Abgehoben: Mit dem Gleitschirm über den Alpenhauptkamm

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Mit seinem Flug über den Alpenhauptkamm absolvierte Matthias Kuhn seinen bisher persönlich längsten und zugleich weitesten Flug mit einem Gleitschirm.

Dem 26-jährigen Matthias Kuhn aus Jesberg gelang es mit seinem Gleitschirm über den Alpenhauptkamm von Italien nach Österreich zu fliegen.

Jesberg. Mit  dem Gleitschirm durch die Lüfte fliegen, mit Adlern in der Thermik kreisen und die Landschaft aus einer völlig anderen Perspektive sehen. Das ist nicht nur Leidenschaft, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung in der man stetig nach neuen Zielen und Herausforderungen greift.

Dem 26-jährigen Matthias Kuhn aus Jesberg ist es vor ein paar Tagen tatsächlich gelungen mit seinem Gleitschirm über den Alpenhauptkamm von Italien nach Österreich zu fliegen. Mit zwei Litern Wasser und ein paar Plastiktüten im Gepäck absolvierte der Wahlaustralier eher unvorbereitet seinen 160 Kilometer langen viereinhalbstündigen Flug vom Ahrntal bis ins Zillertal. „Das es klappen würde hätte ich selbst nicht gedacht“, erzählt „Matt“, wie ihn seine australischen Freunde nennen. Direkt nach dem Start am Speikboden konnte er gut Höhe machen. „Dann habe ich mich langsam ran getastet bis ich mich dann südwestlich vom schneebedeckten Raukofel (Monte Fumo) hinter die Bergspitze auf die Nordseite wagte“.

Die letztendliche Entscheidung zur Querung traf der Jesberger aber erst in der Luft. Denn dazu musste Matt immerhin auf über 3.100 Meter Höhe aufdrehen. Der starke Wind half ihm dabei. Zeitgleich wusste der Hobbypilot aber auch, dass wenn er es auf die Nordseite schafft, es kein zurück geben würde. „Es war sehr turbulent und die scharfen Felsen sehr furchteinflößend. Hinzu kam die unglaubliche Kälte vor der ich mich mit gelben Säcken schützte“. Doch die unvergessliche Aussicht entschädigte für die ungemütlichen Bedingungen. Tiefblaue Seen, Adler die in Aufwinden mit ihm kreisten und die unglaubliche Weitsicht über die vielen Bergspitzen der Alpen ließen so manche Furcht verschwinden.

Seine Route verlief auf der Alpensüdseite zunächst vom Speikboden in südwestliche Richtung zum 2.475 Meter hohen Gonnerberg. Danach flog er in nördliche Richtung nach Weißenbach entlang der 3.000er Kette vorbei am Schwarzenberg, Wollbachspitz und Raukofel. Auf der Alpennordseite ging es dann an der 3.100 Meter hohen Kleinspitze vorbei in Richtung Brandberger Kolm, bis er schließlich kurz vor Aschau im Zillertal seinen unvergesslichen Flug beendete. Seine größte Höhe lag bei sagenhaften 3.119 Metern.

Dass alles gut ging, teilte er direkt nach der Landung seinem Freund und ehemaligen Fluglehrer per Kurznachricht mit: „Charly, ich hab da ein Problem“. Denn der Überflieger musste ja wieder zurück ins Ahrntal. Und diese rund 200 Kilometer lange Strecke über den Brenner legte Matt zu Fuß und mit Bus und Bahn zurück.

Während der ganzen Woche seines Aufenthaltes im Südtiroler Sand in Taufers liebäugelte Kuhn bereits mit dem Alpenhauptkamm. Die Frage, ob er tatsächlich die Querung schafft, stellte ihm sich gar nicht. Vielmehr wartete Matt auf die richtigen Bedingungen. Und dann ist er einfach seiner Lebenseinstellung gefolgt: „Nicht auf irgendetwas lange warten, sondern einfach machen. Erst dann weiß man, ob es sich gelohnt hat oder nicht“, so der Gleitschirm-Enthusiast. Mit seinem Flug über den Alpenhauptkamm absolvierte Matthias Kuhn seinen bisher persönlich längsten und zugleich weitesten Flug mit einem Gleitschirm. In seiner Freizeit fliegt der ausgebildete Tauchlehrer fast täglich an der australischen Küste, in Queensland.

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