Behaupte-Dich-Gegen-Mobbing-Tag: Schüler der Homberger EKS sprechen von ihren Erfahrungen

Erzählen von ihren Erfahrungen mit Mobbing: (hinten v.li.) Ronja Reitz, Jennifer Gottschalk und Emilia Roth, (vorn v.li.) Eduard Gittig, Mary Meider und Gina Hommel mit Deutsch- und Vertrauenslehrer Gunnar Krosky. Foto: Lindner

Homberg. „Mobbing ist eher unter den jüngeren Schülern verbreitet“, sagt Mario Reyer. Der Schüler wurde früher selbst gemobbt, konnte aber früh genug einlenken. Kritisch werde es allerdings, wenn die Opfer sich nicht wehren. Das können auch die anderen Schüler im SV-Raum der Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) bestätigen. „Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen“, betonen Emilia Roth und Jennifer Gottschalk.

Kampf gegen Schikane

Zum heutigen Behaupte-Dich-Gegen-Mobbing-Tag erzählen Schüler verschiedener Klassenstufen der EKS von ihren Erfahrungen mit Mobbing. Auch Gunnar Krosky hat sich in die Runde gesellt. Als Vertrauenslehrer ist es ihm wichtig zu wissen, was die Schüler sich in diesen Situationen von ihm wünschen: „Darüber mit einem Aussenstehenden – Lehrer oder Schüler – zu reden, ist immer der erste Schritt“, sagt er.

Krosky sitzt leicht vorgebeugt auf seinem Stuhl im SV-Raum. Er spricht mit seinen Schülern auf Augenhöhe, es wird viel gelacht. Trotzdem nimmt jeder das Thema sehr ernst. „Wir brauchen einen gewissen Zusammenhalt an der Schule“, sagt Gina Hommel. Sie selbst beobachtet beinahe täglich, dass dies in ihrer eigenen Klasse nicht so ist. „Das macht vieles schwerer, als es sein müsste“, setzt die Schülerin fort.

Dass ständige Schikane durchaus schlimme Schäden hinterlassen kann, ist vor allem den älteren Schülern bewusst. Depressionen und Komplexe sind nur zwei der möglichen Folgen, die sie kennen. „Darum sollte man sich zur Wehr setzen“, findet Mario Reyer. Er bot den beiden fünftklässlern Eduard Gittig und Mary Meider an, ihnen zu helfen, sollten sie Probleme bekommen – natürlich verbal, versicherte er. Denn auch wenn die Meinungen über den Umgang mit dem Psycho-Terror auseinander gehen, die Schüler sind sich einig: Mobbing ist uncool. Wobei sie zwischen tatsächlichem Mobbing und harmlosen Ärgereien unterscheiden. „Mobbing ist, wenn eine Person immer wieder angegangen wird“, sagt Ronja Reitz klar. Dabei könne es dann auch zu Raufereien kommen, „oft weiß man sich nicht mehr anders zu helfen.“

Noch schlimmer werde es, wenn die Schikane auch Zuhause nicht aufhört. „Cyber-Mobbing“ ist in Zeiten von Facebook und WhatsApp keine Seltenheit. „Das war mal in unserer Klasse so“, erzählt Jennifer Gottschalk. Eine Mitschülerin sei online niedergemacht worden. Zusammen mit Emilia Roth und einigen Freundinnen habe sie ihrer Klassenlehrerin davon berichtet.

Das sei genau richtig, wirft Gunnar Krosky ein. Lehrer hätten häufig ganz andere Möglichkeiten, mit dem „Täter“ zu kommunizieren. „Wenn das auch nichts hilft, reden wir mit den Eltern der Betroffenen“, erklärt Krosky. Wer sich nicht traue, zu einem Lehrer zu gehen, könne auch mit anderen Schülern sprechen, „zum Beispiel mit den Schülersprechern“, so Ronja Reitz. Diese könnten dann Kontakt zum Klassenlehrer aufnehmen und die Sache aus der Welt schaffen. Denn Mobbing sei nichts, was man einfach so ertragen müsse.

+++ EXTRA-INFO: Ein Tag gegen Mobbing +++

Zweimal im Jahr findet der Behaupte-Dich-gegen-Mobbing-Tag statt: Am letzten Mittwoch im Februar und am letzten Freitag im November. Viele tragen aus Solidarität ein pinkes T-Shirt, da der Tag von zwei Studenten ins Leben gerufen wurde, deren Kommilitone für das Tragen eines rosafarbenen Hemdes gemobbt wurde.

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