Angriff im Freibad: Jugendlicher schlägt Familienvater blutig

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„Ohne die Helfer wäre ich nicht mehr da“: Ein 36-Jähriger wird von einem 16-Jährigen im Felsberger Freibad mehrfach auf den Kopf geschlagen.

Felsberg/Gensungen. Er visiert den Kopf an. Der erste Schlag sitzt. Das Blut fließt über das Gesicht von Patrick F. aus Gensungen. Beschmiert Shirt, Badehose und den Steinboden. Der 36-Jährige sieht nichts, kann sich nicht bewegen. Dann folgen weitere acht oder neun Schläge auf den Kopf und an die Schläfe. Binnen einer Viertelstunde verliert der dreifache Familienvater eineinhalb Liter Blut. Innerhalb von nur 15 Minuten verändert sich das Leben der Gensunger Familie, die sich an einem sonnigen Sommertag vor etwa zwei Wochen im Ernst-Schaake-Bad abkühlen wollte.

Patrick F.s drei Kinder sehen dabei zu, wie ein 16-Jähriger ihren Vater zur Zielscheibe und zum Ventil seiner Aggressionen macht – auch seine achtjährige Tochter Mia-Josephine. Sie schreit. Die beiden Söhne Jason und Justin stehen da wie angewurzelt. "Geht weg!", ruft Patrick noch. Der Anblick ihres blutenden Vaters lähmt sie. Sein Glück: Die anwesenden Badegäste zeigen Zivilcourage, stellen sich zwischen Täter und Opfer – und retten dem 36-jährigen Soldaten das Leben.

"Ich wurde sofort von allem abgeschottet. Mein Glück war auch, dass unter den Badegästen zwei Krankenschwestern und eine Polizistin waren. Sie haben sofort reagiert und auf meine Kopfwunde gedrückt", erzählt Patrick F. "Sogar ein Rollstuhlfahrer und Kinder stellten sich dazwischen", erinnert sich seine Frau Nadine. Dann läuten schon Polizei- und Krankenwagensirenen.

"Alles war voller Blut"

Seine Frau Nadine ist beim Bademeister, um den Eintritt für die Familie zu bezahlen, als ihr Mann heimtückisch angegriffen wird. Dann hört sie die Schreie ihrer Kinder, die die Luft zerreißen. "Der Bademeister und ich rannten sofort zur Terrasse, wo mein Mann und unsere Kinder gewartet haben. Es war alles voller Blut, so viel Blut", erinnert sich die 34-Jährige und sieht zu ihrem Mann Patrick herüber. Er sitzt wieder auf dem Stuhl im Felsberger Freibad, auf dem er von hinten angegriffen wurde. Aus dem Nichts.

Der Täter ist bereits bestens bekannt:  "Als ich ankam, war alles rot. Der Junge hat schon in mehreren Felsberger Lokalitäten Hausverbot, jetzt auch im Bad", sagt Bademeister Georg Liebsch. Nach der Attacke sei der Jugendliche einfach abgehauen.

An dem Nachmittag soll der 16-jährige Deniz (Name von der Redaktion geändert) im Ernst-Schaake-Bad schon andere Gäste angepöbelt haben. "Er war auf Streit aus", sagt eine Zeugin, die nicht genannt werden möchte. Patrick und Nadine F. zeigen den Jungen wegen Körperverletzung an, das bestätigt Polizeisprecher Volker Schulz.

"Ein Zentimeter weiter und es hätte vorbei sein können"

Grund für den Angriff: "Der Geschädigte soll dem Täter zwei Stunden zuvor den Mittelfinger gezeigt haben." F.s Wunden sind tief und müssen mit insgesamt 15 Stichen genäht werden. "Er hat behauptet, mich nur mit der Faust geschlagen zu haben, für mich kann das aber nicht stimmen", erzählt der 36-Jährige. Laut Polizei sollen die Verletzungen jedoch von der Faust stammen. "Die Kopfhaut ist dünn und kann schnell aufplatzen, wie beim Boxen", sagt Schulz. Ganze drei Stunden behandeln Ärzte Patrick F. in der Melsunger Klinik. "Der Arzt sagte mir, dass der Schlag knapp am Schläfenbein vorbei schlitterte. Ein Zentimeter weiter und es hätte vorbei sein können." Dass es nicht so weit gekommen ist, hat er auch den mutigen Ersthelfern zu verdanken.

"Wären diese Menschen nicht gewesen..." – Patrick F. beendet den Satz nicht. Schüttelt nur mit dem Kopf. "Wir möchten allen einfach aus tiefstem Herzen Danke sagen." Verängstigt oder wütend sind die beiden Gensunger aber nicht: "Dieser Junge braucht dringend psychische Hilfe. Alleine kriegt er die Aggressionen nicht in den Griff."

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