Einmal Hölle und zurück

+

Schwalmstadt. Triathlet Marc Unger bezwingt den 35. Ironman auf Hawaii

Schwalmstadt. Bei diesem Wahnsinn geht es nur ums Durchkommen. Fast vier Kilometer müssen die Athleten Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren – und als würde das nicht reichen, auch noch einen Marathon mit 42,195 Kilometern laufen. Marc Unger, 26 Jahre alt, Sportwissenschaftler aus Schwalmstadt, ist bis nach Hawaii gereist, um durchzukommen – beim härtesten Ausdauersport der Welt, dem 35. Ironman auf Hawaii. Die Hölle in dem Urlaubs­paradies am Pazifischen Ozean hat er bezwungen. Unger belegt einen beachtlichen 36. Platz von insgesamt 2.134 Athleten. Er startete in der Altersgruppe der 25 bis 29-Jährigen.Qualifiziert für den Wettkampf auf Hawaii hat er sich im Juli diesen Jahres beim Ironman in Frankfurt. Dort belegt er in seiner Altersklasse den ersten Platz. Zwölf Wochen Training, mehrere Stunden am Tag, liegen ab da an vor ihm. "Mit dem Erfolg in Frankfurt im Nacken war ich super motiviert – ich wusste, dass ich es schaffen kann", sagt Unger. Unterstützung bekommt er in der Zeit von seinen Sportskollegen vom SC Neukirchen, wo er seit langen Jahren Mitglied ist.

Wenn Warten zur Qual wird

Anfang Oktober hebt sein Flieger Richtung Hawaii ab.Zehn Tage bleiben ihm, um sich vor Ort zu akklimatisieren. Als Rückendeckung hat er seine Freundin Dorothee Weppler und seinen Trainer Gerhard Marx dabei. "Die Aufregung steigt von Tag zu Tag und irgendwann ist der Punkt gekommen, wo du nicht länger warten willst, sondern das ganze endlich hinter dich bringen möchtest", beschreibt der 26-Jährige die letzten Tage vor dem Wettkampf.Am 12. Oktober wird es ernst: Es ist noch dunkel draußen, als um 2.30 Uhr in der Früh der Wecker in Ungers Hotelzimmer klingelt. Zum Frühstück gibt es Energieriegel und isotonische Getränke. Knapp vier Stunden trennen ihn jetzt noch von seinem härtesten Wettkampf. In Ungers Kopf dreht sich alles nur noch um eins: Starten und Durchkommen.

Wie im Raubtierkäfig

Um sechs Uhr früh, eine Stunde vor dem Start, ist auf dem Pier in Kailua Kona eine Stimmung wie im Raubtierkäfig: Die meisten der über 2.000 Starter aus dutzenden Nationen haben in der Nacht vermutlich kaum ein Auge zugetan und tigern nervös auf und ab. Unger weiß, dass er top in Form ist. Kaum eine Wolke zeigt sich über Hawaii, die Temperatur beträgt bei Sonnenaufgang schon beachtliche 26 Grad, und die Luftfeuchtigkeit pegelt um 90 Prozent. Dazu bläst ein Wind, dass sich die Palmen biegen, ein Wind, der das türkisblaue Meer aufwühlt und zu Wellen türmt. 15 Minuten vor dem Start springen die Triathleten in den Ozean. Noch bevor der Startschuss fällt, übertönt ein kollektiver Urschrei der Athleten des Rauschen des Meeres. Es scheint, als wollten sie einem imaginären Feind das Fürchten lehren.Ein Schuss aus der Startpistole und im gleichen Moment scheint das Wasser zu kochen. Lange Stunden wahre Tortur haben jetzt für Unger und seine Mitstreiter begonnen.Nach 58 Minuten und zwei Sekunden hat Unger wieder festen Boden unter den Füßen. Drei Minuten später sitzt er auf dem Fahrrad – 180 Kilometer liegen jetzt vor ihm. Die Hölle von Hawaii beginnt gleich hinter der Stadtgrenze von Kailua Kona auf dem Queen Kaahumanu High­way. Schwarze Lava­felder säumen die Straße bis zum Fuß der 45 Kilometer entfernten Berge. Das schwarze Lavagestein speichert die Wärme perfekt und lässt die Temperaturen nochmals ansteigen. Vier Stunden, 58 Minuten und 22 Sekunden benötigt Unger für die 180 Kilometer."Das Fahhradfahren lief super. Ich hab mich bis auf den 26. Platz vorgefahren", sagt er. Sein erstes Tief erwischt ihn nach etwa zehn Kilometern auf der insgesamt 42 Kilometer langen Laufstrecke. "Da ging es bergauf. Ich habe leicht überhitzt und Seitenstiche haben mich zu einer Gehpause gezwungen. Da beginnt man schon zu zweifeln. Wenn du dann aber im nächsten Moment einen Profi siehst, der ebenfalls geht, dann motiviert das und du bekommst plötzlich neue Kraft", sagt Unger. Während manche der Teilnehmer noch auf dem Fahrrad sitzen oder schon aufgegeben haben, ist Ungers Triumph über den inneren Schweine­hund greifbar nah.Zwei Kilometer trennen ihn jetzt noch vom Zielband. "Du läufst über die Kuppe und vor dir taucht wieder die Stadt auf. Von da an geht es bergab und du weißt: Ich habe es geschafft", beschreibt Unger die letzten Minuten des Wettkampfes. Am Ende steht unter dem Strich eine Gesamtzeit von acht Stunden, 54 Minuten und elf Sekunden.Unger: "Der ganze Körper tut weh, aber du bist einfach überglücklich. Sich selbst an seine Grenzen bringen ist mein Antrieb. Aufgeben  ist keine Option."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

B. Braun-Bilanz für 2018: Zufriedenheit trotz Währungsschwankungen

B. Braun steigerte im Jahr 2018 den Umsatz und investiert über 1,2 Milliarden Euro in Forschung, Entwicklung und weltweite Standorte. Zufriedenstellendes Ergebnis wird …
B. Braun-Bilanz für 2018: Zufriedenheit trotz Währungsschwankungen

Mögliche Auswirkungen des Brexits sind auch bei Unternehmen der Region spürbar

Noch sind sich die EU und Großbritannien nicht darüber einig, wie der Brexit vollzogen werden soll. Wir haben bei Unternehmen aus der Region nachgehakt, wie sie sich …
Mögliche Auswirkungen des Brexits sind auch bei Unternehmen der Region spürbar

Im Fritzlarer Weinhüterweg: Auto zerkratzt – 4.000 Euro Schaden

In Fritzlar wurde ein Auto im Weinhüterweg zerkratzt. Die unbekannten ritzten den Schriftzug "ARSCHL" in den Lack und verursachten 4.000 Euro Schaden. 
Im Fritzlarer Weinhüterweg: Auto zerkratzt – 4.000 Euro Schaden

Bildergalerie zur B. Braun Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2018

Gute Stimmung herrschte bei dem Vorstandsvorsitzendem Prof. Heinz-Walter Große und seiner Nachfolgerin Anna Maria Braun zur Bilanzpressekonferenz von B. Braun.
Bildergalerie zur B. Braun Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2018

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.