Handwerk: Stimmung war zuletzt vor 19 Jahren so gut

Nordhessen. Noch nie seit der Wiedervereinigung war die Stimmung im Handwerk so gut. Das ist das Ergebnis der am Freitag vorgestellten Frühjahrsumfra

Nordhessen. Noch nie seit der Wiedervereinigung war die Stimmung im Handwerk so gut. Das ist das Ergebnis der am Freitag vorgestellten Frühjahrsumfrage in nord-, ost- und mittelhessischen Betrieben. "Das Rekordniveau macht uns Mut", betonte denn auch ein sichtlich zufriedener Handwerkskammerpräsident Heinrich Gringel. Denn trotz des langen Winters fielen die Ergebnisse für das erste Quartal 2011 außerordentlich gut aus und die Betriebe erwarten eine weitere Fortsetzung der guten Konjunktur. "Die Stimmung ist, vergleicht man die jeweiligen Frühjahrsquartale, so gut wie seit 19 Jahren nicht mehr", so Gringel im Autohaus Hupfeld in Melsungen.

Nordhessen liegt stimmungsmäßig vorn

Mit 78,4 Prozent ist der Anteil der Betriebe aus der Region, die ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als "gut" oder "befriedigend" einstufen, um 12,2 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Auch die zukünftige Geschäftslage, bezogen auf die kommenden drei Monate, wird sehr zuversichtlich eingeschätzt: 31,6 Prozent der Befragten erwarten für den Zeitraum April bis Juni gute und 50,8 Prozent befriedigende Geschäfte (Vorjahr: 20,4 bzw. 56,3 Prozent). Somit konnte der Geschäftsklimaindex auf einen Wert von 113,5 Punkten steigen, das sind 9,5 Punkte mehr als vor zwölf Monaten, als die Konjunktur bereits Fahrt aufgenommen hatte. Damit liegt Nordhessen stimmungsmäßig sogar vor den Südhessen. "Jeder fünfte Betrieb spricht sogar von Vollauslastung", so Gringel.

Dienstleister sind Schlusslicht

Das Handwerk profitierte dabei nach eigenen Angaben insbesondere von den Konjunkturprogrammen von Bund und Land. Aber auch steigende Mitarbeiterzahlen und Investitionen bei Konzernen wie SMA in Kassel oder und B.Braun in Melsungen sorgten für mehr Umsatz im Handwerk.

Industrielle Zulieferer profitieren am meisten

Davon profitierten vor allem die industriellen Zulieferer und das gesamte Baugewerbe, die die höchsten Zufriedenheitswerte registrierten. Sowohl die private als auch die gewerbliche Nachfrage bleiben auf hohem Niveau

und die gestiegene Kaufkraft in der Region wird in Konsum umgesetzt. Auch das Kfz-Gewerbe machte im Vergleich zum Vorjahr einen ordentlichen Sprung: Waren im Frühjahrsquartal 2010 lediglich 56,5 Prozent der Befragten mit ihrer Geschäftslage zufrieden, sind es jetzt immerhin 77,5 Prozent. Sorgenkinder bleiben die privaten Dienstleister, wie etwa Friseure, die den harten Verdrängungswettbewerb spüren. Hier war der Zufriedenheitsgrad mit Abstand am niedrigsten, während in den Nahrungsmittelhandwerken wieder größere Brötchen gebacken werden.

Betriebe planen Neueinstellungen

Die guten Zahlen wirken sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt aus. "Die in dieser Jahreszeit üblichen Personalreduzierungen hielten sich in Grenzen", so der Kammerpräsident. Für die nächsten Monate planten die Handwerksbetriebe in der Region mit ihren derzeit rund 90.000 Mitarbeitern umfangreiche Neueinstellungen, deren Zahl mit etwa 900 beziffert wird.

Preissteigerungen machen Sorgen

Sorgen bereiten den Handwerkern derzeit lediglich die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. "Die", so warnt Gringel, "könnten die gute Konjunktur gefährden." Auch muss sich das Handwerk dem zunehmenden Fachkräfte- und Nachwuchsmangel stellen.

Unterschiede in der Zufriedenheit gibt es auch zwischen den Kreisen. Während die Betriebe rund um Kassel, Hersfeld und Fulda ihre Lage besonders oft als "gut" bezeichnen, hinkt die Stimmung in den ländlichen Regionen hinterher.

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