Den Tod gewollt?

Von PHILIPP LINGKassel. Wegen des Verdachts auf versuchten Mord muss sich Kevin S. jetzt vor Gericht verantworten. Am Mittwoch, 17. Dezemb

Von PHILIPP LING

Kassel. Wegen des Verdachts auf versuchten Mord muss sich Kevin S. jetzt vor Gericht verantworten. Am Mittwoch, 17. Dezember, beginnt vor der groen Strafkammer des Landgerichts Kassel der Prozess gegen den brutalen Schlger. Im Juli hatte der bekennende Neonazi zusammen mit weiteren Mitgliedern der rechtsextremen Gruppierung Freie Krfte Schwalm-Eder ein Zeltlager linksorientierter Jugendlicher am Neuenhainer See berfallen und mit einer leeren Bierflasche und einem Klappspaten auf zwei schlafende Jugendliche eingeschlagen. Ein 13-jhriges Mdchen trug dabei schwere Kopfverletzungen davon, ihr 23-jhriger Stiefbruder erlitt leichte Verletzungen. Die beiden Geschdigten treten in der Verhandlung als Nebenklger auf.

Sturm der Emprung

Vorausgegangen war dem Gerichtstermin in Kassel allerdings ein hchst merkwrdiges juristisches Hin und Her. Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte zunchst Anklage nur wegen gefhrlicher Krperverletzung und Sachbeschdigung erhoben und damit einen Sturm der Emprung ausgelst. Erst auf Antrag der Nebenklger wurde das Verfahren dem Landgericht Kassel bertragen gegen die beharrliche Weigerung der Staatsanwaltschaft.

Thomas Kmmer, Rechtsbeistand der beiden Opfer, kann sich darber nur wundern. Die Begrndung der Staatsanwaltschaft, die Verletzungen seien laut Aussage des behandelnden Arztes nicht lebensbedrohend gewesen und der Tter habe keinen Ttungsvorsatz gehabt, hlt er fr unzutreffend. Bei einer derart schweren Gewalthandlung, erlutert er, msse der Tatbestand eines Ttungsdeliktes sehr genau geprft werden. Dazu sei das Amtsgericht Fritzlar, wo der Fall zunchst verhandelt werden sollte, gar nicht zustndig, denn laut einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg stelle allein die Anklage wegen gefhrlicher Krperverletzung bereits eine implizite Ablehnung der Anklage wegen eines Ttungsdelikts dar. Diese Ablehnung sei aber Teil der Urteilsfindung und daher nur von einem hheren Gericht zu treffen.

Vor allem aber hlt er die Zurckhaltung der Staatsanwaltschaft fr ein kriminalpolitisch falsches Signal, wenn Heranwachsende losziehen und derart brutal zuschlagen knnen und dann nur mit einer Anklage wegen gefhrlicher Krperverletzung rechnen mssen. Bei einem solchen Sachverhalt ist das eigentlich nicht nachvollziehbar, sagt Kmmer und kndigt an: Wir werden das beleuchten, warum die Staatsanwaltschaft darauf insistiert.

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