Ausgeträumt: Der Traum vom Eigenheim wird immer teurer

+

Der Präsident des hessischen Baugewerbeverbands, Frank Dittmar, mahnt: Bürokratie und zögerliche Kommunen verschärfen die Wohnungsnot in Hessen.

Region. Für die Meisten gehört der Traum von den eigenen vier Wänden immer noch zum vollkommenen Glück. Mit steigenden Bevölkerungszahlen steigt logischerweise auch die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum – auch in Nordhessen. Doch statt neue Baugebiete auszuweisen und die infolgedessen benötigte Infrastruktur vor Ort zu schaffen, gehen die Kommunen viel zu zögerlich an das Problem der Wohnungsnot heran, wie uns Frank Dittmar, Präsident des hessischen Baugewerbeverbands, im EXTRA TIP-Interview erklärt.

EXTRA TIP: Herr Dittmar, warum weisen die Kommunen nur zögerlich neues Bauland aus? Frank Dittmar: Die Kommunen agieren so zögerlich, da ausgewiesenes Bauland auch erschlossen werden muss. Das bedeutet beispielsweise, dass bei 40 neuen Grundstücken auch die passende Infrastruktur folgen muss, wie ein Kindergarten. Und das kostet Geld. Eine generelle Problematik ist aber auch, dass zukünftige Nachbarn immer kritischer werden, was Neubauten in der Nähe angeht. Wahrscheinlich haben da manche vergessen, selbst mal Bauherr gewesen zu sein. Die Probleme bestehen aber schon länger. Die Kommunen müssen sich rechtzeitig mit den Problemen auseinandersetzen, was bisher nicht passiert ist.

Welchen Problemen sehen Bauherren in spe noch entgegen? Der Mangel an Baugebieten ist nur ein Grund, warum Menschen für das Eigenheim immer tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein weiteres Problem ist die kostenintensive Entsorgung von Bauabfällen, da in Hessen entsprechende Deponien fehlen. Als Folge müssen Abfälle in andere Bundesländer oder ins Ausland transportiert werden, was schlecht für die Umwelt ist. Dazu kommen die seit rund zehn Jahren gestiegenen Baunebenkosten und sehr hohen Baustandards bei Schall-, Wärme- und Umweltschutz. Beim Bau eines Hauses werden immer mehr Einzelinteressen berücksichtigt und dann wird‘s teuer.

Frank Dittmar: „In Deutschland ist eben noch nicht alles gebaut.“

Was sollte das Land gegen die hohen Kosten tun? Zum einen könnten Grund- und Grunderwerbssteuer gesenkt werden. Und das nicht für große Immobilienfirmen, sondern für Familien. Zum anderen sollten innerstädtische Bereiche nachverdichtet werden. Ein Beispiel für ungenutzte Gebäude und Flächen ist die Kasseler Kurt-Schuhmacher-Straße – vom Stern zum Altmarkt. So sieht keine vernünftige Wohnraumnutzung aus. Da muss die Politik etwas machen.

Und die Behörden vor Ort? Die müssen sich um Ingenieure bemühen, denn gerade die Bauämter sind personell so ausgedünnt, dass die Vergabe von Aufträgen kaum noch vor Ort erfolgen kann. Hier besteht aber das Problem, dass Ingenieure immer schwieriger aus der freien Wirtschaft herauszuhalten sind. Da muss der öffentliche Dienst attraktiver gemacht werden. Und entgegen der Annahme „In Deutschland ist alles gebaut“, ist in Deutschland eben noch nicht alles gebaut, was die derzeitige Situation verdeutlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Raubüberfall auf Melsunger Tankstelle

Am heutigen Freitagmorgen hat ein bewaffneter Räuber, gegen 6 Uhr, eine Tankstelle in der Fritzlarer Straße überfallen. Dabei bedrohte der Täter den Angestellten mit …
Raubüberfall auf Melsunger Tankstelle

Schwer verletzt: 28-Jähriger kommt von Fahrbahn ab und überschlägt sich

Auf der A 7 kam es gegen 7.50 Uhr zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen Homberg und Malsfeld. Ein 28-Jähriger Hersfelder kam mit seinem Audi von der Fahrbahn ab, der …
Schwer verletzt: 28-Jähriger kommt von Fahrbahn ab und überschlägt sich

Qualität zahlt sich aus: Urlaub im Schwalm-Eder-Kreis immer beliebter

„Tourismus ist nicht die Sache einer Stadt, sondern einer ganzen Region”, sagt Landrat Winfried Becker und lobt das Engagement vieler Privatleute, die sich für den …
Qualität zahlt sich aus: Urlaub im Schwalm-Eder-Kreis immer beliebter

56-Jährige und ihre Hunde kamen ums Leben: Trafo könnte Ursache für Wohnhausbrand in Geismar sein

In der vergangenen Woche kam es in Fritzlar-Geismar zu einen Wohnhausbrand, bei dem eine 56-Jährige und ihre Hunde ums Leben kamen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand …
56-Jährige und ihre Hunde kamen ums Leben: Trafo könnte Ursache für Wohnhausbrand in Geismar sein

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.