Die Freude ist verhalten: Gastronomen in der Region dürfen wieder öffnen

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Anstehen wie vor einer Achterbahn: Roland Schimek, Inhaber des Neukirchener „Wirtshaus zum hungrigen Wolf“ hat sich dazu entschlossen, seinen Außenbereich vor Theke und Küche in eine SB-Station umzubauen, um so unnötigen Kontakt zu vermeiden. Für die Umbaumaßnahmen hat der Wirt selbst zu Hammer und Säge gegriffen.

Die Gastroszene atmet auf. Seit Freitag dürfen sie wieder öffnen und Gäste im Restaurant begrüßen - doch es gibt auch hier Corona-Einschränkungen.

Kassel/Neukirchen. In der Schlange der Lockerungen der Corona-Maßnahmen standen sie ganz hinten an: Die Gastronomen im ganzen Land mussten einen langen Atem beweisen – einigen ist er während der gut zwei Monate im Lockdown-Modus leider ausgegangen. Viele, die bis dato „überlebt“, sich mit Lieferservice oder To-go-Lösungen über Wasser gehalten haben, dürften in der vergangenen Woche wieder einen Hauch der Erleichterung gespürt haben, als es hieß: Cafés, Kneipen und Restaurants dürfen wieder öffnen!

Dennoch geht der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA davon aus, dass einige Gastronomen nicht öffnen werden. Grund sind die hohen Auflagen, die erfüllt werden müssen.

Neukirchen: SB-Bereich im Biergarten

„Das ist für viele Gastronomen wirtschaftlich nicht tragbar“, erklärt Roland Schimek. Er betreibt in Neukirchen das „Wirtshaus zum hungrigen Wolf“, ein Familienbetrieb, der seit über 20 Jahren im kleinen Knüllstädtchen ansässig ist.

Der Neukirchener Gastronom ist froh über die Lockerungen und wird auch öffnen – allerdings mit Einschränkungen. „Wir öffnen nur den Biergarten, der Innenbereich wird geschlossen bleiben. Mit den aktuellen Auflagen macht das keinen Sinn, deshalb konzentrieren wir uns auf das Geschäft im Freien“, sagt Schimek, der über einen großen Außenbereich verfügt und trotz Abstandsregelungen Platz für gut 100 Gäste hat.

„Wir können diese Entscheidung treffen, weil wir ein Familienbetrieb sind und keine Pacht zahlen müssen. Aber es gibt auch noch Kollegen in der Branche, die jeden einzelnen Platz im Laden brauchen, um alle laufenden Kosten decken zu können. Denen hilft die Lockerung nicht wirklich“, macht der Gastronom deutlich. Auch er habe unter anderem die Soforthilfe des Landes in Anspruch nehmen müssen. „Das hat bei uns vieles aufgefangen“, so Schimek.

Kreative Lösungen zur Umsetzung der Abstands- und Hygieneregelungen sind jedenfalls auch zum Re-Start in der Gastronomie gefragt. Der Wirt des „Hungrigen Wolf“ hat dafür seinen Außenbereich rund um Theke und Küche zur SB-Station umgebaut – in Eigenleistung. So hat Schimek selbst zu Hammer und Säge gegriffen und ein Leitsystem, wie man es von Wartebereichen vor Achterbahnen kennt, im urigen Look aus Holzstämmen und Tauen gebaut. Der Thekenbereich und die Ausgabe an der Außenküche sind zudem mit Glasscheiben versehen. „Wir haben uns für die SB-Lösung entschieden, um die Gäste und auch uns möglichst gut zu schützen. So ist es nicht notwendig das Bedienungen mit Masken an die Tische kommen müssen und auch die Gäste müssen keine Maske tragen“, erklärt Schimek. Zudem gibt es einen festen Ein- und Ausgang.

„Am Eingang sowie vor den Toiletten werden Desinfektionsmittelspender aufgebaut sein“, sagt der Gastronom. Auch die Karte hat er angepasst. „Alle Speisen werden in der Außenküche zubereitet, deshalb ist die Karte natürlich etwas kleiner. Dafür bieten wir jetzt unter anderem jeden Abend Pizza aus dem Holzofen und Cocktails an“, so Schimek.

Vom Normalbetrieb sei man dennoch weit entfernt. So hofft Schimek für sich und seine Mitstreiter, dass auch die letzten Beschränkungen möglichst schnell aufgehoben werden.

Auch die Kleine Konoba in Kassel kann seit dem heutigen Freitag wieder öffnen. „Wir haben uns zum Schutz unserer Gäste natürlich an die aktuelle Situation und die damit einhergehenden Maßnahmen angepasst und erfüllen alle Hygieneregeln des Landes Hessen für Gaststätten. So wird unser Personal eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und wir werden den räumlichen Vorgaben entsprechen. Das bedeutet, dass neben den 1,5 Metern Sicherheitsabstand auch nur eine deutlich reduzierte Anzahl an Gästen in unserem Gastraum und auf der Terrasse Platz finden wird. Damit wir möglichst vielen Gästen einen Besuch bei uns ermöglichen, bitten wir unbedingt um vorherige Reservierung“, erklären die Inhaber Carina Senger, Anja Bencun-Krajsic und Julia Pfannkuch.

Kassel: Freude überwiegt, aber deutlich weniger Platz

„Dank unseres tollen Teams und der Unterstützung seitens der Bundes- und Landesregierung und deren Soforthilfen, sowie der Initiative unserer Stadt Kassel – ‘Kopf hoch Kassel‘, haben wir die lange Durststrecke heil überstanden und blicken optimistisch in die Zukunft. Die Corona-Schutzmaßnahmen werden zwar auch künftig erhebliche Mehrkosten verursachen, jedoch überwiegt für uns aktuell die Freude, endlich wieder unsere Gäste persönlich empfangen zu dürfen“, so das Team der Kleinen Konoba.

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