Heidi Bernhardt zum Abschied und fgt an: Eigentlich darf ich das ja auch nicht.

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