Mit Gottes Segen voll im Regen - Evangelische Kirchengemeinde lässt Jugendarbeit in Körle im Stich

Körle. Die Jugendarbeit in Körle steht auf der Kippe. Grund ist der einseitige Ausstieg der Kirchengemeinde aus der gemeinsamen Finanzierung mit de

Körle. Die Jugendarbeit in Körle steht auf der Kippe. Grund ist der einseitige Ausstieg der Kirchengemeinde aus der gemeinsamen Finanzierung mit der Gemeinde und dem Kreis. Ziemlich genau 20 Jahre hielt das Konstrukt, das seinerzeit von Pfarrer Reinhard Heubner angestoßen wurde.

Salto rückwärts

Doch jetzt der Salto rückwärts: "Unser Budget wird immer kleiner, wir können uns die 9.000 Euro im Jahr einfach nicht mehr leisten", erklärt Pfarrer Heinz-Ulrich Schmidt Ropertz im Namen der Kirche. Der Kirchenvorstand habe den Ausstieg schon länger diskutiert, die Entscheidung sei letztlich allen sehr schwer gefallen.

Nun plane man eine Konzentration auf die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit mit Bibelstunden und Konfirmandenfreizeiten. Neue Partner sollen die Kirchengemeinden in Dörnhagen und Fuldabrück sein. Worte, die in den Ohren von Jugendpfleger Michael Urban wie nachträglicher Hohn klingen. "Ich kann den Schritt der Kirche nicht nachvollziehen", betont er. Vor allem die Art und Weise des Ausstiegs der Kirchengemeinde ärgert den Jugendpfleger "tierisch". Und auch die Jugendlichen sind wütend und enttäuscht. "Für uns interessiert sich hier niemand", bringt Felix Bakowies die Meinung der Jugendlichen auf den Punkt. Zumal nun auch die Nutzung des Jugend-clubs im Gemeindehaus in Frage steht, den die Jugendlichen erst vor kurzem eigenhändig renoviert haben.

Keine Gespräche

Es habe vor der Entscheidung keine wirklichen Gespräche gegeben, die Kirchengremien hätten stattdessen stets im Hintergrund agiert, so Urban. In ihnen vermutet er einige "Sturköpfe", die sich schon seit langem an der Jugendarbeit stören. "Klar wurden da auch mal wilde Partys gefeiert", gibt der Jugendpfleger zu, "doch das gehört nun mal dazu, wenn man die Jugendlichen erreichen will."

Dem Kirchenvorstand gehe es letztlich um Persönliches, nicht um die Sache, so sein Vorwurf. Denn wie sonst sei es zu erklären, dass der Ausstieg gerade dann erfolge, wenn sich mit Yannik Köthe, der sein Freiwilliger Soziales Jahr (FSJ) absolviere neue Perspektiven ergäben. Werde jetzt keine alternative Lösung gefunden, müssten sich die Kids auf der Straße oder in Privatwohnungen treffen.

Gemeinde kalt erwischt

Auch die Gemeinde wurde kalt erwischt. Körles Bürgermeister Mario Gerhold sagt: "Wir wurden von der kurzfristigen Entscheidung der Kirche überrascht." Er bedauere den Ausstieg aus einer Kooperation, die schließlich seinerzeit von der Kirche selbst initiiert worden sei.

Der Bürgermeister: Während sich die Kirche verabschiedet, bleibt die Gemeinde als Anstellungsträger des Jugendpflegers zunächst auf den Kosten sitzen. "Bei 400.000 Euro Schulden fällt uns natürlich jede freiwillige Leistung schwer", so Gerhold.

Doch statt zu jammern will der Gemeindechef lieber Aufbruchsstimmung verbreiten: Deshalb betont er: "Uns bietet sich jetzt die Möglichkeit eines Neuanfangs." Aus dieser neuen Situation ergeben sich viele konzeptionelle, personelle und räumliche Fragen, die die Gemeinde gerne öffentlich mit Eltern, Jugendlichen und weiteren Bürgern diskutieren möchten.

Deshalb lädt die Gemeinde zu einem Themenabend "Jugendpflege" für Donnerstag, den 29. September 2011, ab 19.30 Uhr in die Gaststätte Berglandhalle ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Unbekannte entsorgen Müll an A 49

Sowohl am Parkplatz „Scharfenstein“ wie auch am Parkplatz „Am Sonnenborn“ fanden Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Möbel, Elektrogeräte und unzählige weitere Gegenstände 
Unbekannte entsorgen Müll an A 49

Felsberg-Niedervorschütz: Hubsteiger abgebrannt

Brandursache ist vermutlich ein technischer Defekt - Der Besitzer schätzt den Wert des Hubsteigers auf ca. 25.000 Euro.
Felsberg-Niedervorschütz: Hubsteiger abgebrannt

Felsberg-Lohre: Verkehrsunfall mit drei Verletzten

Unfallursache: Beide Fahrzeuge fuhren jeweils nicht am rechten Fahrbahnrand.
Felsberg-Lohre: Verkehrsunfall mit drei Verletzten

Serie „Historische Gebäude im Rotkäppchenland zum Ausschneiden & Bauen“ startet mit Junker-Hansen-Turm

Ab sofort gibt es im Rotkäppchenland Geschichte im Miniformat und zwar im Form von Bastelbögen. Den Anfang macht der Junker-Hansen-Turm.
Serie „Historische Gebäude im Rotkäppchenland zum Ausschneiden & Bauen“ startet mit Junker-Hansen-Turm

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.