Großvieh macht auch Mist

Von JOCHEN SCHNEIDER Homberg. Als der dramatische Abend in der Alten Scheune mit Merci-Schokolade fr die Wahlkampfhelfer Martin Wagners bei Frei

Von JOCHEN SCHNEIDER

Homberg. Als der dramatische Abend in der Alten Scheune mit Merci-Schokolade fr die Wahlkampfhelfer Martin Wagners bei Freibier und Ahler Wurscht zu Ende ging, waren den kommunalpolitisch Aktiven von CDU und FDP etliche Steine vom Herzen gefallen. Wenige Meter entfernt von der Freiheit, innerhalb der alten Stadtmauern, in der Krone, konnten die Sozialdemokraten erhobenen Hauptes ebenso das Ende eines strapazisen Wahlkampfes feiern.

Jubel hier, Jubel da

Zuvor, in der Stadthalle, war wiederholt auch bei den Anhngern der SPD-Herausfordererin Marianne Hhn Jubel aufgekommen. Und der Stand nicht immer in Verbindung mit der Landtagswahl (Seite 7), deren Ergebnisse parallel auf die Leinwand projeziert wurden. Marianne Hhn kam im Laufe des Abends nah heran. Phasenweise hatte sie sogar die Nase vorn. Die Ergebnisse aus Hombergshausen (62,3 Prozent von 70 abgegebenen Stimmen), Wernswig (65,2%, 513 Stimmen), Wamuthshausen (64%, 125 Stimmen), Ltzelwig (64,6%, 65 Stimmen), Lembach (59%, 106 Stimmen) lsten bei den Anhngern der 56-Jhrigen aus Oberaula frenetischen Jubel aus.

Wer zuletzt lacht...

Am Ende jubelten aber die Anhnger des Amtsinhabers von der Union. Er hatte es geschafft, Stadtteile auf seine Seite zu holen, in denen viele Whler wohnen. Im Katholischen Gemeindezentrum Kasseler Strae gaben zum Beispiel 233 Brger ihre Stimme ab. Davon holte Martin Wagner 65 ,8 Prozent. Auf 358 abgegebenen Stimmzetteln im Kindergarten Tannenweg, Industriegebiet, war bei 63,4 Prozent der Name Martin Wagner angekreuzt. Ein hnliches Bild in den Bevlkerungsreichen Quartieren Osterbach II (62 % von 491 abgegebenen Stimmen), Cadorfer Feld (61 %, 404 Stimmen), auch in Mardorf und Berge waren ber 60 Prozent fr Wagner. Er konnte auch auf die Briefwhler zhlen. Aber: Sensationelle hohe Quoten wie Hhn erreichte Wagner nicht. Grovieh macht auch Mist, knnte seine Devise gewesen sein.

Mehr als Achtungserfolg

Am Ende hatte Wagner 4.316 Homberger auf seiner Seite, damit 54 Prozent. Und 3.676 Kreisstdter, die Marianne Hhn 46 Prozent bescherten, sorgten fr mehr als nur einen Achtungserfolg. Ich bin stolz auf das Ergebnis. Immerhin haben fast die Hlfte der Homberger mir das Vertrauen geschenkt, sagte die Unterlegene. Der Wahlsieger sah indes das Krfteverhltnis in der Stadtverordnetenversammlung widergespiegelt. Er sagte: Wo gearbeitet wird, fallen Sphne. Jetzt gelte es, den Schwung des Hessentags im Juni zu nutzen und Homberg weiter nach vorn zu bringen. Aber auch, Ursachenforschung zu betreiben. Immerhin hatte Wagner bei der letzten Wahl 67,2 Prozent geholt. Die Differenz zu den erreichten 54 Prozent bedeutet, 17,2 Prozent haben diesmal anders entschieden.

Zwischenruf

Martin Wagner muss sich fragen, woran es gelegen hat. Und ob der bisherige Politikstil der richtige gewesen ist. Ob Freundlichkeit, Service und Leistung bei ihm stimmen. Was der alte und neue Brgermeister am Sonntag vor laufenden Fernsehkameras von den Geschftsleuten am Marktplatz gefordert hat, hat viele von ihnen emprt. Und: Wenn eine 56-jhrige Auswrtige es schafft, am Sockel der Macht in der Kreisstadt zu kratzen, ist es an der Zeit, sich an die eigene Nase zu fassen. Wenn aus 67,2 Prozent 54 werden haben sich zumindest viele umentschieden, die sechs Jahre zuvor noch die Stange gehalten hatten. Hinter vorgehaltener Hand war am Wahlsonntag in der Stadthalle zu hren, auch CDU-Parteignger des spteren Wahlgewinners htten ihm einen Denkzettel verpassen wollen. Aber selbst ihnen stockte der Atem, als Herausfordererin Marianne Hhn pltzlich knapp vorn lag, nachdem ber die Hlfte der Wahllokale ausgezhlt war. Sicherlich: Hinter Hhn standen alte Kader sozialdemokratischer Stadtregierung in der einst roten Hochburg. Sie wollten zurck ins Rathaus. Mit Macht! Dass Martin Wagner in den ersten sechs Jahren seiner Zeit als Homberger Brgermeister keine katastrophalen politischen Patzer unterlaufen und tief greifende, infrastrukturelle Fehler seinen Vorgngern zuzuschreiben sind, tritt in Zeiten der Stimmenwerbung in den Hintergrund. Es geht um Persnliches. Um Menschen vor allem in den kleinen Stadtteilen, die sich gegngelt fhlen. Da ist es fr ein besseres Miteinander in der Zukunft wenig hilfreich, einem politischen Mitbewerber, wenn er gratulieren will, schmutzigen Wahlkampf vorzuwerfen. Eine wesentlich sinnvollere Aussage traf Wagner zu spterer Stunde im Kreise seiner Untersttzer. Da sagte er, auch Stadtteile, die mit groer Mehrheit Hhn gewhlt haben, wrden in Zukunft behandelt wie alle anderen. Ein vershnliches Signal am Ende eines spannenden Wahlabends.

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