1.45 Millionen Euro für Felsberg und Gensungen: Ausbau von Jugendwerkstatt und Bahnhof

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Bürgermeister Volker Steinmetz (links), Architekt Ruppert Umbach (Mitte) und Paul Wieder vom Fachausschuss Bauen & Umwelt vor dem Leuchtturmprojekt Alter Bahnhof Gensungen. Hier soll bis voraussichtlich Ende des Jahres ein Begegnungszentrum entstehen.

Dank des Förderprogramms „Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung“ darf Felsberg mit 1,45 Millionen Euro den Bahnhof Gesungen sowie das Bildungszentrum Jugendwerkstatt in Felsberg ausbauen. Die Mitte zwischen beiden Stadtteilen soll attraktiver gestaltet und neue Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Felsberg. "Das sind echte Leuchtturmprojekte in Felsberg", so Bürgermeister Volker Steinmetz. Er redet von der Jugendwerkstatt Felsberg und dem Bahnhof in Gensungen, die beide im Rahmen des Zukunftsinvestitionprogramms des Bundes (ZIP) für insgesamt 1.450.000 Euro zu einem Tagungs- und Exkursionsstand­ort umgebaut werden und so neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, beispielsweise für benachteiligte Jugendliche als auch für Migranten.

Der Ausbau des Bildungszentrums Jugendwerkstatt soll das Qualifikations- und Integrationsangebot erweitern und zudem den Ortsrand aufwerten und ihn erlebbar und attraktiver gestalten. Es wird eine Kantine mit Lehrküche errichtet, die Platz für zehn Schüler bietet.

Diese sogenannte Produktionsschule vermittelt betriebsnahen Arbeitsstrukturen, in denen die jungen Menschen an die Arbeitswelt herangeführt werden ebenso wie die Tagesstruktur, Kulturtechniken und Familiarität – Sozialisationselemente, die in den einkommensschwachen und bildungsfernen Herkunftsmilieus oft zu kurz kommen. Sie werden so auf eine Ausbildung in den Bereichen Gastronomie/ Alltagsbetreuung vorbereitet.

Dafür wurde eine Summe von 450.000 Euro bewilligt. Sie ist von beiden Projektbeteiligten mit baulichen Maßnahmen am weitesten vorangeschritten und soll im Sommer dieses Jahres fertiggestellt sein.

Die Bauarbeiten am Bahnhofsgebäude haben ebenfalls begonnen. "Wir visieren eine Fertigstellung bis Ende 2018 an", so Paul Wieder vom Fachbereich Bauen und Umwelt optimistisch. Den Bahnhof in Gensungen gilt es neu zu beleben und so in der gestaltungsbedürftigen Mitte zwischen den beiden Stadtteilen Felsberg und Gensungen neue Nutzungsmöglichkeiten bieten.

„Als Portal für die zahlreichen Pendler bietet er einen gut erreichbaren interkulturellen Treffpunkt“, erklärt Steinmetz. Inhaltlich ist er als Anlaufstelle für Flüchtlinge und Einheimische sowie Zentrum zur Begegnung und Integrationsstätte projektiert. Trotz seiner zentralen Lage ist der alte Bahnhof außerhalb der Fahrzeiten recht unbelebt.

Das Konzept sorgt aus diesem Grund einerseits für eine zeitlich gestreckte Nutzung, die vor allem die Abende einbezieht und andererseits eine möglichst große Bandreite von Nutzergruppen anspricht. So ermöglicht beispielsweise die barrierefrei erreichbare ehemalige Bahnhofshalle die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen aber auch Schulungen, Integrationskurse oder Vortragsveranstaltungen.

Architekt Ruppert Umbach sorgte mit drei Eingängen, verschiedenen Trennmöglichkeiten durch Türen, mehreren WC’s und Küchen für seperate Bereiche. "Wir wollen den Bahnhof in ein Multifunktionsgebäude umbauen und ihn so flexibel wie möglich gestalten", so Umbach.

Da im ZIP eine Zweckbindungsfrist von zehn Jahren vorgeschrieben ist, musste die Stadt dies bautechnisch entsprechend berücksichtigen, denn "die Ansprüche und der Nutzungsbedarf ändern sich schnell", weiß das Stadtoberhaupt, "im Startszenario konzentrieren wir uns auf die derzeitige Bedürftigkeit im sozialen Bereich."

So sollen im Erdgeschoss Büros für Beratungsangebote – beispielsweise Rentenberatung, Schuldnerberatung, Bewerbertraining – geschaffen sowie in der Küche Kochkurse veranstaltet werden. "Es wäre schön, wenn Menschen aus den verschiedenen Kulturen Felsbergs ihre Kochkünste dort zeigen würden", blickt Steinmetz freudig in die Zukunft. Ein großer Mehrzweckraum bietet Platz für Veranstaltungen jeglicher Art. Auch das Obergeschoss wird in getrennt nutzbare Einheiten aufgeteilt und zunächst für Bildungsarbeit zur Verfügung stehen.

In der Antragsstellung waren für diesen Ausbau 700.000 Euro vorgesehen. Im Rahmen der baufachlichen Prüfung wurden allerdings Mehrkosten von rund 287.000 Euro entdeckt – aufgrund von unterschiedlichen Schwammarten war beispielsweise die Herausnahme von Zwischendecken erforderlich. "Dies wurde bereits im Vorfeld der Haushaltsberatungen für das Jahr 2017 diskutiert, beraten und berücksichtigt", versichert Steinmetz.

Auf die Stadt Felsberg kommen Kosten von insgesamt circa 432.000 Euro zu – der zehn prozentige Eigen­anteil der beantragten Zuwendungsmittel von 145.000 Euro und die Kostendifferenz beim Projekt Bahnhof. "Derzeit bewegen wir uns im Rahmen der ausgewiesenen Haushaltsansätze, besondere Mehraufwendungen sind nicht erkennbar", so Steinmetz abschließend.

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