Geschichte in Gesichtern lesen: Homberger Fotograf in Afghanistan

Von VICTOR DEUTSCHHomberg/Hamburg. Der Sand rieselte noch Tage nach seiner Rückkehr aus allen Nähten. Längst ist er aus der Hamburger Wohnung des

Von VICTOR DEUTSCH

Homberg/Hamburg. Der Sand rieselte noch Tage nach seiner Rückkehr aus allen Nähten. Längst ist er aus der Hamburger Wohnung des aus Nordhessen stammenden Fotografen Jens Umbach gefegt.

Doch die Bilder aus den August- Tagen in der Wüste Afghanistans lassen sich nicht einfach wegwischen. Sie bleiben im Kopf. Das hat Umbach mit den vom ihm fotografierten Soldaten gemein.

Und genau das möchte der renommierte Poträt-Fotograf auch mit seinem Afghanistan-Projekt aufzeigen.

"Das Ziel des Projekts ist es, ein Zeitdokument zu schaffen, das auch in 15 oder 25 Jahren noch Bestand haben kann, wenn der Letzte das Licht ausgemacht und die Tür zugemacht hat und der Konflikt abgeschlossen und Teil der Geschichte ist. Dann kann man hingehen und sagen: 'So war das auch und nicht nur, wie man es aus den Nachrichten kennt'", erklärt Umbach in der 3sat-Reportage "Einmal Afghanistan und zurück".

Dafür reiste er mit 600 Kilogramm Gepäck nach Mazar-e-Sharif, dem Stützpunkt des Tornado-Geschwaders. Im dortigen Hangar baute er sein Fotostudio auf. Eine weiße Wand inmitten gelb-grauer Einöde,  ein neutraler Hintergrund für die in tarnfarben getauchten Männer. "Es geht um die Gesichter der Menschen. um das was sich in ihnen abspielt, wassich verändert und was bleibt", sagt Umbach.

Sein "Einsatz" in Afghanistan war nur ein Teil des Projekts. Vorbereiten, hinfahren, heimkommen – genau wie seine Protagonisten hat sich auch Umbach dem Rythmus unterworfen. Sie getroffen, als sie noch bei ihren Familien, Freunden und in deutschen Kasernen waren.  Und  auch ihre Heimkehr aus dem Kriegsgebiet dokumentiert.

"In den Porträts fließt mit ein, was der Preis des Einsatzes ist", erklärt Umbach.  Und das kann jeder in den Gesichtern lesen.  Es geht dabei nicht um Helden, um Gewinner oder um Verlierer, nicht um Tote oder Explosionen. Jens Umbach findet dabei einen eigenen Reiz: "Der Sache keine Richtung, keinen ,Spin’ zu geben – das macht das Projekt aus."

Seine sensiblen Soldaten-Poträts haben das Zeug dazu, tatsächlich ein wie er sagt "ungesehenes und nachhaltiges Dokument dieses Krieges darzustellen."

Jens Umbach

Jens Umbach wurde am 14. Februar 1973 in Homberg (Schwalm-Eder-Kreis) geboren. Nach dem Abitur an der Theodor-Heuss-Schule in Homburg studierte Jens Umbach Fotografie in Darmstadt.

Noch im Studium – das er später erfolgreich abschloss – zog es ihn 1997 nach New York, wo er erfolgreich für verschiedene Magazine (London Telegraph, Galore, Vogue, Observer, brand eins) arbeitete. Im Rahmen seiner Tätigkeit poträtierte er unter anderem Berühmtheiten wie Alicia Keys, Michale Stipe, Moby, Mary J. Blige oder Samuel L. Jackson. Darüberhinaus zieren seine Fotos die  Jahresberichte von IBM und Procter &Gamble sowie Anzeigenmotive von Mercedes Benz.

Zur Zeit pendelt Jens Umbach zwischen New York und Hamburg, wo er seit 2008 mit seiner Frau Sonja und den Zwillingstöchtern  eine Wohnung hat. Zuletzt wurde die von ihm geshootete Kampgane "Stop talking - start planting" (u.a. Prinz Albert von Monaco, Giselle Bündchen) mit dem goldenen "Social Effie" des Gesamtverbands der Kommunikationsagenturenausgezeichnet.

www.jensumbach.com

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