Fritzlar-Züschen: Anwohner ärgern sich über Umleitung

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Die Anwohner des Brückengartens im Fritzlarer Ortsteil Züschen sind genervt. Ihre Straße wird wegen der Baumaßnahme im Ortskern als Umleitungsstrecke benutzt – bis zu 300 Autos in einer Stunde haben sie an manchen Tagen gezählt. Dabei gäbe es in unmittelbarer Nähe des Brückengartens eine Umleitungsstrecke, die eine viel besser Alternative wäre.
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Aufgrund der Enge des Brückengartens und weil es dort keinen Gehweg gibt ist die aktuelle Situation für Fußgänger mitunter extrem gefährlich.
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Familie Heinrich mit ihren vier schulpflichtigen Kindern (Jamie, Amelie, Marvin und Louis) bittet die Autofahrer, auf Kinder Rücksicht zu nehmen. Das erste Schild, das Papa Uwe Heinrich gebaut und aufgestellt hat, ließ die Stadt Fritzlar demontieren – es liegt jetzt auf dem städtischen Bauhof.
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Diesen Bordstein hat ein Lkw kaputt gefahren.
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Die bessere Alternative. Dieser ehemalige Feldweg wurde von der Stadt Fritzlar extra geteert. Hier sollen aber nur Lkw, Schulbusse und Schlepper langfahren.
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Peter Martin und Daniel Costa an dem Schild, das Lkw auf den geteerten Feldweg führen soll.
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Eigentlich ist Züschen großräumig abgesperrt.

Fast alle zehn Sekunden drängelt sich ein Auto durch die kleine Straße "Brückengarten" - "Das ist gefährlich - vor allem auch für Fußgänger", sagen die Anwohner. Und: "Es gäbe eine gute Alternative"

Fritzlar-Züschen. Noch vor kurzem war der Brückengarten im Fritzlarer Ortsteil Züschen eine kleine beschauliche Straße, in der nur selten mal ein Auto fuhr. Das war in aller Regel auch ein Anwohner, weil die Zufahrt nur für Anlieger gestattet war. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit Mai haben die Anwohner keine Ruhe mehr, durch die schmale Straße fahren die Autos nahezu im Zehn-Sekunden-Takt. Der Grund: In Züschen wird jetzt anderthalb Jahre gebaut, die Ortsdurchfahrt wird erneuert, und ortskundige Autofahrer nehmen den Brückengarten als Umleitungsstrecke.

„Es ist unerträglich“, sagt Peter Martin als Sprecher einer Anwohner-Initiative, die gegen die aktuelle Situation protestiert. Und Martin schildert Situationen, die sich minütlich im Brückengarten abspielen: „Zwei Autos, die sich begegnen, können kaum aneinander vorbei fahren, ohne dass einer der Fahrer in eine private Hof- oder Garageneinfahrt ausweicht. Denn die Straße ist gerade mal drei Meter breit, und einen befahrbaren Randstreifen gibt es nicht.“ Michael Sauerbeck, der mit seiner Familie ebenfalls im Brückengarten wohnt ergänzt: „Und wenn dann noch Fußgänger unterwegs sind, wird es für die lebensgefährlich. Der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestabstand von einem Meter zwischen Auto und Fußgänger ist unmöglich einzuhalten. Muss denn erst ein Unglück passieren, bevor die Behörden reagieren?“

Was die Anwohner besonders erzürnt: Die Stadt Fritzlar hat die Straße als Umleitungsstrecke für Pkw erst hergerichtet – dafür wurden sogar Blumeninseln entfernt. „Früher war der Brückengarten ‘Durchfahrt verboten, Anlieger frei‘. Diese Schilder hat die Stadt Fritzlar entfernen lassen und durch Schilder ‘Durchfahrt verboten für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen‘ ersetzen lassen“, erzählt Martin, „viele Lkw-Fahrer oder Landwirte mit ihren schweren Maschinen halten sich da aber nicht dran.“ Und er präsentiert zahlreiche Fotos von schweren Lkw-Zügen, die er von seinem Küchen-Fenster aus gemacht hat. Dabei wäre eine Lösung total einfach, denn es gibt eine Umleitung, die die Fahrt durch den Brückengarten überflüssig machen würde. Nur knapp 100 Meter oberhalb des Brückengartens verläuft ein Feldweg, den die Stadt Fritzlar inzwischen hat teeren lassen. Diesen Feldweg soll aber nach dem Willen der Stadt nur der Schwerverkehr (Lkw, Busse, Landmaschinen nehmen) – so zumindest ist es ausgeschildert.

„Warum nur der Schwerverkehr, das entzieht sich unserer Kenntnis“, sagt Daniel Costa, der Nachbar von Peter Martin. „Denn der neu geteerte Feldweg ist mit einer Breite von 3,60 Metern – wenn man die befahrbare Bankette mit dazu nimmt – annähernd genauso breit wie der Brückengarten.“

Die Anwohner sind inzwischen sogar der Ansicht, dass die Stadt Fritzlar sie absichtlich schikaniere. Beispiel: Familie Heinrich hat vier Kinder, die täglich durch den Brückengarten laufen, um zur Schule zu kommen. Papa Uwe Heinrich hatte angesichts der aktuellen Situation vor seinem Grundstück mit einem selbstgebauten „Achtung Kinder – hier 30 km/h“-Schild nochmal an die Autofahrer appelliert, rücksichtsvoll zu fahren. „Das Schild wurde abmontiert und liegt jetzt auf dem städtischen Bauhof“, erzählt er. Er hat jetzt ein zweiten Schild gebaut und hofft darauf, dass das jetzt stehen bleibt.

Nahezu unverschämt mutet die Geschichte an, die Peter Martin noch zu erzählen hat. „Ich habe in meiner Garage im Brückengarten ein Wohnmobil stehen, das 4,5 Tonnen wiegt. Früher, als noch die ‘Durchfahrt verboten, Anlieger frei‘-Schilder standen, war die Anfahrt für mich kein Problem. Jetzt, wo wir die ‘Durchfahrt verboten für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen‘-Schilder haben, darf ich eigentlich nicht mehr rein und raus fahren. Als ich das auf dem Ordnungsamt kritisierte, bekam ich von einem dortigen Mitarbeiter die Antwort, dass, wenn er mich beim rein- oder rausfahren sähe, er mich anzeigen würde.“

Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat äußert sich wie folgt zu den Vorwürfen: „Den innerörtlichen Verkehr bis 3,5 Tonnen durch die Straße ‘Brückengarten‘ zu leiten geschah in Absprache mit den Verkehrsbehörden. Kontrollieren können wir die Einhaltung allerdings nicht, weil wir nicht die Kapazität und die Ausrüstung haben, um den fließenden Verkehr zu kontrollieren. Wir haben bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder um Amtshilfe gebeten, aber auch dort könne man das nicht leisten, hieß es.“ Und warum wird der Pkw-Verkehr nicht auch über den frisch geteerten Feldweg geleitet sondern soll durch den Brückengarten fahren? „Diese Entscheidung obliegt Hessen Mobil“, sagt Spogat, „nach meinem Kenntnisstand deswegen, weil der Weg dem Verkehr nicht öffentlich gewidmet ist.“

Dem widerspricht Dr. Hellwig Damm von Hessen Mobil: „Falsch. Wenn man seitens der Stadt Fritzlar wünscht, dass der Brückengarten wieder ‘Durchfahrt verboten, Anlieger frei‘ wird und dass auch der Pkw-Verkehr über den neu geteerten Feldweg führt, dann hätten wir nichts dagegen. Das ist eine Entscheidung der Stadt.“

Womit der Schwarze Peter wieder bei der Stadt Fritzlar liegt.

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