8,50 Euro für 2.200 Vollbeschäftigte

+

Vom neuen Mindestlohngesetz profitieren im Schwalm-Eder-Kreis über 2.200 Vollzeitbeschäftigte.

Schwalm-Eder. Vom neuen Mindestlohngesetz, das seit dem 1. Januar in Kraft ist, profitieren im Schwalm-Eder-Kreis über 2.200 Vollzeitbeschäftigte. Das ergaben Berechnungen des DGB, Region Nordhessen. Bei insgesamt 30.000  Vollzeitbeschäftigten im Schwalm-Eder-Kreis seien das immerhin 7,5 Prozent, so DGB-Kreisvorsitzender Andreas Fritsch.

Seit dem 1. Januar steht diesen 2.200 Vollzeitbeschäftigten nun der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde zu, was einem Bruttoverdienst bis zu 1.500 Euro/Monat entspricht*.

Gravierend, so Fritsch, sei die Diskrepanz zwischen Männern und Frauen im Niedriglohnbereich. Während knapp 4 Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer brutto weniger als 1.500 Euro monatlich verdienen, liege der Anteil der Frauen mit über 15 Prozent fast vier Mal so hoch.

Der DGB geht davon aus, dass bei den ca. 15.597 sozialversicherten Teilzeitbeschäftigten im Schwalm-Eder-Kreis und insbesondere bei den rund 14.081 Minijobs, der Anteil derjenigen, die vom Mindestlohn profitieren werden, noch deutlich höher liegt. Regionale Angaben sind jedoch wegen mangelnder statistischer Grundlagen nicht möglich. Landesweit werden etwa zwei Drittel der Minijobberinnen und Minijobber vom Mindestlohn profitieren.

Andreas Fritsch ist überzeugt, dass der gesetzliche Mindestlohn zu mehr Gerechtigkeit führen wird. "Die Akzeptanz bei den Unternehmen wird noch steigen, wenn sie sicher sein können, dass der Mindestlohn auch von der Konkurrenz bezahlt wird", zeigt sich Fritsch zuversichtlich. Wichtig sei eine wirksame Überwachung. Fritsch: "Einige Arbeitgeber versuchen mit allen Tricks den Mindestlohn zu umgehen. Das ist kein Kavaliersdelikt." Wer gegen das Mindestlohngesetz verstoße, muss mit Geldbußen bis zu 500.000 Euro rechnen. Beschäftigte, denen der Mindestlohn vorenthalten werde, können bis zu drei Jahre später Klage einreichen.

Gewerkschafter Fritsch weist darauf hin, dass tariflich ausgehandelte Branchen-Mindestlöhne ihre Gültigkeit behalten und nicht mit Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn gekürzt werden können.

Mindestlohn-Hotline des DGB gestartet

Nicht erst seitdem der Mindestlohn tatsächlich gilt, stellen sich viele Fragen. Für wen gilt er? Muss ich selbst darauf achten, dass ich ihn bekomme? Was kann ich tun, wenn mein Chef den Mindestlohn einfach nicht zahlen will? Was passiert mir als Arbeitgeber, wenn ich den Mindestlohn nicht zahlen will?

Die Hotline des DGB ist seit dem 2. Januar 2015 geschaltet und dient Ratsuchenden mit ersten Informationen über das neue Mindestlohngesetz. Erreichbar ist die Hotline unter 0391/4088003 (Ortstarif) von Montag bis Freitag 7 bis 20 Uhr und Samstag 9 bis 16 Uhr.

*So rechnet der DGB

Grundlage der DGB-Berechnungen: Rein rechnerisch müssten alle Vollzeitbeschäftigten, die bisher bei einer 39-Stunden-Woche und im Schnitt 4,35 Arbeitswochen weniger als 1.442 Euro brutto im Monat erhalten haben, bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro mehr verdienen. Nach der amtlichen Entgeltstatistik verdienten im Schwalm-Eder-Kreis bisher 1.809 Vollzeitbeschäftigte weniger als 1.400 Euro brutto im Monat. Bei den Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung werden aber auch einmalige Zahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Überstundenzuschläge, Gefahrenzulagen etc. anteilig berücksichtigt. Da auch Beschäftigte im Niedriglohnbereich teils in den Genuss der genannten Zuschläge wie bei Überstunden kommen und zum Teil auch länger arbeiten, gehen die DGB-Berechnungen von einer Verdienstgrenze von 1.500 Euro brutto im Monat aus (2.240 Beschäftigte im Schwalm-Eder-Kreis).

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Felsberg-Gensungen: Parkstraße drei Wochen gesperrt

Grundhafte Sanierung der K 21 zwischen Gensungen und Heßlar hat begonnen - insgesamt wird bis November gebaut.
Felsberg-Gensungen: Parkstraße drei Wochen gesperrt

Wegen Corona: Lebensmittelindustrie arbeitet am Limit

Schwalm-Eder-Kreis: Die 1.800 Beschäftigten geben Vollgas.
Wegen Corona: Lebensmittelindustrie arbeitet am Limit

Melsungen: Fassadenplatten aus Vorgarten gestohlen

Tat geschah um 1.22 Uhr in der Nacht zu Samstag.
Melsungen: Fassadenplatten aus Vorgarten gestohlen

Schwalm-Eder-Kreis meldet drei neue Corona-Tote

Zahl der Infizierten stieg um sieben auf 282.
Schwalm-Eder-Kreis meldet drei neue Corona-Tote

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.