Seit sechs Jahrzehnten der Treffpunkt im Ort: Gasthaus Richhardt in Obergrenzebach feiert 60-Jähriges

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Elfriede und Claus Schmidt stehen seit knapp 50 Jahren im Gasthaus Richhardt hinter der Theke und können auf viele Erinnerungen zurückblicken.

Es gehört zu Obergrenzebach einfach dazu und das seit nunmehr sechs Jahrzehnten. In diesem Jahr feiert das Gasthaus Richardt sein 60 jähriges Bestehen. Geplant war eine große Party am vergangenem Samstag - doch die Corona-Pandemie machte dem Jubiläumskonzert einen Strich durch die Rechnung.

Frielendorf-Obergrenzebach. Ob schwindende Gästezahlen oder Nachwuchsprobleme ­– Dorfgasthäuser führen heutzutage kein leichtes Dasein. Für viele von ihnen kommt früher oder später das Ende. Eine der Dorfgaststätten, die seit nunmehr sechs Jahrzehnten als Treffpunkt im Ort nicht mehr wegzudenken ist, ist das Gasthaus Richhardt. Im April feiert die Dorfgaststätte an der Ropperhäuser Straße in Obergrenzebach ihr 60-jähriges Bestehen.  Blicken wir einmal zurück: 1959 gab es in Obergrenzebach drei Gasthäuser, aber keine speziell für die Jugend des Dorfes. Diese Marktlücke hat Johannes Richhardt wahrgenommen, seine Landwirtschaft aufgegeben und aus Stall und Scheune in Eigenleistung und mit Hilfe von freunden innerhalb eines Jahres eine speziell für die Jugend geeignete Gaststätte geschaffen.1972 stiegen Tochter Elfriede und ihr Ehemann Claus in den Familienbetrieb mit ein und bewirtschaften seitdem das Gasthaus. Der SCHWÄLMER BOTE sprach mit dem Wirtsehepaar Elfriede und Claus Schmidt darüber, was sich über die Jahre verändert hat und darüber, was das Gasthaus Richhardt so besonders macht.

Im April feiern Sie mit Ihrem Gasthaus bereits 60-jähriges Bestehen. Wie hat sich das Gasthaus über die Jahre verändert? Wie haben Sie sich als Wirte verändert?

Claus Schmidt: Die Gaststätte hat mein Schwiegervater Johannes Richhardt damals gebaut. Daher auch der Name Gasthaus Richhardt. Meine Frau und ich sind dann später, 1972 miteingestiegen und haben die Gaststätte zusammen mit den Schwiegereltern weitergeführt und tun es bis heute. In der Zeit hat sich vieles verändert. Wir haben damals eine Kneipe für die Jugend gestaltet mit einer Music-Box, Tisch-Fußball, Flipper und natürlich auch einer Tanzfläche. Wir haben eine lange Theke gebaut mit Barhockern. So etwas war damals hier im Dorf neu. Das hat sich in den Nachbardörfern herumgesprochen. In den 70er Jahren kamen viele Jugendliche aus der Region hier nach Obergrenzebach in die Gaststätte.

Elfriede Schmidt: 1970 haben wir dann den Nebenraum, in dem bislang der Tante-Emma-Laden meiner Eltern war, noch dazu genommen. Die Küche wurde ausgebaut und es gab dann auch Essen. Heute ist das Gasthaus wieder hauptsächlich eine Getränke- und Musikkneipe.

Claus Schmidt: Nicht zu vergessen ist unsere „Thekenelf“, die bereits seit 48 Jahren besteht, sowie die beiden Dart-Mannschaften, die an unseren Dartautomaten auch Liga-Spiele austragen.

Seit 60 Jahren eine feste Einrichtung in Obergrenzebach: Das Gasthaus Richhardt in der 1960er Jahren.

Bei aller Veränderung – was sind Ihre festen Konstanten? 

Claus Schmidt: Dass die Jugend seit 60 Jahren zu uns in die Gaststätte kommt.

Sie selbst betreiben das Gasthaus nun seit knapp 50 Jahren. Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Zeit hinter der Theke?

Elfriede Schmidt: Ich bin in der Gaststätte groß geworden. Ich war neun Jahre alt als mein Vater die Gaststätte eröffnete. Es gibt so viele schöne Erinnerungen: Man könnte ein Buch drüber schreiben.

Claus Schmidt:  Da gibt’s viele. Wie die Weinfeste, die es vorher hier nicht gab. Da wurde der Weinkönig von Obergrenzebach gewählt (lacht). Das war schön.

In der Gastronomie hat man es heutzutage wohl nicht mehr so leicht. Was macht das Gasthaus Richhardt aus, was macht Sie besonders?

Elfriede Schmidt: Das ist das Musikangebot. Wir arrangieren uns mit der Musik die wir zeigen. Die Leute können sich ihre Musik wünschen. Wir haben alles im Angebot von Blasmusik bis Rockmusik. Über einen Laptop wird die Musik auf dem Fernseher oben gesteuert. Das kommt bei vielen gut an.

Claus Schmidt: Wir machen halt ein Wunschkonzert! Außerdem haben wir Sky. Das zieht die Leute an. Man muss sich immer was einfallen lassen, damit die Wirtschaft überhaupt noch bestehen kann. Denn das Gaststättensterben ist nun mal da.

Stichwort Gaststättensterben: Insbesondere Gasthäuser und Kneipen auf dem Land beklagen sich über schwindende Gästezahlen und Nachwuchsprobleme. Was tun Sie dafür, dass das Gasthaus Richhardt auch sein 75. Jubiläum feiern kann?

Elfriede Schmidt:  Nachwuchsprobleme haben wir auch. (lacht) Was zum 75-Jährigen ist, ist fraglich.

Claus Schmidt: Da bin ich 88. (lacht) Man hat ja die Hoffnung, dass sich jemand findet, der die Gaststätte weiterführt. Aber jetzt haben wir noch nicht die Absicht aufzuhören! Solange wir es gesundheitlich noch können, machen wir weiter.

Elfriede Schmidt: Macht uns schließlich auch Spaß!

Extra-Info: Jubiläumskonzert fällt wegen Coronavirus aus

Um das Gaststätten-Jubiläum gebührend zu feiern haben Elfriede und Claus Schmidt für Samstag, 4. April, ein Jubiläumskonzert geplant. Ab 20.30 Uhr sollte die Kasseler Band „Rockhead“ mit Hits aus 40 Jahren Rockgeschichte – von AC/DC bis ZZ-Top – für Stimmung im „Lets Dance“ gegenüber dem Gasthaus sorgen. Anschließend sollte die Band „Bryan 69“ auf der Bühne stehen. „Es ist die beste Bryan Adams-Coverband in Deutschland. Sie spielen alle Bryan Adams-Hits originalgetreu“, hatte sich Wirt Claus Schmidt noch vor knapp einem Monat auf das Konzerthighlight für die Gäste in Obergrenzebach gefreut. Doch Corona zog dem Wirtspaar und vielen Konzertbesuchern nun ein Strich durch die Rechnung. „Wir müssten das Konzert absagen“, so Schmidt. "Die Jubiläumsfeier wird zu einem späteren Zeitpunkt im kleinen Rahmen nachgeholt.“

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