Bei den Friseuren brennt‘s: Fehlende Hilfen und Schwarzarbeit im Lockdown

Hofft, bald wieder Kunden in seinem Friseursalon begrüßen zu dürfen: Obermeister Carsten Ciemer.
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Hofft, bald wieder Kunden in seinem Friseursalon begrüßen zu dürfen: Obermeister Carsten Ciemer.

Seit Mitte Dezember sind die hessischen Friseure im Lockdown. Vielen steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals: fehlende Finanzhilfen, drohende Insolvenzen und Schwarzarbeit. Mit einer Lichtaktion setzten viele Betriebe nun ein Zeichen.

Schwalm-Eder. Seit gut eineinhalb Monaten bleibt auch bei „CC-Cut Der Haarschneider“ in Loshausen das Licht aus. Mit dem Beginn des zweiten Lockdown vor Weihnachten musste auch Carsten Ciemer die Türen seines Friseursalons schließen. Doch am vergangenen Freitag schaltete Ciemer die Lichter wieder an, um seinen Kunden zu zeigen „Wir sind noch da“. Für den Obermeister der Friseurinnung Schwalm-Eder war es von vorneherein klar, dass er bei der Aktion „Lasst Euer Licht an!“ siehe EXTRA INFO) beteiligen wird.

Obwohl derzeit keine Kunden da sind, brannte auch bei CC-Cut Der Haarschneider in Loshausen vergangene Woche 24 Stunden lang das Licht. Inhaber Carsten Ciemer war einer von vielen Friseuren die mit der Lichtaktion „Lasst euer Licht an!“

„Wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir noch da sind“, so Ciemer, „die Frage ist aber wie lange noch“. Der zweite Lockdown habe den Friseuren mächtig zugesetzt, weiß der Obermeister aus Gesprächen mit Kollegen.

Von staatlichen Hilfen sei bei den Friseurbetrieben bislang im Lockdown noch nichts angekommen. „Da wir in den ersten Dezemberwochen noch geöffnet hatten und damit Umsatz hatten, sind wir durch das Raster der Überbrückungshilfe 2 gefallen“, berichtet Ciemer. Und die geplanten Überbrückungshilfen 3 hingegen können von den vom Lockdown betroffenen Betrieben bislang noch nicht beantragt werden, schildert er die prekäre Situation, in der er und seine Kollegen derzeit stecken. Finanzielle Unterstützung lässt somit auf sich warten.

Für einige Betriebe könnte sie zu spät kommen, befürchtet der Obermeister der Friseure, der auch im Landesinnungsverband aktiv ist:. „Wir rechen damit das hessenweit 10 bis 15 Prozent der Friseurbetriebe Corona nicht überleben.“

Die fehlenden finanziellen Hilfen seien aber nicht das einzige Problem im Lockdown. Als große Gefahr für die Friseure sieht Ciemer auch die steigende Verlockung zur Schwarzarbeit.

Bis zu 150 Euro würden Kunden für einen Haarschnitt bieten, weiß der Obermeister aus Kollegenkreisen. Ihm selbst seien auch bereits einige „unmoralische“ Angebote unterbreitet worden, die er selbstverständlich abgelehnt habe.

Leider gebe es aber auch Kollegen, die sich darauf einlassen, bei Kaffee oder Bier in der heimischen Küche der Kunden Kamm und Schere anzulegen - oft sogar ohne Maske. Ciemers Kritik: Sie gefährden damit nicht nur ihre Arbeitsplätze sondern auch ihre Gesundheit und die der Kunden.

Ciemer hofft, dass er und seine Kollegen bald wieder legal zu Kamm und Schere greifen können und unter Einhaltung der besonderen Hygienestandards, die im Zuge der Wiedereröffnung im Mai geschaffen wurden, wieder Kunden in ihren Salons begrüßen dürfen. Auch wenn es dann auch mal heißt: Verunglückte Selbstversuche retten.

EXTRA-INFO

In den geschlossenen Friseursalons in Hessen brannte von Freitag, 22. Januar, 8 Uhr bis Samstagfrüh 24 Stunden lang das Licht, um den Kunden zu zeigen, dass ihre Friseursalons noch da sind. Ins Leben gerufen wurde die Aktion „Lasst euer Licht an!“ vom Landesinnungsverband der bayrischen Friseure, um Aufmerksamkeit für die Friseurbranche zu erregen und für passgenaue Hilfsprogramme während des Lockdowns zu plädieren. Der Landesinnungsverband Friseurhandwerk Hessen hat sich der Aktion angeschlossen und die Friseure in Hessen zum mitmachen aufgerufen.

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