Aktivisten blockieren Plukon-Hühner-Schlachthof in Gudensberg 

Demo Plukon Gudensberg: Rund 40 Aktivisten haben heute vor dem Hühner-Schlachthof in Gudensberg demonstriert.
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Rund 40 Aktivisten haben heute vor dem Hühner-Schlachthof in Gudensberg demonstriert.
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Rund 40 Aktivisten haben heute vor dem Hühner-Schlachthof in Gudensberg demonstriert.

Seit den frühen Morgenstunden blockieren etwa 40 Aktivisten vom Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie den Hühner-Schlachthof der Firma Plukon in Gudensberg. Sie fordern die sofortige Schließung des Betriebs, um Arbeiter vor Corona-Infektionen zu schützen. In Anbetracht von Klimakrise und Tierleid brauche es außerdem einen umfassenden Ausstieg aus der Tierindustrie und gute Alternativen für Beschäftigte, so die Forderung der Demonstranten.

„Seit 3 Uhr heute morgen steht der Schlachthof von Plukon in Gudensberg still“, berichtet ein Sprecher des Bündnisses. Zwei Aktivisten seien auf ein Dach geklettert und haben ein Banner mit der Aufschrift „Shutdown Tierindustrie“ heruntergelassen. Weitere Menschen hätten sich auf einer Zufahrt festgekettet, eine Person sitze in einem Tripod und etwa 20 Personen hätten Sitzblockaden auf allen drei Zufahrten errichtet

„Wer am Schlachthof arbeitet, kann sich praktisch nicht davor schützen, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Aktuell gibt es hier in Gudensberg einen Corona-Hotspot, der in direktem Zusammenhang mit dem Schlachthof steht. Arbeiter*innen haben uns berichtet, dass sie vom Betrieb nicht für Quarantäne freigestellt wurden, obwohl sie Kontakte zu anderen Infizierten angegeben hatten. Bereits vor dem Ausbruch wurde immer wieder von nicht eingehaltenen Infektionsschutzmaßnahmen berichtet. Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Produktion muss sofort beendet werden“ sagt Friedrich Kirsch von Gemeinsam gegen die Tierindustrie.

Die Aktion selbst verläuft unter strenger Einhaltung des Infektionsschutzes, alle Aktivisten halten Abstand und tragen FFP2-Masken. Friedrich Kirsch: „Seit Beginn der Pandemie kam es in der Tierindustrie mehrfach zu Corona-Ausbrüchen, die auf die schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen der Arbeiter zurückgingen. Seit Januar 2021 gilt zwar ein Verbot von Werkverträgen. Aus Sicht von Gemeinsam gegen die Tierindustrie sei das aber nicht ausreichend: „Das Arbeitsschutzkontrollgesetz wurde von der Industrielobby und der CDU/CSU lange verhindert und dann so verwässert, dass es kaum Sanktions- und Kontrollfunktionen enthält. Bußgelder gehen bis zu läppischen 30.000.- Euro und die Schlachthöfe müssen nach bisheriger Praxis im Schnitt nur alle 30 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Was das Gesetz aber durchaus gebracht hat: Viele Arbeiter*innen organisieren sich nun erstmals und nehmen den Kampf auf. Wir sind solidarisch mit den Schlachthof-Arbeiter*innen in den aktuellen Arbeitskämpfen.“

Im April hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die dritte Tarifverhandlung in der Fleischindustrie für beendet erklärt, da eine Einigung an der Blockadehaltung der Fleischkonzerne scheiterte. Die Gewerkschaft NGG forderte 12,50 Euro Einstiegslohn, der sich nachder Einarbeitung auf 14,00 Euro erhöhen sollte. Die Fleischkonzerne bezeichneten dagegen 10,50 Euro Mindestlohn als ihre Schmerzgrenze. „Konzerne wie Tönnies, PHW oder Plukon fahren mit der grenzenlosen Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur Jahr für Jahr Millionen-Umsätze ein,“ sagt Kirsch. „Plukon machte 2020 einen Gewinn von 54 Millionen Euro. Für diejenigen, die in den Schlachtfabriken schuften müssen, sind die angebotenen 10,50 Euro der pure Hohn.“

Parallel zu der Demonstration fand die vierte Verhandlungsrunde statt, laut NGG die letzte Chance, eine weitere Tarifverhandlung werde es nicht geben. „Mit Streiks und vielfältigen weiteren Aktionen haben die Kolleg*innen gezeigt, was sie vom ‚Angebot‘ der Ausbeuter halten. Wir stimmen ein in die Kritik und fordern einen Systemwechsel: Die Konzerne der Tierindustrie müssen vergesellschaftet und die Produktion auf Pflanzenverarbeitung umgestellt werden. Für die Beschäftigten an den Schlachthöfen und in der Landwirtschaft braucht es gute Alternativen, etwa über Umschulungen und Tierhaltungs-Ausstiegsprogramm“.

Rubriklistenbild: © Privat

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