Job greifbar – aber Arge will nicht

Von JOCHEN SCHNEIDERHaddamar. Thorsten Hansinger aus Haddamar wrde gern allein fr sich sorgen. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) des Schwalm

Von JOCHEN SCHNEIDER

Haddamar. Thorsten Hansinger aus Haddamar wrde gern allein fr sich sorgen. Die Arbeitsgemeinschaft (Arge) des Schwalm-Eder-Kreises hat aber beschlossen, Gebhren fr private Vermittlungsagenturen nicht lnger zu erstatten. Deshalb bekommt Hansinger weiter Hartz IV und kostet den Steuerzahler am Ende womglich weit mehr als die etwa 1.000 Euro Vermittlungsgebhr.Nach schwerer Krankheit

Der 35-jhrige Mann hat eine schwere Krankheit mit jahrelanger Arbeitsunfhigkeit hinter sich, in den vergangenen Jahren kam er mit Aushilfsjobs langsam wieder im Arbeitsleben an, zuletzt als Gerstbauer.

Vor Ablauf der Frist wieder auf der Strae

Doch noch vor Ablauf der Zwlfmonatsfrist stand Hansinger trotz entsprechender Verpflichtung des Arbeitgebers im Februar 2007 wieder auf der Strae und war damit wieder Hartz IV-Empfnger.

Aushang im Arbeitsamt nicht fr jeden

Der Aushang im Arbeitsamt Fritzlar hatte dem Suchenden Hoffnung gemacht: Mehrere Lagerarbeiter wurden in Wabern gesucht. Die Vermittlung lief allerdings ber die Kasseler Private Arbeitsvermittlung AVT. Sie verlangt eine Vermittlungsgebhr, die Arge erstattete sie zumindest bis September 2007 mit einem Vermittlungsgutschein. Dann kam die Anweisung von der Arge-Geschftsleitung in Homberg, Vermittlungsgutscheine fr Hartz IV-Empfnger nicht lnger zu bezahlen. Nur noch ALGI-Empfnger sollten sie erhalten. Begrndung: Die Konjunktur zieht an, deshalb ist die Vermittlung auch ohne Gebhr mglich. Die Geschftsfhrerin der Kasseler Agentur AVT, Jasminka Bonic: Herr Hansinger htte den Job bekommen, wenn das Amt gezahlt htte.

Etwa 100 Hartz IV-Empfnger betroffen

Und sie fgt hinzu: Das betraf bis Dezember 2007 etwa 100 HartzIV-Empfnger im Schwalm-Eder-Kreis, die keine Chance hatten, solch einen Arbeitsplatz ber uns zu bekommen. Und Thorsten Hansingers rger mit den Vermittlern geht in die nchste Runde: Nachdem er beim Amt erwhnt hatte, er gehe mit dieser Sache an die ffentlichkeit, bekam er prompt ein weiteres Angebot: Fr ber einen Euro weniger Gehalt als Leiharbeiter in einem Homberger Lager helfen. Fr 11. Januar hat ihm die Firma einen Vorstellungstermin gesetzt. Und bereits jetzt liegt ein Schreiben von der Arge vor, in dem steht, Hansinger bekommt sein bisschen Geld zum Leben auf Null gestrichen, weil er es versumt habe, sich bei der Firma in Homberg zu melden. Dabei hat er schon lngst mit der Firma gesprochen und seine Videobewerbung liegt dort vor. Und bis 11. Januar dauerts noch zwei Tage...

Zwischenruf

Die Gesellschaft driftet auseinander.Ein immer grerer finanzieller Spielraum klafft zwischen Arm und Reich, beruflich Erfolgreichen und verzweifelt Suchenden. Die Arbeitsgemeinschaft des Schwalm-Eder-Kreises (Arge) hat nun die Zweiklassengesellschaft unter den Arbeitslosen verschrft. Am Vermittlungsgutschein scheiden sich seit kurzem die Geister. Empfnger des Arbeitslosengeldes I bekommen damit Gebhren erstattet, die private Arbeitsvermittler verlangen. Mitunter kann das rund 1.000 Euro ausmachen. Und wer ohnehin am Rand der Gesellschaft HartzIV bezieht, steht mit der neuen Regelung vor den Aushngen vieler Jobangebote in Behrden und wei gleich: Diesen Job bekomme ich ganz bestimmt nicht. Dann hat der Suchende den Vermerk nur fr Bewerber mit einem Vermittlungsgutschein gelesen und so erfahren, ausschlielich ALGI-Bezieher kommen fr dieses privat vermittelte Angebot in Frage. Ein HartzIV-Empfnger msste die Gebhr selbst bezahlen. Aber wovon? Sicherlich: Auch eine Arge muss mglichst effizient arbeiten. Sie sollte aber wissen, wer schon lange ohne festen Job ist, fasst umso schwerer wieder Fu im geregelten Arbeitsleben. Und das Ausgrenzen von Menschen bringt einen Frust hervor, der schwelt, bis ein Flchenbrand entfacht ist.

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