Vom Acker in den Mund: Kinder lernen auf dem Bauernhof

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Lernen mit allen Sinnen: die Kinder ernten, füttern, bereiten eine Mahlzeit zu und essen gemeinsam.

Stefan Itter im nordhessischen Kirchberg ist überzeugter Bio-Landwirt. Und er findet es wichtig, dass Kinder sehen, lernen und schmecken woher die Produkte auf ihrem Esstisch stammen. Regelmäßig sind Gruppen zu Gast bei ihm.

Niedenstein. Die Postition von Tim ist unumstößlich. „Ich esse kein Fleisch“, betont der Siebenjährige. „Nur Gehacktes“, schiebt er hinterher. Stefan Itter, der den Bio-Hof Eiwels in Kirchberg leitet, kennt solche Antworten von den Besuchen der Grundschüler auf dem Hof.

„Es gibt Kinder, die das Halten von Nutztieren und das, was auf dem Teller landet, nicht verknüpfen können. Sie wissen das nur auf einer höchst abstrakten Ebene.“ Er möchte aufklären: Wie Lebensmittel produziert werden, wie Nutztierhaltung aussieht.

Bei Itter dürfen die Kinder Zuschauen – und mitmachen: Dinkel wird zu Mehl gemahlen, Eier werden bei den Hühnern eingesammelt und zusammen anschließend Waffeln gebacken.

„Ich möchte einen Ort anbieten, der einen Einblick vermittelt, was Landwirtschaft bedeutet“, betont Stefan Itter, der schon vor mehr als zehn Jahren erste Geh-Versuche mit „agarpädagogischen Einheiten“ für Kinder zwischen Mähdrescher und Hühnerstall machte. „Für mich ist das wichtig, nicht nur am Produkt zu hängen, sondern auch weitere Dienstleistungen zu entwickeln“, erklärt Itter.

Seit zwei Jahren nun arbeitet er intensiv mit der Stiftung der bekannten Fernsehköchin Sarah Wiener zusammen. Ein Partner, „ohne den es nicht laufen würde“, weiß Itter. Die Stiftung übernimmt Anmeldung der Gruppen, die Logistik, die Anfahrt. Stefan Itter kann sich ganz und gar auf seinen Hof konzentrieren. Der bekam ein ganz spezielles Extra. „Wir haben eine neue Hofküche eingerichtet, um mit den Kindern gemeinsam kochen zu können.“ Waffeln gehen immer, in diesem jahr möchte sich Itter an die typisch nordhessische grüße Soße wagen. „Dazu müsste ich noch Kartoffeln anbauen, denn wir wollen den Kindern hier keine Schummeleien unterjubeln – das würden sie sofort merken.“ Und schließlich laute der Titel der Bauernhoffahrten ja auch „Vom Acker in den Mund“.

Sechs bis acht Mal wird Stefan Itter in diesem Jahr von Grundschülern aus Nah und Ferner besucht werden – und für sehr viele Aha-Erlebnisse bei den Kindern sorgen. Im Gegenzug gibts für ihn immer wieder überraschende Einblicke in die kindlichen Gedanken. „Das Gerechtigkeitsgefühl ist besonders ausgeprägt“, stellt Itter fest. „Das Ei für unsere Waffeln fehlt dem Huhn ja jetzt“, wird da schon mal protestiert. überhaupt sind natürlich die Tiere, die die Kinder am meisten faszinieren. Bei Eiwels sind es Galloway-Fleischrinder, Schweine der Rassen Bunte Bentheimer/Pietrain und SchwäbischHällisch/Duroc sowie zwei Gruppen Legehennen mit ca. 160 Tieren. Das sinnliche Erleben und die aktive Mitarbeit bei der Versorgung der Nutztiere, der Wiesen und Weiden sowie der Feldkulturen gehört zum Programm der Hofbesuche. Und für Stefan Itter zum Pflichtprogramm, „um Erwachsenenalter mündige Verbrauchger zu haben, die sich an blöden Ampeln auf Lebensmittel-Verpackungen orientieren müssen.“ Für ihn ist das Wissen so elementar, dass er sich Pflichtbesuche im ersten, vierten und zehnten Schuljahr wünschen würde. Zumindest aber auch ein umdenken in der Lernförderung: „Es fließen so viele Mittel in das Thema Digitalisierung. Aber, dass sich die Kinder immer weniger in ihrer analogen Welt zurechtfinden können, findet kaum Beachtung“, ärgert sich Stefan Itter. Und freut sich zugleich, gemeinsam mit der Sarah-Wiener-Stiftung dort Abhilfe schaffen zu können.

20 Höfe in Deutschland

Die Bauernhoffahrten Vom Acker in den Mund! finden deutschlandweit auf mehr als 20 ökologisch wirtschaftenden Höfen statt. Diese decken eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebszweige ab und eigenen sich optimal als Lernorte für die praktische Ernährungsbildung. Auf den Partnerhöfen lernen Kinder und ihre pädagogischen BetreuerInnen sowohl die Nutztierhaltung, als auch den Acker, Gemüse und Obstanbau kennen. Die Verarbeitung von hofeigenen Produkten spielt bei den Fahrten eine wichtige Rolle. Zur Qualitätssicherung schult die Sarah Wiener Stiftung die LandwirtInnen während eines zweitägigen Workshops im pädagogischen Kochen und entwickelt mit ihnen gemeinsam spezifische Tagesprogramme für die Bauernhoffahrten. Weitere Infos und Anmeldung unter www.sw-stiftung.de

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